Sonne, Strand und saftige Strafen

Mittelmeer An den beliebten Küsten gibt es zum Teil kuriose Verbote. Wo darf man den Bikini ausziehen und wo nicht? Wo darf keine Sandburg gebaut werden?
  • Strandburgen bauen? Manchmal ein NO-GO Foto: pixabay

Wer nahtlose Bräune will, sollte nach Spanien reisen. An allen Stränden haben Oben-ohne-Gäste grünes Licht. Zudem gibt es fast überall FKK-Strände (playas nudistas). Dafür sind die Spanier empfindlich, wenn es um Hunde geht: 60 Euro zahlt, wer seinen Vierbeiner mitbringt.

Wer zwischen Mitternacht und 7 Uhr morgens am Strand weilt, muss mit einem Bußgeld von 750 Euro rechnen. Dort ist es Badegästen auch verboten, Sandburgen mit „strandfremdem Material“ zu bauen. Auf Teneriffa sind Sandburgen aus „ästhetischen Gründen“ nicht erlaubt.

Frankreich

Frankreich genießt einen freizügigen Ruf und ist beliebt bei Nacktbadern, die sich an extra ausgewiesenen Stränden entkleiden dürfen. Für FKK-Fans gibt es eigene Ressorts und Campingplätze. An den meisten Küstenabschnitten ist Oben-ohne-Baden erlaubt. Auf Korsika drohen Geldstrafen, wenn der Bikini am Strand fällt. Obwohl im zentralistischen Frankreich Ansagen häufig aus Paris kommen, lassen sich die Kommunen in Sachen Strand nicht reinreden. Deswegen gibt es auch keine einheitlichen Rgeln für Hunde. Wer sein Tier in der Hauptsaison an einen bewachten Strand mitbringt, muss mit einem Knöllchen rechnen. Empfehlung: Wer vor 9 oder nach 19 Uhr mit seinem Vierbeiner am Strand ist, hat keinen Ärger zu befürchten.

Italien

Ausgerechnet das Strandleben ist in Italien streng reguliert. Es fängt damit an, dass der Großteil der 7.500 Kilometer Küste mit Strandbädern zugepflastert ist, in denen man Liegen und Sonnenschirme mieten muss. An den raren, freien Strandabschnitten ist das Reservieren von Plätzen am Vorabend oder über Nacht verboten. Wer vor Sonnenaufgang einen Liegestuhl oder ein Handtuch platziert, muss mit 200 Euro Strafe rechnen. An besonderen Buchten und Stränden, ist sogar Eintrittsgeld fällig. Vor ein paar Jahren wurden in Italien auch noch die „Zehn Gebote“ für Badegäste eingeführt: Handy leise stellen,

Musikhören nur mit Kopfhörer, keine Kippen zurücklassen, keinen Sand und keine Muscheln mitnehmen, teilweise ist auch der Sandburgenbau tabu. Oben ohne ist im katholischen Italien ein absolutes No-Go.

Kroatien

Hundestrände sind in Kroatien in der Regel speziell ausgewiesen. Weht eine Flagge mit Hundeknochen ist das Toben mit Vierbeiner im Wasser sogar ausdrücklich erlaubt. Tolerant sind die Kroaten auch, was Baden und Sonnen ohne Bikini angeht. Das Land ist bei Nudisten dank vieler FKK-Strände sehr beliebt. Selbst wer unter normalen Badegästen blank zieht, muss keine (Geld-) Strafen befürchten. Ausdrücklich gewarnt wird vor Strand-Sex. Wobei die mögliche Geldstrafe von 150 Euro deutlich unter den bis zu 75000 Euro liegt, die etwa in Spanien drohen.

Griechenland

Die Griechen sind weniger freizügig. Sie akzeptieren mittlerweile aber, wenn Frauen oben ohne am Strand liegen. FKK ist von staatlicher Seite nicht erlaubt. Die Griechen selbst sind nicht scharf darauf, den ganzen Tag in der Sonne zu brutzeln. Sie ziehen sich nach dem Schwimmen in die zahlreichen Strandtavernen zurück. Die Gemeinden legen die Preise für Liegestühle und Sonnenschirme fest: Mit vier bis 12 Euro ist die Gebühr in Griechenland vergleichsweise günstig.

Zypern

An vielen Strandabschnitten im Norden und Westen der Insel stoßen Urlauber in der Hochsaison von Juni bis August auf kleine Drahtkäfige, die im Sand stecken. Sie schützen die Eier, die Schildkröten dort abgelegt haben. Deswegen ist die Lára Bay mit ihrem schönen Sandstrand sogar regelmäßig geschlossen. Oben ohne ist nur im Süden der Insel möglich.

Im nördlichen Teil der Insel, der zur Türkei zählt, müssen selbst Kinder ab vier Jahren Badekleidung tragen. FKK ist generell verboten.

Tunesien

Behörden raten Touristen, mit kleinem Gepäck zum Baden zu gehen. Sicherheitsleute, die seit dem verheerenden Anschlag 2015 die Strände kontrollieren, nehmen große Taschen genau unter die Lupe. Auch an Hunde, berittene Polizisten und Sicherheitsbeamte, die in Quads über den Sand düsen, müssen sich Tunesien-Touristen gewöhnen. Trotz der großzügigen Öffnung für Gäste aus aller Welt ist Tunesien ein muslimisches Land: Küsschen am Strand oder der Klapps auf den Po der eigenen Freundin können für Ärger sorgen, weil sie als Verstoß gegen Anstand und Moral angesehen werden. Bikini ablegen oder gar nackt baden geht überhaupt nicht.

Türkei

Auch die Türkei ist stark islamisch geprägt. Folglich ist es kein Wunder, dass Nackt- und Oben-ohne-Baden drastische Geldstrafen nach sich ziehen. Zumindest gibt es Hotels, die es ihren Gästen erlauben, die Badebekleidung am Pool abzulegen. Es gibt einige wenige Ressorts, die offiziell das FKK-Label tragen.

Umso erstaunlicher ist, dass der Staat Ausländern, die bei einem Schäferstündchen am Strand ertappt werden, lediglich Geldstrafen bis 200 Euro und zwei Monate Haft androht. An bestimmten Strände herrschen verschärfte Regeln: Der Iztuzu-Strand bei Dalaman wird zu bestimmten (Jahres-) Zeiten gesperrt, weil er unter anderem Brutplatz für Schildkröten ist.

© Schwäbische Post 27.07.2018 14:57
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