Lesermeinung

Zum Thema Diesel:

Es ist zum Mäuse melken, wie die Politiker und die Verantwortlichen der Autokonzerne seit mehr als drei Jahren im Diesel-Abgasbetrug herumeiern.

Dabei ist doch Tatsache, dass die Politik in der Diesel-Krise zulasten der Allgemeinheit sträflich versagt und jegliches Augenmaß verloren hat. So sollen, laut Verkehrsminister Scheuer, ja nicht alle Dieselfahrer an den verschiedenen Vorschlägen beteiligt werden. Dieselfahrzeuge in 14 stark schadstoffgetränkter Luft betroffener Städte, Fahrzeuge von Kommunen, Handwerker und natürlich Fahrzeuge der Rettung und Polizei werden und sollen vermutlich davon profitieren. Dagegen werden Pendler vom Lande in die Stadt oder Dieselfahrer auf dem Land vermutlich in die Röhre schauen. Dabei sind doch alle Dieselfahrer von den großen Konzernen betrogen worden. Und man kann doch jetzt dem Verbraucher nicht vorheucheln, ein umweltfreundliches Dieselauto zu kaufen und nachträglich wird festgestellt, er wurde an den Abgasen betrogen.

Jetzt soll er für die Kosten aufkommen, da der Abgaswert nicht stimmt? Ja, gehts noch?

Bedauerlich ist, dass zur Stunde kein Politiker den Arsch in der Hose hat, gegen diesen vorsätzlichen Betrug der Konzerne vorzugehen, wie es sich gehören würde. Oder?

© Schwäbische Post 08.10.2018 20:47
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Kommentare

Telegrafenamt

Jetzt haben Sie zwei Sachen verwechselt. Das eine sind die manipulierten Abgaswerte an vielen Fahrzeugen der Marken Volkswagen, Audi, Mercedes-Benz und Fiat.

Das andere ist das Abgasverhalten von Dieselmotoren allgemein. Die derzeit viel diskutierte Nachrüstung von Dieselmotoren zum Zweck der Reduktion der Stickoxidemission soll in den Regionen erfolgen, wo bei Luftmessungen Grenzwerte überschritten wurden -- eben um weitere Grenzwertüberschreitungen zu vermeiden. Wenn Sie mit Ihrem Diesel nie oder nur selten nach Stuttgart fahren, gibt es für den Steuerzahler oder Hersteller keinen Grund, Ihnen eine Nachrüstung zu spendieren, weil Sie dann nicht Teil des Stuttgarter Problems sind.

Und die Behauptung "alle Dieselfahrer [seien] von den großen Konzernen betrogen worden", ist Unsinn. Wenn Ihr Fahrzeug nicht explizit zu den manipulierten Baureihen gehört (und rückgerufen wurde), dann haben Sie genau das erhalten, was Sie bezahlt haben: Einen Diesel-PKW, der die Norm Euro 5 (oder welche auch immer) erfüllt. Dass das im Jahr 2018 in einigen Straßen in Stuttgart immer noch nicht ausreichen soll, können Sie beim besten Willen nicht dem Autohersteller anno 2005 (oder wann auch immer) vorwerfen, der ein Fahrzeug damals vollkommen gesetzeskonform zugelassen hat.

derleguan

Natürlich sind alle Dieselfahrer betrogen worden, weil die Werbung jahrzehntelang dem Käufer suggeriert hat, er würde mit einem Diesel ein besonders umweltfreundliches, sauberes Auto fahren. Es ist vermutlich das dreisteste Greenwashing schlechthin.

Edgar Kuchelmeister

Telegrafenamt schrieb am 08.10.2018 um 23:52

Jetzt haben Sie zwei Sachen verwechselt.

