Lebendige Frauenpower an der Jagst

Ellwangen Das kulturelle und wirtschaftliche Leben der Stadt ist von vielen starken Frauen geprägt. Sie leiten Geschäfte, Restaurants und Initiativen. In unserer Serie stellen wir Ihnen sechs davon vor.
  • Fotos: Christian Frumolt
  • Ellwangen vom Schloss aus gesehen. Die Stadt lebt auch von ihren starken Frauen, die mit viel Energie ihre Ideen voranbringen.

Im Alter von 3 Jahren kam Angelika Bopp-Seitzer nach Ellwangen. Sie ist hier aufgewachsen und hat hier ihre Ausbildung absolviert. Die Stadt bedeutet Heimat für sie, auch wenn sie für ein Studium die Jagst-Stadt für einige Jahre nach Jena verließ. Seit 2002 lebt sie wieder in Ellwangen – seit 2014 ist Bopp-Seitzer Inhaberin von Stade Optik. „Die Liebe zur Optik hat mich zurück nach Ellwangen gebracht.“ Nach meinem geisteswissenschaftlichen Studium wollte ich wieder ins Handwerk. „Mir etwas Eigenes aufbauen“, sagt die Optikerin. „Und dann habe ich nach meiner Rückkehr hier auch noch meine Liebe gefunden. Da war es dann endgültig klar, zu bleiben“, erklärt sie und lacht.

Schöner als nur Nummer 365

Ihre Selbstständigkeit, ihr eigener Chef zu sein, ist immens wichtig für Bopp-Seitzer: „In meinem kleinen Laden bin ich die Nr.1, das finde ich viel schöner, als nur die Nr. 365 in einem großen Laden zu sein. “Selbstständigkeit bedeutet Freiheit, aber auch ein hohes Maß an Verantwortung, für die Mitarbeiterinnen und das Fortbestehen des Geschäftes. Ihre Liebe zu ihrem Beruf wird deutlich, wenn sie sagt: „Es gibt keinen schöneren Beruf als meinen“. „Ich sehe mein Geschäft als Bühne. Meinen Kunden besser sehen zu helfen, Menschen mit meiner Arbeit glücklich zu machen, ist einfach großartig“, strahlt die Inhaberin von Stade Optik.

,Stark’ heißt stark verwurzelt

Das spiegelt sich auch im Motto ihres Geschäfts „Herzenssache Sehen“. Angelika Bopp-Seitzer engagiert sich gemeinsam mit anderen Frauen aus dem Ellwanger Geschäftsleben für eine lebendige Innenstadt. „ Wichtig ist, dass die Menschen in der Stadt sind, hier leben und hier einkaufen. Dafür lohnt es sich einzusetzen“, erklärt sie ihr Engagement. Über die Frage, was für sie eine starke Frau ausmache, sei sie erst einmal gestolpert, sagt sie. „Ich finde es schwierig, das so direkt zu definieren. Für mich bedeutet ‘stark´ erst einmal, stark verwurzelt zu sein. Familie, Freunde, eine Heimat zu haben. Ich glaube, man sieht sich selbst nie als stark, man wird eher von außen als stark wahrgenommen. Vielleicht kommt man als starker Mensch leichter mit schwierigen Situationen zurecht, als jemand der vermeintlich schwächer ist. Aber wer ist denn schon wirklich schwach?“. Und weiter: „Ich bin kein Freund von Stereotypen. Darüber sollten wir längst hinweg sein. Es ist einfach wichtig, eigene Entscheidungen zu treffen und aktiv Verantwortung zu übernehmen. Egal ob Frau oder Mann.“

„Teamwork ist alles“

Vorbild sind für sie Mutter und Vater gleichermaßen. „Jeder ein bisschen auf seine ganz eigene Weise“, lächelt sie. „Ich halte ihrer beider Rollen im Leben für gleich wichtig. Der eine hätte ohne den anderen nicht so erfolgreich sein Leben leben können.“ Frauen und Männer sieht sie als wirklich gleichberechtigt –„Teamwork ist alles“, lächelt sie. Jungen Menschen legt sie die Liebe zur eigenen Aufgabe ans Herz: „Ich finde es wichtig, zu tun, was man liebt. Nur dann ist man erfolgreich.“

So wie Angelika Bopp-Seitzer es mit ihrem Optikgeschäft in Ellwangen ist. „Meine eigene Faszination für die Optik trägt mich weiter. Seit über 20 Jahren habe ich das Glück, dass ich jeden Tag das machen kann was mir Freude macht und das Ganze dann auch noch als meinen Beruf bezeichnen darf“, sagt sie.

