Netzwerke im Internet - unsoziale Medien?

Die These, dass soziale Netzwerke auch ganz schön unsozial sein können, ist nicht neu. Doch was genau ist es, das den sozialen Charakter der Communitys beeinträchtigen kann?

Datenschutzskandale, omnipräsente Werbung, undurchsichtige Verwaltung der Mitglieder-Posts - die sozialen Netzwerke, allen voran Facebook, haben in der letzten Zeit einiges an gutem Image eingebüßt. Als die Netzwerke noch relativ jung waren und anfingen, in Deutschland Verbreitung zu finden, schien es beinahe so, als würden sie unsere Kommunikation revolutionieren. Sie mögen diese auch tatsächlich verändert haben - doch dieser Tage gibt es nichtsdestoweniger große Vorbehalte gegenüber Social Media. Welche Gefahren lauern in den sozialen Netzwerken? Wie kann ich mich schützen? Auf solche und ähnliche Fragen gibt es oftmals keine einfachen Antworten.

Identität hat viele Dimensionen

In einem sozialen Netzwerk legt man sich eine digitale Identität zu, die (idealerweise und wenn man aufrichtig ist) auf den ersten Blick mit der eigenen Identität übereinstimmt. Dabei sollte aber nicht übersehen werden, dass sich unsere scheinbar eindeutige Identität aus verschiedenen sozialen Rollen zusammensetzt, von denen jene im Internet nur eine weitere Rolle darstellt. Letztere ist häufig von persönlichen Idealvorstellungen von sich selber, aber auch von den Erwartungshaltungen anderer Internetnutzer geprägt und kann aufgrund dessen zu einer verzerrten Selbstwahrnehmung führen. Darüber hinaus gilt: So wie unsere Selbstdarstellung im Netz nicht immer der ganzen Wahrheit entspricht, sondern womöglich nur jene Seiten von uns zeigt, die wir auch zeigen wollen, gilt das auch für die Profile und Beiträge unserer Freunde. Das kann dazu führen, dass man sich ein völlig falsches Bild von jemandem macht, den man in der physischen Welt ganz anders einschätzen würde.

Kommunikation ist nicht immer sozial

Eine kostenlose, schnelle und abwechslungsreiche Kommunikation mit Menschen rund um den Globus - das versprechen soziale Netzwerke. Doch immer mehr Menschen erkennen, dass mehr Kommunikation nicht gleich bessere Kommunikation bedeuten muss. Die Inhalte und Anlässe mitgeteilter Botschaften weisen mitunter immer weniger Aussagegehalt auf; durchdachte Worte werden vielerorts durch "lustige" Bilder, kurze Statements und blödelnde Videos ersetzt. So wird jedwede Aktivität in einem Netzwerk mittlerweile oft zum puren Zeitvertreib. Statt sich mit Freunden zu treffen, surfen viele Menschen heute im Netz und geben sich der Illusion hin, diese Aktivität sei genauso "sozial". Verabreden sie sich dann doch einmal miteinander, wandern die Blicke immer öfter doch wieder auf das Smartphone.

Cyber-Mobbing - das Mobbing 2.0

Das ohnehin schon gesellschaftlich weitverbreitete Mobbing wurde durch die sozialen Netzwerke auf eine ganz neue Ebene gehoben. Die Täter, die sich oftmals hinter ihrer digitalen Anonymität verstecken, können binnen Sekunden belastendes Bildmaterial oder diffamierende Kommentare veröffentlichen, die sich dann unkontrollierbar im Netz weiterverbreiten. Für die Opfer kann die emotionale Belastung unerträglich werden, zumal sich gegen digitales Mobbing und dessen Folgen kaum etwas ausrichten lässt - das Internet vergisst nun mal leider nicht.


Bildrechte: Flickr 04a.BusStop.21P.NW.WDC.29October2016 Elvert Barnes CC BY-SA 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten

 

© Schwäbische Post 04.04.2018 08:20
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