Lesermeinung

Zum Thema Mobilität:

Die Vision einer Schnellradstrecke im Brenztal ist von epochaler Bedeutung, besonders wenn sie konsequent umgesetzt wird. Die Suche nach einer geeigneten Trasse ist unnötig. Es gibt bereits eine Trasse, die perfekt geeignet ist, die Trasse der Brenzbahn. Nach einer Anfrage der Grünen an den Landtag von Baden-Württemberg und der Beantwortung durch Verkehrsminister Hermann betrug die Streckenbelastung der Brenzbahn pro Kilometer in den Jahren 2016 und 2017 jeweils circa 3200 Personen für das erste Schulhalbljahr. Bei einer Streckenlänge von 50 Kilometer und zwei Halbjahren ergibt sich somit eine Fahrgastzahl von 320 000 Fahrgästen pro Jahr. Dies entspricht pro Tag 877 Fahrgästen. Bei 60 täglich verkehrenden Zügen fahren im Mittel somit 15 Personen pro Zug. Bei einem Dieselverbrauch von ca. 170 Liter pro Kilometer ergibt sich ein Verbrauch pro Fahrgast in Höhe von 11,3 l/km. In ökologischer Sicht sind diese Werte als katastrophal zu bewerten. Der Steuerzahler überweist dem Betreiber der Brenzbahn derzeit ca. 10 Euro je gefahrenen Kilometer, für die Fahrt Aalen - Ulm ca. 500 Euro. Der Zuschuss aus Steuergeldern zu einer Fahrkarte beträgt also 33 Euro pro Person. Betrachtet man weitere, vom Steuerzahler aufzubringende Gelder, wie z.B. die derzeit geplante Beseitigung des schienengleichen Bahnüberganges in der Walkstraße in Aalen (Kosten ca. 16 Millionen) kommt man zu dem Schluss, dass der Betrieb der Brenzbahn in ökonomischer Sicht ebenfalls als katastrophal zu bewerten ist. Veranschaulicht man sich noch die vielen weiteren Vorteile, die sich bei einer Stilllegung der Brenzbahn ergeben (Entlastung tausender Anwohner vom Zuglärm, freiwerdende innenstadtnahe Flächen in den Bahnhöfen, Vermeidung des Glyphosateinsatzes auf den Gleisen, Vermeidung von Staus) sollten die politisch Verantwortlichen ernsthaft über eine Stilllegung der Brenzbahn nachdenken und den Weg für eine Schnellradstrecke freimachen. Die bisherige von den Entscheidungsträgern einvernehmlich geäußerte Aussage „der Ausbau der Brenzbahn ist zwingend notwendig“ entbehrt jedenfalls jeglicher Grundlage und hält näherer Untersuchung nicht stand.

© Schwäbische Post 04.10.2018 16:06
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Kommentare

Telegrafenamt

...Verbrauch 170 Liter pro Kilometer? Damit käme das Fahrzeug mit einer Tankfüllung nicht mal von Aalen nach Oberkochen. Die Zahlen aus diesem Beitrag sind mit Vorsicht zu genießen.

Völlig außer Acht gelassen wurde außerdem der Güterverkehr. Und wie eine "Vermeidung von Staus" durch Stilllegung der Bahnstrecke passieren soll, wird wohl das Geheimnis des Autors bleiben.

tsh

Wenn man die Suchmaschine bemüht, kommt man auf einen durchschnittlichen Dieselverbrauch von ca. 3 Litern pro Kilometer, also um über Faktor 50 weniger. Bei kurzen Zügen, moderner Technik, ebener Strecke (wie im Brenztal) etc. könnte ich mir auch vorstellen, dass es 170 Liter pro 100 Kilometer sind, also 1,7 Liter pro Kilometer. Ich hoffe, dass die anderen Zahlen besser recherchiert sind!

Die Idee eines Radschnellweges klingt gut, aber gibt es das nicht schon? Wer will, kann mit seinem Rad im Zug mitfahren und ist sogar noch schneller als nur mit dem Rad unterwegs. Anders herum klappt es leider nicht: wenn der Zug wegfällt werden die meisten Fahrgäste (Pendler und Schüler) sicher NICHT mit dem Rad fahren (können). Einen Umstieg aufs Auto will nicht jeder und kann sich auch nicht jeder leisten.