Leserbeitrag von Martina Allgeyer

Stellungnahme Aalener Gynäkologen zur Herabstufung der Kinderklinik

In der Diskussion um die Herabstufung der Aalener Kinderklinik auf Level 3 äußerte sich im Namen der Aalener und Ellwanger Gynäkologen öffentlich bislang immer Herr Dr. med. Sebastian Hock, da er unser Vertreter in der Kreisärzteschaft ist. Dies führte wohl fälschlicherweise zu der Annahme, dass nur die Ellwanger Gynäkologen diese Herabstufung als Problem betrachten.
Wir weisen hiermit ausdrücklich darauf hin, dass auch die Gynäkologen aus Aalen die Herabstufung der Aalener Kinderklinik auf Level 3 als äußerst kritisch für die Versorgung von Risikoschwangeren und Frühgeborenen sehen.
Dies betrifft nicht nur die Patientinnen mit tatsächlicher Frühgeburt, sondern alle Schwangeren mit drohender Frühgeburt unter 32+0 Schwangerschaftswochen sowie alle weiteren Risikoschwangeren, zum Beispiel bei Verdacht auf Schwangerschaftsvergiftung oder Mehrlingsschwangerschaften unter 34+0 Schwangerschaftswochen.
Für Frühgeborene ist eine sofortige adäquate Behandlung durch geschultes Personal unerlässlich. Eine Erstversorgung durch ungeschultes Personal, fehlende medizinische Geräte und ein langer Transportweg können zu beträchtlichen Folgeschäden bei den betroffenen Kindern führen. Durch eine Herabstufung der Aalener Kinderklinik auf Level 3 würden wir die Gefahr solcher Folgeschäden für die Kinder bewusst in Kauf nehmen, um Geld einzusparen.
Den betroffenen Familien wird außerdem zugemutet, dass die Mütter zum Teil über Wochen mehrmals täglich nach Mutlangen in die Kinderklinik fahren oder sich dort ein Zimmer mieten müssen, während zu Hause Geschwisterkinder zu versorgen sind. Damit werden die Familien nicht nur vor organisatorische Herausforderungen gestellt, die kaum zu bewältigen sind. Es werden auch Kosten auf die Familien abgewälzt, deren Sorgen schon groß genug sind.
Ein Abwandern von betroffenen Patientinnen nach Ulm oder Schwäbisch Hall sowie die Attraktivitätseinbuße der Aalener Klinik als Arbeitsplatz für Ärzte und Pflegepersonal ist sicherlich eine Gefahr, soll an dieser Stelle aber nur kurz erwähnt bleiben, da wir uns in erster Linie für die medizinische Versorgung unserer Patientinnen einsetzen.
Dr. med. Martina Allgeyer, Dr. med. Alexandra Böhm
Dr. med. Rainer Rau, Dr. med. Birgit Winkler-Girelli

© Martina Allgeyer 15.10.2017 18:06
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Kommentare

In my humble opinion

Damit wir uns recht verstehen, ich will hiermit keinerlei Kritik an den Fähigkeiten mir unbekannter Personen üben, ich möchte hier auf das alte Sprichwort 'Übung macht den Meister' hinweisen und darauf, dass man das heute in der Medizin mit der Kennziffer 'Fallzahl' ausdrücken möchte, in der Annahme, dass hohe Fallzahlen eben mehr sichere Routine und mehr Spezialwissen auch bei ungewöhnlichen Fällen bedeuten.

Für die Patienten bedeutet das mit Sicherheit längere Wege und andere Unbequemlichkeiten, die man aber ansprechen und ( auch von der Verwaltungs- bzw Klinik- oder Kassenseite ) lösen können sollte. Für die Patienten bedeutet das aber auch, für sich abzuwägen, was sie wollen, entweder 'per aspera ad astra' ( hoffentlich ) oder den bequemen, kurzen Weg ins Elend ( im schlimmsten Fall ).

Und zu einem Argument des Briefes:

Ich halte zwar auch Mutlangen nicht gerade für das Zentrum des Ostalbkreises, aber ich vermag mir nur schwer vorzustellen, dass der Weg von Aalen nach Ulm so viel kürzer und bequemer sein soll. Was aber sein könnte ( ich weiß es nicht ): In Ulm könnten die betreffenden Fallzahlen noch höher sein als die in Mutlangen ...

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