Nein, er hat nichts verwechselt! Was Sie schreiben ist genau der Unsinn, den uns die Politiker und die Autoindustrie vorbeten. Euronorm 5 schreibt einen Maximalausstoß von Stickoxid und Rußpartikel vor. Dieser Wert wird auf dem Prüfstand erreicht, weil die Software der Motorsteuerung erkennt: ACHTUNG! es wird kontrolliert (Prüfstand). Wenn die Software erkennt: Ich bin ganz normal im Straßerverkehr unterweg, wird abgeschaltet und das zigfache an Schadstoffen in die Luft gepustet. Und da dieses bei allen Fahrzeugen der Fall ist wurden alle Käufer dieser Fahrzeuge beschissen, Punkt! Dies ist Betrug am Käufer, der meinte ein relativ schadstoffarmes Auto zu kaufen. Vor amerikanischen Gerichten wurde dieses auch faktisch festgestellt (auch wenn dort andere Normen und Gesetze herrschen). Nur in Deutschland wird herumgeeiert. Der Autoindustrie hat der Betrug bislang auch noch genützt, denn viele Dieselfahrer sind auf Benziner umgestiegen, jetzt sollen sie animiert werden die super sauberen Euronorm 6 d Diesel zu kaufen, damit noch mehr verdient wird ...
Schön, wenn die Diesel-Fahrverbote in Stuttgart kommen, dann dürfen die Pendler mit ihren Diesel nicht mehr in die Stadt und die Deutsche Pannenbahn lässt eben wieder für 1-2 Stunden Züge ausfallen. Der gelackmeierte ist der einfache Bürger!! Von den Autokonzernen beschissen, von der Stadt ausgeschlossen weiß er nicht mehr wie er pünktlich auf seiner Arbeitsstelle erscheinen soll.

Ich empfehle Fahrrad und Fahrradriksha! Back to the future!

In my humble opinion

Das Problem ist ziemlich komplex und der einfache Empörungsschrei 'Betrug!' wird dem oft nicht gerecht.

Ein Prüfstandsversuch ist dazu da, standardisierte und reproduzierbare Bedingungen zu schaffen, um zu jeder Zeit und unter allen Umständen die Vergleichbarkeit zu gewährleisten. Die Prüfstandsbedingungen sind natürlich immer nur ein ( hoffentlich möglichst repräsentativer ) Ausschnitt aus der realen Welt, kann sie aber nicht ersetzen.

Es ist klar, dass die Fahrzeuge die Prüfungen auf den Prüfstand bestehen müssen, um die Zertifizierung zu erhalten.

Es gibt nun mehrere Möglichkeiten, wie das Ergebnis erreicht werden kann, einmal das Umschalten auf ein Unterprogramm, wenn das Fahrzeug den Prüfstand 'erkennt' - und das nennen wir Betrug, wie es beim VW-Konzern geschehen ist.

Dann kann man generell das Programm nur für den Zeitraum von Start bis zum planmäßigen Ende des Prüfstandtests aktivieren und danach auf 'Normalbetrieb' umschalten - wie das wohl Fiat gemacht hat. Gefühlt ist das wohl Betrug, aber ist das formaljuristisch zu beanstanden?

Eine dritte Möglichkeit besteht darin, das Programm immer dann zu aktivieren, wenn die Fahrbedingungen denen des Prüfstandstests gleichen, gibt der Fahrer mehr Gas oder fährt schneller oder sind irgendwelche Temperaturen außerhalb eines 'Fensters', wird das Programm auf 'Normalbetrieb' umgeschaltet. Gefühlt ist das wohl Beschiss, aber ist das formaljuristisch zu beanstanden?

Was fehlt, ist die eindeutige Ansage der Politik, dass ein Prüfstandsversuch nur dazu dienen soll, die Fahrzeugabgase im Realbetrieb auf der Straße zu minimieren und dass derjenige Sanktionen erwarten muss, der das Ziel nicht erreicht, unabhängig davon, wie gut die Prüfung bestanden wurde.

Edgar Kuchelmeister

In my humble opinion schrieb am 09.10.2018 um 12:09

Das Problem ist ziemlich komplex und der einfache Empörungsschrei 'Betrug!' wird dem oft nicht gerecht.

Das ist alles - sorry - bullshit! Vor Jahren konnte man sich auf dem Computer einen sogenannten Dialer einfangen, ein Programm welches sich über einen Knoten mit dem Internet verbunden hat. Ohne wirkliche geldwerte Gegenleistung - es wurde nichts anderes geleistet als seriöse Anbieter zu wesentlich geringeren Kosten leisteten - wurden horrende Kosten belastet und die Gerichte gaben diesen Betrügern auch noch recht. Heutzutage gibt man wieder Betrügern recht. In den Hochglanz Verkaufsbroschüren stehen Zahlen (soundsoviel Stickoxid, soundsoviel Kraftstoffverbrauch) keiner dieser Werte wird irgendwie, irgendwann in der Realität erreicht. Und die Juristen spielen Argument-Mikado. Wenn ich meine Einkommenssteuererklärung türke, wenn ich schwarz arbeite ... ich werde abgestraft! Hab doch auch nichts anderes gemacht, als meine Daten so hingebogen, dass es passt ... 

