Achterbahn: Milchpreis und die Reaktion

Preisentwicklungen und neue Gesetzgebungen erfordern vorausschauende Planungen. Die ökologische Landwirtschaft bietet den Höfen neue Chancen.
  • Der stark schwankende Milchpreis machte vielen Landwirten 2016 zu schaffen. Foto: Gerhard Königer

Ostalbkreis. Mit der stark schwankenden Entwicklung des Milchpreises beschäftigten sich Landwirte und Referenten bei der 20. Fachtagung Rind, die gemeinsam vom Geschäftsbereich Landwirtschaft, dem Beratungsdienst Milchvieh Ostalb e.V. und dem Verein für landwirtschaftliche Fachbildung veranstaltet wurde.

Dr. Hansjörg Nußbaum vom Landwirtschaftlichen Zentrum (LAZBW) Aulendorf gab einen Überblick über aktuelle gesetzliche Regelungen und künftige Anforderungen an Anlagen zur Lagerung von Jauche, Gülle und Sickersaft und deren Konsequenzen für die landwirtschaftlichen Betriebe. Besonders wichtig ist dabei die regelmäßige Kontrolle und deren Dokumentation, wozu jeder Landwirt verpflichtet ist.

Wachstumschance Biohof

Hans-Dieter Löw bewirtschaftet gemeinsam mit seiner Ehefrau und seinem Vater in Ilshofen-Oberaspach im Vollerwerb einen landwirtschaftlichen Milchviehbetrieb mit 50 Hektar Landfläche, 43 Milchkühen und weiblicher Nachzucht ökologisch nach den Richtlinien des Demeterverbandes. Er legte die Gründe dar, die ihn im Jahr 2005 zur Umstellung auf den ökologischen Landbau bewogen haben. Er wollte auf Pflanzenschutzmittel und synthetische Dünger sowie auf den Einsatz von Gentechnik verzichten und die Entwicklung der konventionellen Landwirtschaft (Wachsen oder Weichen) nicht mitmachen. Elf Jahre nach Beginn der Umstellung steht er zu 100 Prozent hinter seiner damaligen Entscheidung.

Martin Haugstätter vom Beratungsdienst Ökologischer Landbau Ilshofen stellte die Anforderungen des ökologischen Landbaus sowie die Entwicklungen auf dem Biomarkt dar. Die Tiere benötigen mehr Platz, komfortable Liegeflächen, Außenausläufe und Weidegang im Sommer. Wie die Umstellung zeitlich abläuft und welche Gestaltungsmöglichkeiten der Betrieb hier hat, machte er deutlich. Der Gewinn der Biobetriebe, vor allem wegen der höheren Milchpreise, sei nachhaltig gestiegen und konkurrenzfähig. Daher sind die Voraussetzungen für eine Betriebsumstellung momentan sehr günstig.

Dr. Martina Bühlmeyer, Leiterin des Geschäftsbereichs Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung des Landratsamtes Ostalbkreis, referierte über Tierschutz, die Arzneimittelgesetznovelle und aktuelle Themen aus dem Veterinärwesen.

Es ist besser, gut zu sein, als groß zu sein.

Hans Udo von Wilpert.

Hans-Udo von Wilpert vom Geschäftsbereich Landwirtschaft und Johannes Häckel von Agriconcept referierten zur „Liquidität im Milchviehbetrieb –Umgang mit der Milchkrise und Lehren daraus“.

Vorausschauende Planung

Die Liquidität soll vorausschauend geplant werden, damit Liquiditätsengpässen vorgebeugt werden kann. Dies könnte am ehesten durch eine möglichst hohe Produktivität, optimale Finanzierung und die Bildung von Rücklagen in guten Jahren erreicht werden. Sich ändernde Bedingungen wie beispielsweise schwankende Milchpreise müssen schnell wahrgenommen und daraufhin reagiert werden. Zur Deckung aller Kosten ist ein Verkaufspreis von mindestens 40 Cent/Kilogramm erzeugte Milch erforderlich.

Die kalkulatorische Entlohnung der Familienarbeitskraft sollte dabei mindestens 30.000 bis 40.000 Euro ergeben. Der Landwirt, der seine Zahlen kennt und damit umgehen kann, hat auch bei Verhandlungen mit der Bank Vorteile. Bei aller Planung und Umsetzung sollte sich jeder aber bewusst sein, dass es besser ist, gut zu sein als groß zu sein. pm/je

© Schwäbische Post 04.01.2017 15:30
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