Lesermeinung

Zu: „Gefährlicher Bluthochdruck“:

Die optimale Kochsalz- bzw. Natriumzufuhr zur Vorbeugung kardiovaskulärer Ereignisse (Schlaganfall, Herzinfarkt, arterieller Bluthochdruck etc.) zählt derzeit zu den heiß diskutierten Präventionsthemen. Neue Studiendaten wie PURE (2017) stellen den Nutzen der in Leitlinien empfohlenen Begrenzung der täglichen Natriummenge auf unter 1,5 bis 2,0 Gramm (3 bis 5 Gramm Kochsalz) infrage. Beim ESC-Kongress (European Society of Cardiology) in München (August 2018) setzte sich die Kritik an den aktuellen Empfehlungen fort.

„Wir führen die Öffentlichkeit in die Irre, die Leitlinien sollten geändert werden“, forderte dort der renommierte Kardiologe Prof. Dr. Salim Yusuf aus Hamil- ton/Kanada. 3 bis 5 Gramm Natrium täglich Kaliumzufuhr ist optimal zur Prävention kardiovaskulärer Ereignisse und zur Senkung der Sterblichkeit“, so die Einschätzung von Yusuf. Wer also auf die Extraportion Salz in der Suppe nur ungern verzichtet, kann dies wohl künftig wie – der mit gutem Gewissen tun. Das jedenfalls legen die Ergebnisse einer großen Beobachtungsstudie mit fast 96 000 Erwachsenen aus 18 Ländern nahe, die Wissenschaftler jetzt im Lancet (eine der ältesten medizinischen Fachzeitschriften der Welt) vorgestellt haben. Sie widersprechen da mit den aktuellen Empfehlungen, etwa der WHO oder der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Die WHO rät, den täglichen Salzkonsum auf maximal 5 Gramm (2 Gramm Natrium) zu beschränken. Die DGE empfiehlt höchstens 6 Gramm Salz (2,4 Gramm Natrium) täglich. In Deutschland würden demnach die meisten deutlich zu viel Salz essen: Laut einer Studie des Berliner Robert-Koch-Instituts verzehren Frauen hierzulande im Schnitt 8,4 Gramm und Männer sogar 10 Gramm Salz am Tag. Nach Ansicht des Kardiologen Prof. Dr. Andreas Zeiher vom Universitätsklinikum Frankfurt/Main, dürfen sie das künftig ohne Bedenken tun. Die Daten zeigen, dass die aktuellen Empfehlungen zum Salzkonsum offenbar doch etwas zu streng sind und daher überdacht werden sollten.

© Schwäbische Post 12.09.2018 18:59
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