Online Poker weiter auf dem Vormarsch

Kartenspiele begleiten die Menschheit bereits seit vielen Jahrhunderten, einige Varianten haben sich längst als weitverbreitete Klassiker etabliert. Zu den Evergreens der Kartenszene gehört ganz gewiss das Pokerspiel, das nicht nur im analogen, sondern auch im digitalen Raum immer mehr Platz einnimmt. Viele Spieler wandeln längst zwischen den Welten, qualifizieren sich online zu großen Turnieren und reisen dann per Flieger zum analogen Event an. Wir werfen einen Blick auf die Meilensteine des Online-Pokers.
  • Die TV-Kamera ist bei jedem großen Turnier hautnah dabei.
  • Die Pokerwelt verlagert sich zunehmend in den virtuellen Raum.
  • Der digitale Casinobesuch ist längst auch auf dem Tablet möglich.

Das heutige Pokerspiel entwickelte sich mit großer Wahrscheinlichkeit aus dem deutschen »Poch« und dem französischen »Poque«, zwei historischen Spielformen, deren Wurzeln mindestens bis ins 15. Jahrhundert zurückreichen. Im 16. Jahrhundert kamen dann weitere Kartenklassiker hinzu, die ebenfalls als Ideenpool für das moderne Pokern gelten: Primero, Brag und Bouilotte besitzen zumindest gewisse Anklänge des berühmten Western- und Casinospiels. Hier wird zumindest eines deutlich: Dass die Forschung auf diesem Gebiet einem schwierigen Puzzle gleicht, das wahrscheinlich für immer gewisse Lücken aufweisen wird.

Eines steht allerdings so gut wie fest: Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts nahmen Pokerspieler die auch heute üblichen 52 Karten zur Hand – und kannten bereits einige der noch immer gebräuchlichen Spielvarianten. Seither breitete sich das fesselnde Kartenspiel ganz allmählich über den gesamten Erdball aus, bis das erste World Series of Poker (WSOP) Turnier aufs Gaspedal drückte und einen ersten Boom auslöste. Das war im Jahr 1970, immerhin noch 14 Jahre bevor Artworx seinen »Strip Poker« für den legendären C64 lieferte. Das Pokern war hiermit im digitalen Raum angekommen und fühlte sich dort sichtlich pudelwohl.

Natürliche Evolution des Kartenspiels

Im Grunde genommen handelt es sich um eine ganz natürliche Entwicklung, denn auch alle anderen Spieleklassiker wie zum Beispiel Schach, Skat, Rommé und Halma landeten auf direktem Weg im virtuellen Raum: Mit diesen Games konnten sich die Softwareproduzenten von Anfang an sicher sein, einen Hit zu landen, ganz im Gegensatz zu völlig neu erfundenen Spielen, die noch niemand kannte. Die Popularität des Pokerspiels stieg spätestens ab den 90er Jahren unaufhaltsam, im britischen TV startete eine erste themenbezogene Show mit dem bezeichnenden Titel »Late Night Poker«.

Je mehr sich die offiziellen Rundfunkanstalten des Pokerthemas annehmen, desto stärker wuchs das Interesse auch im Online-Sektor. Als schließlich um die Jahrtausendwende die ersten Live-Übertragungen der großen Pokerturniere begannen, gelangte die altbekannte Materie ganz neu garniert und schmackhaft zubereitet auf den Tisch: Sogar die verdeckten Karten der Spielteilnehmer gelangten nun in den Blick der Zuschauer, erfolgreiche Profis avancierten zu echten Szenestars. Die Nachfrage nach spannenden Events dieser Art stieg gewaltig an, und das nicht nur auf Zuschauer-, sondern auch auf Teilnehmerseite.

Die Digitalisierung schreitet voran

Die Online-Casinos öffneten ab dem beginnenden 21. Jahrhunderten ihre Pforten und nahmen die herbeiströmenden Massen dankbar auf. Nirgendwo sonst lässt es sich umstandsloser und bequemer spielen als im Netz; hinzu kommen die zahlreichen Qualifikationsmöglichkeiten für echte Turniere, die den Teilnehmer womöglich bis nach Las Vegas oder auf die Bahamas führen.