Es gibt ein Volksempfinden und dem müssen Gesetze dienen. Wenn ein Hersteller in seinen Prospekten schwarz auf weiß Ausstoß und Verbrauch verspricht, welcher nie und nimmer der Realität entspricht ist das wenig komplex, sondern gelogen. Vor allem dann, wenn ich noch abgestraft werde (Fahrverbot!)

Achja, ich bin nicht betroffen. Hab meinen Diesel nach dem Software-Update verkauft und einen Benziner gekauft. Den brauch ich nur für Transport und längere Fahrten. Zur Arbeit fahre ich ganzjährig mit dem Rad.

tsh

Edgar Kuchelmeister schrieb am 09.10.2018 um 12:48
Das ist alles - sorry - bullshit!

Nicht alles. Den Vergleich mit dem Dialer kommentiere ich hier nicht, die getroffene Aussage ist zu pauschal und geht teilweise an der Realität vorbei.

In den Hochglanz Verkaufsbroschüren stehen Zahlen (soundsoviel Stickoxid, soundsoviel Kraftstoffverbrauch) keiner dieser Werte wird irgendwie, irgendwann in der Realität erreicht.

DAS ist ein Punkt, den man durchaus aufgreifen und die Konzerne hier angreifen kann. FALLS sie wirklich auch konkret geschrieben haben, wie die Werte ermittelt wurden und man dann nachweisen kann, dass dem nicht so ist. Wenn es die Werte sind, die im (gesetzlich vorgeschriebenen) Normtest erreicht wurden und vielleicht sogar vom Gesetzgeber verlangt wird, dass sie hinzuschreiben sind, wird es schwierig (s.u.).

Es gibt ein Volksempfinden und dem müssen Gesetze dienen.

Gesetzesbeugung abhängig von der gegenwärtigen Volksstimmung und damit weg von der Legalität? Das hatten wir doch schonmal... Dem Volksempfinden nach wäre dann wahrscheinlich "Schwarzarbeit" erlaubt und Steuerhinterziehung statthaft. Aber nur, wenn es einen selber (als Täter) betrifft... Davon halte ich GAR NICHTS!

Wenn ein Hersteller in seinen Prospekten schwarz auf weiß Ausstoß und Verbrauch verspricht, welcher nie und nimmer der Realität entspricht ist das wenig komplex, sondern gelogen. Vor allem dann, wenn ich noch abgestraft werde (Fahrverbot!)

Wenn der Gesetzgeber dem Autohersteller vorschreibt, unter welchen Testbedingungen ein Vergleichsverbrauch zu ermitteln ist und dann keinen Passus im Gesetz hat, der festschreibt, dass dieselben Bedingungen auch im Straßenverkehr gelten, dann ist das grob fahrlässig vom Gesetzgeber.

Dann den Steuerzahler / Autokäufer / Wähler die Dummheit des Gesetzgebers ausbaden zu lassen und nach langem Hickhack eine nicht existente Lösung anzubieten zeugt von Realitätsverlust, der sich in den Wahlergebnissen niederschlägt.

Edgar Kuchelmeister

tsh schrieb am 09.10.2018 um 14:58
Gesetzesbeugung abhängig von der gegenwärtigen Volksstimmung

Ich rede nicht von Gesetzesbeugung, sondern davon, dass Richter einen Ermessenspielraum haben. Siehe verbotene Autorennen mit Todesopfern! Aber natürlich hat die "Volksstimmung" einen etwas üblen Beigeschmack, nennen wir es mal lieber Gerechtigkeitsempfinden!

Wenn der Gesetzgeber dem Autohersteller vorschreibt, unter welchen Testbedingungen ein Vergleichsverbrauch zu ermitteln ist und dann keinen Passus im Gesetz hat, der festschreibt, dass dieselben Bedingungen auch im Straßenverkehr gelten, dann ist das grob fahrlässig vom Gesetzgeber.

