Natürliche Hausapotheke

Pflanzenhelfer Kleines Wehwehchen? Gegen Beschwerden wie Bauchgrimmen, Husten und Schnupfen sind vielerlei Heilkräuter gewachsen.
  • Gegen einen Blähbauch kann ein Kräutertee mit Anis helfen (rechts). Kratzt es im Rachen, leistet ein Dampfbad mit Kamille (links) gute Dienste. Holunderblüten sind bei Fieber hilfreich. Fotos: Helga Schneller

Ein Drücken in der Magengegend erinnert unmissverständlich daran, dass man weder Feuerzangenbowle noch Käsefondue verträgt, und auch die lästige Erkältung schlägt mit Vorliebe im Januar zu. Doch glücklicherweise steht eine ganze Armee von heilsamen Kräutern bereit, um Alltagsbeschwerden zu lindern und schnell wieder für Wohlbefinden zu sorgen.

Getrocknete Heilkräuter, meist in Form von Tees genossen, unterstützen den Körper bei der Selbstheilung. Wer im Sommer Minze, Holunderblüten oder Thymian im eigenen Garten geerntet und getrocknet hat, kann jederzeit auf die grüne Hausapotheke zurückgreifen. Alternativ sind Heilkräuter, entweder sortenrein oder als Mischung, in jeder Apotheke erhältlich.

Wenn es nach kalorienreichen Feiertagen im Bauch krampft, funken die Verdauungsorgane SOS. Vor allem die Leber leistet bei gehaltvollen Leckereien Schwerstarbeit. Bewährt zur Unterstützung des gesamten Verdauungsapparates sind extrem bittere Kräuter, zu denen Gelber Enzian, Tausendgüldenkraut, Benediktenkraut und Wermut zählen.

Ein Verdauungsschnäpsle

„Bitter im Mund, dem Magen gesund“, weiß der Volksmund seit Generationen. Als Tee sind die Bitterkräuter allerdings kaum genießbar. Deshalb stecken sie als Kräuterauszug oft in Verdauungsschnäpsen (Magenbitter). Ist der Gallensaft zu dick, kann Fett nicht richtig abgebaut werden. Mäßig bittere Kräuter wie Schafgarbe und Löwenzahnwurzel, die in Teemischungen durchaus schmecken, halten den Gallenfluss aufrecht. Neben Bitterstoffen wirken auch ätherische Öle wohltuend auf die Verdauungsorgane. Sie entspannen und entkrampfen die Magenmuskulatur und können Blähungen auflösen.

Die aromareiche Pfefferminze vereint diese Eigenschaften und sorgt im Kräutertee für den typisch frischen Geschmack. Sich die persönliche „Magenwohl“-Mischung zusammenzustellen, ist gar nicht schwer, beispielsweise mit Schafgarbe, Pfefferminze, Zitronenmelisse und etwas Kamilleblüten, nach Belieben abgerundet mit Süßholz oder Zitronenverbene. Plagt ein Blähbauch, kann der Kräutertee zusätzlich mit leicht gequetschten Anis- oder Fenchelsamen angereichert werden. Schwer verdauliche Speisen schon beim Kochen großzügig mit Kräutern zu würzen, sorgt für Aroma und beugt Blähungen und Völlegefühl gleich wirkungsvoll vor. Gänsebraten mit Beifuß, Weißkraut mit Kümmel oder Leberwurst mit Majoran sind Beispiele für magenfreundliche Kombinationen.

Wenn der Rachen kratzt

Kratzt der Rachen, ist die Hilfe der Halswehkräuter gefragt. Besonders bewährt haben sich hier Salbei und Kamille. Sie enthalten auch in getrockneter Form reichlich ätherische Öle und wirken außerdem entzündungshemmend. Salbei mit seinen zusätzlichen Gerb- und Bitterstoffen ist der Spezialist gegen Bakterien, Pilze und Viren.

Lauwarmer Salbei- oder Kamillentee, mehrmals täglich gegurgelt, lindert Schluckbeschwerden und Entzündungen der Mundschleimhaut. Macht sich ein unangenehmes Druckgefühl im Nebenhöhlenbereich breit, hilft das gute alte Kamilledampfbad aus zwei Esslöffeln getrockneten Kamilleblüten mit einem Liter kochendem Wasser überbrüht.

Auch gegen quälenden Husten hat die Natur passende Heilkräuter parat. Beim besonders unangenehmen trockenen Reizhusten helfen Heilpflanzen mit Schleimstoff-Anteil, die reizlindernd und schleimhautschützend wirken. Dazu zählen beispielsweise Eibisch-Wurzel, Huflattich und Königskerze. Weitere Hustenkräuter wie Thymian, Spitzwegerich und Fenchelsamen bekämpfen Bakterien und fördern das Abhusten. Mehrmals täglich eine Tasse Husten-Kräutertee, mit etwas Honig gesüßt, mildert den Hustenreiz und beruhigt die Bronchien.

Zeigt das Fieberthermometer erhöhte Temperatur, ist viel Flüssigkeit besonders wichtig. Als traditionelle „Fieberkräuter“ gelten Linden- und Holunderblüten, Mädesüß und Weide. Weidenrinde wirkt fiebersenkend und enthält den schmerzlindernden Stoff Salicin, auch als „natürliches Aspirin“ bekannt. Die Blüten von Linde und Holunder mit ihrer schweißtreibenden Wirkung steckten schon in Omas Schwitztee. Vor dem Zubettgehen möglichst heiß getrunken, hilft der Heiltee, Krankheitserreger mit dem Schweiß aus dem Körper zu befördern.

Und weil Schlafen oft die beste Medizin ist, sollten auch die beruhigenden und schlaffördernden Kräuter wie Lavendel, Hopfen oder Zitronenmelisse nicht fehlen. In kleine Kissen eingenäht und am Bett platziert, entführen sie mit sanftem Duft ins Reich der Träume.

Kräuterbad gegen Triefnase

Bei den ersten Anzeichen einer Erkältung hilft oft ein heißes Kräuterbad. Dafür überbrüht man 100 Gramm getrockneten Thymian mit einem Liter kochendem Wasser und gibt den Sud nach 15 Minuten Ziehzeit dem Badewasser zu. 10 bis 15 Minuten Badedauer reichen zum wohligen Durchwärmen aus. Anschließend am besten noch einen heißen Kräutertee trinken und ab ins Bett.

© Schwäbische Post 05.01.2017 16:06
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