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Warum stehen Windräder oft auch bei Wind still?

In Norddeutschland übersteigen die Stromerzeugungskapazitäten die Leitungskapazitäten. Windkraftanlagen stehen still, weil Atomkraftwerke nicht kurz mal abgeschaltet werden können. Dafür bekommen Windkraftbetreiber Ausgleichszahlungen wegen des gesetzlichen Einspeisevorrangs für Ökostrom . In mehr als der Hälfte aller Stunden 2017 speisten die Atomkraftwerke Brockdorf und Emsland Atomstrom ins Netz, während gleichzeitig Windkraftanlagen still standen. Durch diese Situation gingen gut 2 Milliarden Kilowattstunden Ökostrom verloren. Atomkraftwerke verstopfen das Netz. Der Ausweg wäre, dass diese  (...)  Atommeiler früher abgeschaltet werden. Die den Meilern zugesprochenen Strommengen könnten auf andere AKW übertragen werden. Bei der sowieso angestandenen Änderung des Atomgesetzes hätte dies ganz leicht aufgenommen werden können. Die Atomlobby war aber so mächtig, dass nun weiterhin (...) Atomstrom Vorrang hat vor sauberem Ökostrom und Windräder weiterhin auch bei Wind still stehen müssen.

© derleguan 05.08.2018 09:35
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Kommentare

In my humble opinion

>Atomkraftwerke verstopfen das Netz. Der Ausweg wäre, dass diese brandgefährlichen Atommeiler früher abgeschaltet werden.<

Und was wird dann bei Nacht und Flaute sein, sitzen wir dann bei Kerzenlicht und drehen an der Kurbel, um den Kühlschrank zu betreiben?

Das Problem ist, dass wir keine verfügbaren Umwandlungsmöglichkeiten ( zB P2G oder P2L ) haben, um Überschussstrom in größeren Mengen in eine langfristig lagerfähige Form umzuwandeln.

Wir können die konventionellen Wärmekraftwerke erst abschalten, wenn wir genügend Energie aus Wind und Sonne herstellen können und zu Überflusszeiten diese dann langfristig speichern können, um in Flautezeiten ( kein Wind und keine Sonne ) davon zehren zu können.

derleguan

Grundsätzlich einmal produziert Deutschland Stromüberschüsse, es muss also niemand zurück in die Steinzeit, diese Ängste sind völlig unbegründet. Es ist aber richtig, dass der Kraftwerkspark in Deutschland grundsätzlich so umgebaut werden sollte, dass der Ökostrom auch wirklich Vorfahrt hat. An diesen sehr wenigen Tagen bei „Nacht und Flaute“ müssten Gaskraftwerke kurzfristig hochgefahren werden, die dann natürlich im restlichen Jahr für ihre Bereitschaft und damit den Stillstand auch bezahlt werden müssen.

tsh

Alles was jetzt gemacht werden kann sind nur Notlösungen, um das Versagen vor und seit etlichen Jahren zu kaschieren. Wind- und Solarkraftwerke ohne vernünftige Speicher (nein, keine Li-Ionen-Akkus oder ähnliches) sind nur Teile einer Lösung. Solange wir uns dieses schwachsinnige System leisten, bei dem von deutschen Stromkunden teuer bezuschusster "Öko"-Strom ins Ausland verschenkt wird, nützen auch (neu zu bauende) Gaskraftwerke nichts.

derleguan

Sie haben recht, um die Speicher hätte man sich schon viel früher kümmern sollen. Warum das bisher nicht passierte? Weil die fossielen Energieköpfe wie Kletten an ihren Energieträgern kleben und die Welt auch weiterhin damit "beglücken" wollen. Würden die Kraftwerke fossieler Energieträger früher schneller und konsequenter abgeschaltet, hätten wier diese Speicher schneller. So aber haben wir eine loose-loose- Situation. Die Umwelt verliert, das Klima wird weiter angeheizt und die regenerativen kommen nicht voran, weil es die Speicher nicht gibt.

tsh

derleguan schrieb am 05.08.2018 um 19:53

Sie haben recht, um die Speicher hätte man sich schon viel früher kümmern sollen. Warum das bisher nicht passierte? Weil die fossilen Energieköpfe wie Kletten an ihren Energieträgern kleben und die Welt auch weiterhin damit "beglücken" wollen. Würden die Kraftwerke fossiler Energieträger früher schneller und konsequenter abgeschaltet, hätten wir diese Speicher schneller. So aber haben wir eine loose-loose- Situation. Die Umwelt verliert, das Klima wird weiter angeheizt und die regenerativen kommen nicht voran, weil es die Speicher nicht gibt.