Ich sehe mein Geschäft als Bühne.

Angelika Bopp-Seitzer
Augenoptikermeisterin

Seit 2008 lebt Astrid Zwick-Lamprecht,die 34 Jahre junge gebürtige Österreicherin, in Ellwangen – bis vor kurzem sogar noch mitten in der Stadt.

Mittlerweile ist sie mit ihrem Mann und ihren beiden kleinen Kindern auf den Kobeleshof gezogen. Dafür haben sie das Wohnhaus komplett renoviert. „Von der ruhigen Wohnung auf den lebendigen Hof war schon eine Umstellung“, lacht sie, „aber es ist einfach schön, dass immer jemand da ist - vor allem mit den Kindern. Wir sind ein gutes Team.“ Über Ellwangen sagt sie lächelnd: „ein ganz arg schöner Platz. Ich bin in die Ferne gezogen und habe es schön angetroffen.“ Ob Sie auf dem Hof früher als sonst aufsteht? „Mein Tag beginnt, wenn unser kleiner Sohn aufwacht, und das ist immer früher als ich aufstehen würde“, sagt sie und lacht. „Mein Mann ist aber meist vor uns auf.“

Der Hof ist ein Unternehmen

Das Bild vom Landwirt, der 365 Tage im Jahr arbeitet und nie Urlaub macht, hat sich aber überholt, erklärt sie. „Wir schaffen uns dank der Unterstützung unserer Mitarbeiter Freiräume. Für uns ist der Hof ein echtes Unternehmen, in dem jeder seine Aufgabenbereiche hat.“ Bis zur Geburt ihrer Kinder hat sie als Umweltingenieurin in Crailsheim gearbeitet, mittlerweile schätzt sie die Selbstständigkeit, die Freiheit zu haben, ihre Aufgaben selbst zu gestalten und ihre Kreativität und Lösungsorientiertheit auf dem Hof mit einzubringen „Ich bin eine G´schickte, wie man in meiner Heimat sagen würde“, lacht sie.

Leise stark sein

Die Frage nach der starken Frau findet sie zwar ein bisschen klischeehaft, „aber für mich heißt das, sich seiner eigenen Stärke bewusst zu sein, keine Angst zu haben, die eigenen Talente in die Waagschale werfen und gleichzeitig achtsam für seine eigenen Bedürfnissen und Wünsche zu sein.“ – „Man kann auch leise stark sein, das finde ich gut“. Lachend sagt sie dann „ich bin da ja eher der extrovertierte Typ.“

Gerade diese leise Stärke bewundert sie an ihrer Schwiegermutter, die für Astrid Zwick-Lamprecht ebenso ein Vorbild ist wie ihre eigene Mutter. „Sie sind beide auf eine ganz unterschiedliche Weise zwei starke Frauen. An meiner Schwiegermutter bewundere ich ihre zupackende Art, ihren Fleiß und ihre Selbstdisziplin. Eine echte Unternehmerin.Dabei ist sie selbstlos und kümmert sich um alle. Sie habe das große Glück aus einem gestärkten Umfeld zu kommen. „An meiner Mutter, die spät noch die Ausbildung zur Psychotherapeutin gemacht hat, bewundere ich, dass sie auf Ihrem Lebensweg immer versucht, auf Ihre innere Stimme zu hören und achtsam mit sich und den eigenen Bedürfnissen umgeht“, beschreibt sie und lächelt. Auch wenn sie selbst noch jung ist - einen Rat hat sie dennoch für noch jüngere Menschen: „Es ist wichtig nachzuspüren, ob man auf dem richtigen Weg ist. Und den Mut zu haben, etwas zu riskieren. Auch im Kleinen.“ Einer der stärksten Sätze dieses Gesprächs folgt gleich danach: „Um glücklich zu sein, muss man mutig sein.“ Schön gesagt, oder?

Das neue Ellwanger Stadtmagazin

Mehr spannende Geschichten rund um Ellwangen haben wir im neuen Stadtmagazin gesammelt.
Das Magazin ist eine interessante Mischung aus verschiedenen Themen direkt aus und um Ellwangen.
Gehen Sie mit uns und unserem Magazin auf eine abwechslungsreiche Entdeckungsreise. Lernen Sie dabei verschiedenste Menschen und Orte kennen. Das Heft liegt kostenlos bei
verschiedenen Geschäften und Behörden aus.

© Schwäbische Post 10.08.2018 17:47
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