Wer keine Gleichgesinnten in seinem Freundeskreis auftreiben kann, der befindet sich jetzt nur einen Klick weit entfernt von Abertausenden Pokerfans, die nur darauf warten, ein spannendes Spiel zu beginnen. Der triumphale Siegesmarsch des Online Poker setzt sich unvermindert bis heute fort - »Schuld« daran sind wahrscheinlich auch solche Koryphäen wie Chris Moneymaker, der im Jahr 2003 als unbeschriebenes Pokerplatt einen gewaltigen Gewinn einfuhr. Der junge Mann mit dem bezeichnenden Namen qualifizierte sich mit einem Einsatz von nur 39 Dollar für das WSOP Main Event, reiste nach Las Vegas und gewann dort prompt 2,5 Millionen Dollar Preisgeld. Dieser sagenhafte Karrieresprung zog jede Menge Aufmerksamkeit auf sich und die Menschen begriffen, welches Potenzial sich im Pokerspiel birgt, und zwar für jeden, der die nötigen Fähigkeiten zum Gewinnen mit sich bringt.

Inzwischen stehen unzählbar viele digitale Pokerräume und Online-Casinos für jeden bereit, der einen Einstieg wagen möchte. Die meisten Neulinge beginnen mit Spielgeld, um jedes Risiko zu umgehen und erst einmal in ihr neues Hobby hineinzufinden. Eine seriöse Plattform wird diese Option stets offenlassen und keine verdeckten Kosten aufwerfen. Außerdem bietet sich in der Regel auch die Gelegenheit, dauerhaft mit geringen realen Einsätzen zu spielen, um das Haushaltsbudget nicht zu überlasten. Sogar Online-Turniere für Sparsame befinden sich im Angebot, denn nicht jeder Mitspieler muss gleich zum echten High Roller mutieren. Bei einem Spiel mit niedrigem Buy-in fällt natürlich auch der Preispool nicht ganz so saftig aus, doch genügend Anlass zur Freude wird es im Gewinnfall sicher trotzdem noch geben.

Mobilität ist Trumpf

Vom PC haben es die Online-Casinos längst auch auf die Smartphones und Tablets geschafft, so steht der fröhlichen Pokerrunde auch unterwegs nichts mehr im Wege. Und wer beim Einstieg noch etwas Hilfe benötigt, begibt sich in die oftmals kostenlose Pokerschule, die jede Menge Tipps und Tricks liefert. Die ersten Berührungsängste dürften auf diese Weise recht schnell fallen, ganz im Gegensatz zu den alten Zeiten, als der Interessent noch Pokerbücher wälzen musste, um anschließend schick gekleidet auf dem bis dato unbekannten Terrain einer voll ausgestatteten lokalen Spielbank zu erscheinen. Daheim im Wohnzimmer oder auf einer Parkbank spielt es sich besonders als Anfänger sehr viel lockerer.

Die digitale Welt gewinnt zunehmend an Präsenz, die Menschen begeben sich in sie hinein wie in einen realen Raum, der erkundet und genutzt werden soll. Grafiken verfeinern sich, Funktionen werden schneller, leichter auszuführen und vielfältiger. Hinzu kommt die aufkeimende Virtual Reality, die den Gamer in dreidimensionale Räume entführt und seine Erlebnisse auf diese Weise extrem verdichtet. Das erste VR-Online-Casino lässt zwar noch auf sich warten, doch mit hoher Wahrscheinlichkeit erwartet es uns schon in wenigen Jahren für eine kleine Pokerpartie zwischendurch – oder ein aufregendes Turnier in täuschend echter Las-Vegas-Kulisse.

Wie beim eSport üblich werden die prominentesten digitalen Events Tausende von Zuschauern aus aller Welt anlocken, die sich einfach nur zum Live-Stream dazuschalten müssen, um in den Genuss des gesamten Spannungspakets zu kommen. Für die nachfolgende Analyse der stärksten Szenen wird – ganz wie im Fußball – ein fachkundiger Moderator zuständig sein, der garantiert auch virtuelle Interviews mit den Siegern und Verlierern jeder Partie führt.

Rund 20 Jahre hat das Online-Pokerspiel nun schon überdauert – und während dieser Zeit mehr Menschen mobilisiert als in den späten 90er Jahren überhaupt absehbar war. Die Zukunft dürfte ebenso ereignisreich ausfallen wie die Vergangenheit, denn der Entfaltungsprozess der virtuellen Pokerwelt ist noch längst nicht abgeschlossen. Der Vormarsch hat gerade erst begonnen.

© Bilder: Bild 1 Pixabay, Bild 2 Wikimedia Bild 3 Pxhere

© Schwäbische Post 12.07.2018 15:04
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