Wasser sparen, aber mit System

Verbraucher Der Wasserverbrauch pro Kopf ist in Deutschland seit 1990 deutlich gesunken. Zu wenig Abwasser kann aber Probleme verursachen. Gespart werden sollte mit Sinn und Verstand.
  • Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa-mag

Im Sommer kommt das Thema wieder auf: Wasser sparen. Das geht nicht nur beim Gießen im Garten, sondern auch im Haushalt. Der Umwelt zuliebe sollte man es nicht verschwenden, gilt als der übliche Rat. Aber es gibt eine Kehrseite: Die Wasserversorger müssen manchmal schon extra Wasser in die Kanäle pumpen, um sie zu schützen. Was ist die Lösung?

Ziel: Wasser sparsam nutzen

Sparsame Duschköpfe, Eco-Programme in Wasch- und Spülmaschine, beim Zähneputzen das Wasser abdrehen – alles sinnvolle Dinge, findet Laura von Vittorelli vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). „Es sollte eine Grundhaltung bleiben, sparsam mit dem Wasser umzugehen.“ Dazu kommt, dass sich das auszahlt: Wer weniger Wasser verbraucht, spart.

Ähnlich sieht das Dietmar Sperfeld von der Fachvereinigung Betriebs- und Regenwassernutzung. „Ja, Sparen macht Sinn, wenn es um teures, mit hohem Energieeinsatz aufbereitetes Trinkwasser geht. Der Wasserhunger in Städten und Ballungsräumen nimmt stetig zu mit katastrophalen Folgen für das Umland, dem das Wasser entzogen wird.“

Problem: Zu viel sparen schadet

In Deutschland wird immer weniger Wasser verbraucht. Waren es 1990 im Bundesdurchschnitt noch 147 Liter pro Einwohner und Tag, sind es nun nur noch 123 Liter. „In den neuen Bundesländern liegt der Verbrauch sogar unter 80 Liter pro Einwohner und Tag“, sagt Martin Weyand vom Bundesverband Energie- und Wasserwirtschaft.

Der tropfende Wasserhahn in der Küche ist weniger das Problem als das Baumwoll-T-Shirt, das in wasserarmen Ländern produziert wird.

Laura von Vittorelli,
BUND-Expertin

Das ist inzwischen so wenig, dass durchaus schon mal zu wenig Abwasser in die Kanäle gelangt. „Irgendwann ist der Zeitpunkt erreicht, dass das Wasser zu langsam fließt oder sogar zum Stillstand kommt“, erklärt Weyand. „Das kann zu Verkeimungen und sogar zu Kanalfraß führen, wenn Säuren und Dämpfe den Beton angreifen.“ Um das zu verhindern, müssen die Wasserbetriebe ihre Abwasserkanäle spülen. Die Kosten dafür werden auf die Kunden umgelegt.

„Auch aus hygienischer Sicht macht allzu ambitioniertes Wassersparen wenig Sinn“, meint Weyand. Die Industrie entwickelt immer sparsamere Hausgeräte und Armaturen. „Auch hier ist irgendwann eine Grenze erreicht“, so Weyand. „Dann reicht das wenige Wasser nicht mehr aus, um die Wäsche vollständig zu spülen. Und beim Duschen mit dem super zerstäubten sparsamen Wasserstrahl können sich Krankheitserreger ausbreiten.“

Lösung: sinnvoll sparen

„Statt auch noch den letzten Liter einzusparen, sollten die Menschen ihren Lebensstil überdenken“, rät BUND-Expertin von Vittorelli. „Der tropfende Wasserhahn in der Küche ist weniger das Problem als das Baumwoll-T-Shirt, das in wasserarmen Ländern produziert wird. Oder weit gereiste Früchte wie die Avocado, für deren Anbau Unmengen an Wasser benötigt werden.“ Damit wird Regionen der Erde mit Wassernot diese Ressource noch mehr entzogen. Richtiger Einkauf und Gebrauchtkauf können hier mehr helfen. Zu Hause gehört für die Umweltschützerin zum Wassersparen, den Verbrauch von warmem Wasser zu verringern, denn darin steckt noch zusätzlich erzeugte Energie. Und es macht Sinn, getrennte Wege für Trinkwasser und Brauchwasser zu nutzen. „Zum Gießen des Gartens ist Regenwasser die bessere Wahl als Trinkwasser“, sagt von Vittorelli. dpa

© Schwäbische Post 20.07.2018 16:23
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