Sorry, diese Antwort ist mir zu monokausal und zu realitätsfern. Welches Energieunternehmen, das jahrzehntelang auf fossile (oder nukleare) Energien gesetzt hat, würde freiwillig und von sich aus Speichertechniken entwickeln, die es selber gar nicht braucht und die nur dazu dienen, sich selber möglichst schnell abzuschaffen?

Versagt hat die Politik, Bundes-, Landes- und Kommunalpolitiker ALLER Parteien, inkl. des grünen Klüngels, der hier inzwischen den schwarzen, gelben und roten in nichts mehr hinterherhinkt. Versagt in dem Sinn, dass eine technologische Teillösung massivst finanziell gefördert wurde, OHNE sich darum zu kümmern, dass die ergänzende Speicherung technologisch gleichzieht.

Strom erzeugende Windräder gibt es seit über hundert Jahren, Strom erzeugende Solarzellen auch seit über 100 (bzw. Si-Zellen seit >60) Jahren. Für beide Technologien wurden Unsummen ausgegeben, um sie in der Größe und Leistung hochzuskalieren. Da beide Technologien großteils auf kaum begrenzte Rohstoffe zurückgreifen und technologisch recht gut beherrschbar sind, haben sich die Firmen darauf gestürzt und die Politik hat sie großzügigst unterstützt.

Für die Speicherung gibt es viele interessante Ansätze, die aber teilweise sehr realitätsfern, teuer, technologisch noch nicht beherrscht oder von den Rohstoffen her limitiert sind. Wenn Solaranlagen und Windkrafträder nur einen Bruchteil der Förderung erhalten hätten, wenn nicht gleichzeitig ein Speichersystem existiert, wären wir viel weiter. So haben wir die chinesischen Solarpaneelfabriken aus unseren Stromzusatzkosten finanziert und verschenken den damit erzeugten Strom.

In my humble opinion

derleguan schrieb am 05.08.2018 um 19:53

... Würden die Kraftwerke fossieler Energieträger früher schneller und konsequenter abgeschaltet, hätten wier diese Speicher schneller. ...

Das ist eine kühne Behauptung, weil sie das 'Henne-Ei'-Problem per ordre de mufti entscheiden will.

Richtig ist vielmehr, dass die Politik kurzsichtig und monokausal denkend offensichtlich immer nur das gerade nächstliegende Problem ( mit vielen Steuergeld-Subventionen ) zu lösen versucht, aber nicht an die nötigen weiteren Schritte denkt, das heißt dann im Politschönsprech 'auf Sicht fahren' - wobei, wenn die Politiker mal zum Augenarzt gehen und sich die Kurzsichtigkeit beheben lassen würden ...

Aber die Bereitstellung von Fördergeldern für den (über)nächsten Schritt hat ja den eklatanten Nachteil, dass man als Politiker wahrscheinlich nicht mehr vom Erfolg dann auf dem Stimmzettel profitieren kann. Und das hat den Nachteil, dass man dafür eine Vorstellung vom Gesamtprozess und seinen Teilschritten haben müsste. Und es hat den Nachteil, dass man den Bürgern ( = Wählern ) auch die Gesamtlage und die Lösungen logisch, verständlich und nachvollziehbar erklären müsste, anstatt nur irgendwelchen Umfragen und Meinungen lautstark hinterher zu rennen.

Aber Politiker haben es ja auch nicht leicht, aus der 'Mitte des Volkes' gewählt, warum sollten die denn schlauer als alle anderen sein?