Ein langer Weg zum Wunschberuf

Portrait Yaiya Darbo flüchtete vor rund zwei Jahren aus seiner Heimat Gambia nach Europa – auf der Suche nach einem Leben in Sicherheit. Der 33-Jährige macht nun eine Ausbildung zum Metallbauer.
  • Fotos; Andreas Wegelin
  • Yaiya Darbo ist fester Teil des Teams bei Fürst.

Yaiya Darbo steht in Handwerkerkleidung vor der Bohrmaschine in der Werkshalle der Firma Fürst in Essingen. Sein Blick ist konzentriert auf die quadratische Metallplatte vor sich gerichtet, in die er konzentriert Löcher bohrt. Später soll die Platte als Bauteil in einer größeren Metallkonstruktion weiter verarbeitet werden. Die Bohrlöcher müssen daher genau an der richtigen Stelle sitzen. Mit einem präzisen Blick prüft er sein Werk, bevor er aufblickt. Ein Lächeln umspielt seine Lippen, als er sich die nächste Metallplatte holt. Es steht außer Frage, dass Yaiya Darbo seine Ausbildung zum Metallbauer mit der Fachrichtung Konstruktionstechnik viel Spaß macht. Und mehr noch: Mit ihr erfüllt sich der Auszubildende einen Wunschtraum.

Kein einfacher Weg

Der Weg in seine Wunschausbildung war für Yaiya Darbo jedoch nicht so einfach, denn: Der 33-Jährige ist erst seit rund zwei Jahren in Deutschland. Aus seinem westafrikanischen Heimatland Gambia flüchtete er im Jahr 2014 nach Europa. Er ist einer von tausenden von Flüchtlingen aus diesem Land, die sich jedes Jahr aus Angst vor Armut, Folter, willkürlichen Verhaftungen und Hinrichtungen auf eine lebensgefährliche Flucht über das Mittelmeer in Richtung Europa aufmachen. Allein im vergangenen Jahr flüchteten über 14.000 Menschen vor der Diktatur des Despoten Yahya Jammeh. Ihre Motivation für die risikoreiche Flucht: Der Traum von einem besseren Leben.

„Ich bin zuerst nach Karlsruhe gekommen und dann nach Aalen“, erzählt Yaiya Darbo. An eine Ausbildung sei in den ersten Monaten aber nicht zu denken gewesen. „Es gab einige rechtliche Hürden und das Problem mit der Sprache.“ Er habe ja kein Deutsch gesprochen und daher erst einmal drei Monate einen Sprachkurs gemacht, erklärt er. Viele Tipps und Hilfestellungen erhielt Darbo in den vergangenen Monaten von Ute Schlipf vom Freundeskreis Asyl aus Abtsgmünd. Darbo kann sich inzwischen in seiner neuen Heimat gut verständigen, hat eine Aufenthaltsgenehmigung und wohnt in Abtsgmünd. „Mir gefällt es sehr gut im Ostalbkreis“, betont er. Zwar sei er ohne seine Familie nach Deutschland gekommen, er habe jedoch bereits Freunde gefunden, mit denen er in seiner Freizeit Tennis spiele oder joggen gehe. Den Großteil seiner Zeit widmet Yaiya Darbo aber seiner Ausbildung, die er am 12. September bei der Stahl- und Metallbaufirma Fürst in Essingen begonnen hat.

„Ich habe dort zuerst ein Praktikum gemacht“, erzählt er. Den Praktikumsplatz habe ihm das Bildungszentrum Donner + Partner vermittelt. „Es hat mir auch gleich gut gefallen.“ Der Firmenchef habe ihn gleich in die Arbeit einbezogen und auf Baustellen habe ihn das Mitarbeiter-Team ebenfalls mitgenommen. „Mit Yaiya Darbo hat gleich alles gut funktioniert und er war von Anfang an sehr engagiert“, berichtet Firmenchef Klaus Fürst. Für ihn war daher schnell klar, dass er seinem Praktikanten auch einen Ausbildungsplatz anbieten würde – falls Darbo Interesse hätte. Bei der Frage, ob Yaiya Darbo mit 33 Jahren nicht zu alt für eine Ausbildung wäre schmunzelt Fürst und sagt: „Es ist absolut kein Nachteil, wenn Auszubildende schon etwas älter sind.“ Sie würden Sachverhalte und Arbeitstechniken oftmals bereits durch genaues Beobachten aufnehmen. „Das ist bei jüngeren Azubis oft noch ganz anders.“

Das Schöne an dem Beruf ist, dass man nach und nach sieht, wie das Rohmaterial zum fertigen Produkt wird.

Yaiya Darbo

Nicht die erste Lehre für ihn

Die dreieinhalbjährige Ausbildung bei der Firma Fürst ist für Yaiya Darbo nicht die erste Lehre: „In meiner Heimat habe ich vor meiner Flucht eine Ausbildung zum Schweißer begonnen“, erzählt er. Trotzdem lernt er gerade jede Menge Neues. „In Deutschland ist die Technik schon sehr viel weiter und die Geräte sind auch ganz anders.“ Sein erstes Jahr der Ausbildung verbringt Darbo hauptsächlich an der Berufsfachschule in Ellwangen. Dort lernt er gerade mit knapp 20 weiteren Azubis aus dem Ostalbkreis die Basics seines Berufs – zum Beispiel wie Drehzahlen berechnet oder Gewinde geschnitten werden. „Die ganzen Maschinen, die im Metallbau eingesetzt werden, lerne ich auch kennen.“ Das Jahr an der Berufsfachschule kann der 33-Jährige anschließend als Zeit seiner Ausbildung anrechnen, sodass er bei der Firma Fürst direkt ins zweite Lehrjahr starten kann. Erste praktische Erfahrungen sammelt er dort aber jetzt schon. „Einmal in der Woche haben die Schüler der Berufsfachschule einen Betriebstag“, erläutert Klaus Fürst den Ablauf. Yaiya Darbo freut sich immer darauf: „Die Praxis macht mir mehr Spaß.“ Es seien einfach interessante Tätigkeiten und das Kollegen-Team bei der Firma Fürst sei sehr nett, erläutert er. Ausbilder Klaus Fürst betont in diesem Zusammenhang: „Das Schöne an dem Beruf ist, dass man nach und nach sieht, wie das Rohmaterial zum fertigen Produkt wird.“ Die Azubis von Klaus Fürst dürfen daher oft mit auf die Baustellen, sodass sie hautnah dabei sind, wenn die gefertigten Bauteile aus Stahl oder anderen Metallen zu Treppen, Balkongeländern oder Vordächern montiert werden.

Und wie geht es nach der Ausbildung von Yaiya Darbo weiter? – „Ich bilde die Leute aus, damit ich später gute Facharbeiter habe“, erklärt Klaus Fürst. Für seinen Auszubildenden würde sich damit ein weiterer beruflicher Traum erfüllen. Der 33-Jährige betont: „Ich möchte nach meiner Ausbildung auf jeden Fall bei der Firma Fürst in meinem Beruf weiter arbeiten.“

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© Schwäbische Post 18.11.2016 15:51
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