Von der Jagst zum Kocher radeln

Radweg Teil 1 Eine „Tour de Ostalb“ ist der Teilabschnitt des Kocher-Jagst-Radweges. Von Lauchheim nach Aalen hat unsere Redaktion in die Pedale getreten.
  • Fotos: Christian Frumolt
  • Am Fluss entlang gibt es Schatten und gesunde Luft. Statt Büroalltag tut Bewegung ebenfalls gut.

Wir haben uns zum Radeln verabredet, es geht ein Stück entlang des Kocher-Jagst-Radwegs. Caro, die Anstifterin, winkt uns in Jeans und T-Shirt bekleidet zu, den Helm lässig am Lenkrad ihres Profi-Mountain-Bikes baumelnd. Zugegeben, wir haben alle seit Jahren nicht mehr für längere Strecken auf dem Fahrradsattel gesessen. Seit unserer Jugend hat sich auch viel getan in der Branche. Die meisten Bikes, die einem so unterwegs begegnen, sind jetzt elektrisch. Früher hat man ja mit dem alten, klapprigen Drahtesel noch viele Höhen und Täler überwunden. Aber wir werden alle nicht jünger, mit dem Alter weicht die Kondition. Dennoch sind wir heute klassisch mit halbwegs neuen, modernen Mountain-Bikes on the road. Aufgrund von Caros Idee wurde der Ehrgeiz geweckt, das Fahrrad aus der dunklen Ecke gekramt, überholt und dann ging’s per Zug nach Lauchheim.

Der erste Blick zur Kapfenburg

Zwar hatten wir zuvor die Karte studiert und wussten, dass es einige Berge und auch Abfahrten geben würde. Doch als wir in Lauchheim aus dem Zug steigen und hinauf zur Kapfenburg schauen, überkommt uns ein mulmiges Gefühl. Um es nicht gleich zu übertreiben, geht es zum Warmmachen erstmal gemütlich bergab. Vom Bahnhof rollen wir hinunter in den Ort. Durch Lauchheim hindurch, am Sportplatz vorbei, überqueren wir die Jagst. Entlang der „Bauwagensiedlung“. Vor vielen Jahren stellten Jugendliche einen Bauwagen auf, um sich dort regelmäßig treffen zu können. Mit jedem Jahrgang kam dann ein Wagen dazu. Die Bauwagen wurden zwischenzeitlich zu Hütten umgebaut. Heute stehen vier dieser Hütten. Unter der B 29 hindurch Richtung Bänzenmühle schlängelt sich der Weg eine kleine, fast flache Ebene hinauf. Oben am Bühlerhof fühlen wir uns gestärkt für den Weg, der vor uns liegt. Schließlich erklimmen wir die erste Anhöhe. Die Abfahrt zur Bänzenmühle lässt uns wieder frischer werden. Wir sind stolz, die erste Etappe gemeistert zu haben.

Es wird steil

„So, hier starten wir!“ verkündet Caro. „Wir sind jetzt warm genug.“ grinst sie frech in die Runde. Ein Blick schweift über das Industriegebiet hoch zur Kapfenburg. Von diesem Blickpunkt sieht der Aufstieg leicht aus. Wir fahren nicht senkrecht hoch, sondern die Straße steigt langsam von links an. Der Weg zurück bis zum Sportplatz läuft gut. Dann wird uns klar, ab jetzt geht hoch, was zuvor runter ging. Bis zur Schule bekommen wir einen ersten kleinen Vorgeschmack auf die Steigung, die vor uns liegt. Hätten wir uns doch bloß für E-Bikes entschieden! Aber wir wollten ja unbedingt mehr beziehungsweise anderen Sport machen. Nicht nur laufen, in der Sauna sitzen oder in der Redaktion das Treppenhaus hoch und runter flitzen. Ab der Bahnunterführung wird es dann steil.

Noch sitzen wir halbwegs locker im Sattel und plaudern nebenher. Doch nach fünf Minuten bekommen wir keinen Ton mehr heraus, vom Pfeifen der Lungen mal abgesehen. „Wir könnten auch schieben, wenn es zu hart wird,“ wirft Alex vorsichtig ein. Aber niemand will sich die Blöße geben, als erstes abzusteigen. Wir strampeln weiter. An weniger steilen Teilstücken beschleunigen wir sogar kurz und scheinen den Berg hoch zu schweben. Allerdings kommt der Mann mit dem Hammer schnell zurück.

