Wo aus Klängen Kunstwerke werden

Festival Kirchen aus sieben Jahrhunderten bilden den Rahmen für das ‘Festival Europäische Kirchenmusik’. Es ist Schwäbisch Gmünds wichtigstes kulturelles Ereignis im Jahr.
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Ein heißer Freitagabend im Juli. Fernsehmoderator Harald Lesch, Professor für Astronomie und Astrophysik in München, ist auf dem Weg nach Schwäbisch Gmünd. Steht im Stau und erreicht die Stadt gerade noch pünktlich. Er betritt die Johanniskirche und sagt nur eines: „Wow, gigantisch!“. Seine Augen strahlen in das Chorgewölbe. Der Wissenschaftler trägt an diesem Abend mit einem Vortrag seinen Teil zum Festival Europäische Kirchenmusik bei. Und Katharina Ott, Festival-Pressesprecherin, erinnert sich: „Der Anblick der romanischen Kirche aus der Stauferzeit hat ihn unglaublich fasziniert.“ Die Besucher spüren die Begeisterung Leschs für seine Wissenschaft, aber auch für diese Kirche bei seinem anschließenden Auftritt. Eine von sieben Kirchen, die auch in diesem Jahr räumliche Mittelpunkte des Festivals sind.

Diese Kirchen tragen fast unmerklich zum Erfolg der Veranstaltungsreihe bei. Jedes Gebäude versprüht seinen eigenen Charme, gibt den Klängen und Worten ein Gesicht. Begonnen hat das Festival in kleinem Stil. Es ist 1986, Dr. Wolfgang Schuster ist gerade neuer Oberbürgermeister in Schwäbisch Gmünd, möchte einen Orgelsommer ins Leben rufen. „Die Idee für das Festival Europäische Kirchenmusik bestand schon damals“, erinnert sich Klaus Eilhoff, zu der Zeit Leiter des Kulturamts und Mitinitiator. Der Orgelsommer war Versuchsballon, ob so etwas in Schwäbisch Gmünd und der Region ankommt. Es kommt an. Schuster kann den Gemeinderat von der Idee überzeugen, der Etat fürs erste Festival ist genehmigt. 1988 geht es über die Bühne, in sieben Kirchen der Stadt und des Umlands. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Sieben Kirchen, das sind beim Festival 2018 die barocke Augustinuskirche, das gotische Heillig-Kreuz-Münster, St. Franziskus mit Rokoko-Elementen, die romanische Johanniskirche, das 2000 erbaute Kloster der Franziskanerinnen, die romanische Klosteranlage Lorch und die barocke Schlosskirche in Hohenstadt. „Die Sakralbauten aus acht Jahrhunderten sind ein Alleinstellungsmerkmal der Stadt“, schreibt Ralph Häcker, Leiter des Kulturbüros, in einer Festschrift zum 25-jährigen Bestehen des Festivals. Dabei gehe es nicht nur um die Architektur der Bauwerke, sondern vor allem um die Atmosphäre und der Akustik der Innenräume. Begeistert von der Musik und den Aufführungsorten sind Jahr für Jahr Besucher wie Musikkritiker. „Die eigentliche Entdeckung dieses Sommers war für mich das Kirchenmusik-Festival in Schwäbisch Gmünd“, ist etwa in der „Welt“ zu lesen. „Wir erhalten auch häufig Mails von Besuchern, die sich zum Festival äußern“, sagt Katharina Ott. Da stehen dann Sätze wie „ich möchte Ihnen danken, weil fürmich dieses Festival die aufregenste kulturelle Entdeckung jemals war“.

Wow, gigantisch!


Harald Lesch
Festivalredner 2017
© Schwäbische Post 13.07.2018 16:58
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