Obwohl sie noch weit vom Zenit entfernt ist, scheint uns die Sonne direkt ins Gesicht. Der Schweiß läuft uns von der Stirn. Links geht eine Abzweigung ab. Schön im Schatten. Der Fußweg ist noch steiler als die Straße. Aber kürzer, da er nicht um die Kapfenburg herumführt. Der Stolz siegt, wir bleiben auf der Straße und schieben nicht. Die Oberschenkel brennen. Wir treten und treten. Doch das Ende des Aufstiegs will nicht auftauchen. Die Straße hat etwas gegen uns. Sie wird nochmal steiler. Mit dem Auto eigentlich nicht spürbar, merkt man jetzt jede Promille Steigung mehr in den Schenkeln.

Wir sind jetzt warm genug.

Caro,
Initiatorin der Radtour

Oben auf dem Berg

Wir quälen uns weiter den Berg hoch und schnappen nach Luft. „Alles hat ein Ende,“ jubelt Alex. Endlich haben wir den Parkplatz der Kapfenburg erreicht. Seit über 700 Jahren steht die Burg bereits auf der Bergnase. Vor 300 Jahren erhielt sie ihr heutiges Aussehen. Ein mächtiger Bau von außen. Innen geht es wieder den Berg hinauf, wodurch das Schloss mächtiger wirkt. Bekannte Bands und Solisten kommen jedes Jahr hierher, um im Hof zu konzertieren. Nach einer Verschnaufpause und einem Schluck aus der Wasserflasche zur Erfrischung und Aufmunterung geht es weiter. Wir verlassen das Schloss und fahren in den danebenliegenden Ort, Hülen. Wir sind jetzt auf 624 Meter Höhe, Lauchheim liegt auf 492 Meter. Da wird uns zum ersten Mal bewusst, was wir geleistet haben. Euphorie kommt hoch. Der 630 Seelenort, der zum Schloss Kapfenburg gehörte und als Burgweiler bewohnt war, hält dann eine kleine Abfahrt parat. Der Fahrtwind tut gut, wie auch die Pause. Am Ende der kurzen Abfahrt geht es rechts weg in Richtung Kindergarten. Mit viel Verwegenheit nehmen wir ungebremst die Kurve.

Locker plaudernd verlassen wir Hülen, auf einer gemütlichen, geraden Straße. Durch Felder hindurch in Richtung Waldrand geht die Fahrt. Entlang des Waldes entdecken wir am Wegesrand ein altes Wegkreuz von 1915. Mehr ist auf der Inschrift nicht mehr zu entziffern. Etwas weiter ein schöner, ausgebauter Jägerstand, mit Kamin und einem Stein unter dem Sitz, um den Stand bei Wind festzuhalten. Auf diesem Teil der Strecke weht eine leichte Brise. Die Luft ist frisch und sauerstoffgetränkt. Es macht Spaß, zu fahren. Bestimmt auch, weil jeder Anekdoten aus seinem Leben erzählt. Wir erfahren viel über einander. Das schafft eine ganz neue Sichtweise auf den jeweils anderen. Autos rauschen über unsere Köpfe hinweg. Die Unterführung der Autobahn ist beinahe schon ein Tunnel. „Nicht schlecht, was hier gebaut wurde, um die Autos schnell von einem Ende Deutschlands ins andere zu bringen,“ staunt Caro. Eine leichte Abfahrt nach Arlesberg schließt sich an. Ein kleines verschlafenes Dörfchen. Pferde stehen auf der Weide am Eingang.


Wie die Radtour weitergeht, erfahren Sie in der nächsten Ausgabe von inSchwaben am nächsten Samstag...

Ostalbglück – das Magazin für die Region

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Das Magazin „Ostalbglück“ liegt kostenlos in den Rathäusern des Landkreises, verschiedenen
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© Schwäbische Post 08.06.2018 17:35
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