Meinen Sie es gibt einen Passus, dass die Abgasreinigung außerhalb des Prüfverfahrens wieder abgeschaltet werden darf?

Dann den Steuerzahler / Autokäufer / Wähler die Dummheit des Gesetzgebers ausbaden zu lassen und nach langem Hickhack eine nicht existente Lösung anzubieten zeugt von Realitätsverlust, der sich in den Wahlergebnissen niederschlägt.

Der sich hoffentlich in Wahlergebnissen niederschlägt! Wen wollen wir den wählen? Die Grünen sind doch zwischenzeitlich genauso "pragmatisch" wie die "etablierten" Parteien. Siehe Kretschmann, der eine große Enttäuschung für mich ist. Wo ist in BW grüne Politik? Man kuschelt mit CDU und man zeigt sich gerne mal mit Herrn Zetsche (Daimler) und der 400 PS Dienstwagen ist ja ein Plugin Hybrid. Diese Leute sind nur noch abgehoben! Es ist mir zu blöde hier weiter zu diskutieren. 

Telegrafenamt

Edgar Kuchelmeister schrieb am 09.10.2018 um 15:28

Ich rede nicht von Gesetzesbeugung, sondern davon, dass Richter einen Ermessenspielraum haben. Siehe verbotene Autorennen mit Todesopfern! Aber natürlich hat die "Volksstimmung" einen etwas üblen Beigeschmack, nennen wir es mal lieber Gerechtigkeitsempfinden!

Auch nicht "Gerechtigkeitsempfinden". Es gibt für die Rechtsfindung klare Regeln, und die müssen unabhängig sein von irgendeinem diffusen "Empfinden" oder der politischen Großwetterlage.

Aber ganz abgesehen davon zeigt diese Diskussion ein weiteres interessantes Resultat: In den letzten Jahren wurde ein massives Mißtrauen, Ablehnung, ja, mitunter sogar Haß gegenüber der deutschen Autoindustrie geschürt. Stellenweise mag das berechtigt sein, aber bei vielen Menschen ins völlig Irrationale ausgeartet (man lese nur die obigen Beiträge). Wenn man sich nun fragt, wer davon profitiert, kommt man irgendwann auf ... die ausländische Autoindustrie. Und in der Tat ist einer der Auftraggeber (oder wie man elegant sagt "Kooperationspartner") der Lobbygruppe und Kanzlei "Deutsche Umwelthilfe e. V." der japanische Toyota-Konzern. Weitere Geldgeber sind u. a. eine amerikanische Stiftung, die von der Ford Foundation finanziert wird (Handelsblatt). Ein Schelm, wer Böses dabei denkt...

tsh

Telegrafenamt schrieb am 10.10.2018 um 01:48

Auch nicht "Gerechtigkeitsempfinden". Es gibt für die Rechtsfindung klare Regeln, und die müssen unabhängig sein von irgendeinem diffusen "Empfinden" oder der politischen Großwetterlage.

Zustimmung!

In den letzten Jahren wurde ein massives Mißtrauen, Ablehnung, ja, mitunter sogar Haß gegenüber der deutschen Autoindustrie geschürt. 

Solange deutsche Autos in Deutschland TEURER sind als im Ausland und z.B. in USA Abgas-Grenzwerte einhalten, es aber bei uns unmöglich ist, dieselben Grenzwerte einzuhalten und seit Jahrzehnten bekannte abgassenkende und -reinigende Technologien (Hybrid, "AdBlue") NICHT eingesetzt werden, solange brauche ich keine Lobby, die bei mir Ablehnung schürt, das schafft die deutsche Autoindustrie ganz alleine... Vom Preis-/Leistungsverhältnis mal ganz abgesehen.

Edgar Kuchelmeister

Telegrafenamt schrieb am 10.10.2018 um 01:48

Auch nicht "Gerechtigkeitsempfinden". Es gibt für die Rechtsfindung klare Regeln, und die müssen unabhängig sein von irgendeinem diffusen "Empfinden" oder der politischen Großwetterlage.

Gerechtigkeit und Rechtsprechung haben oftmals nichts miteinander zu tun. Auch die Rechtssprechung ist diffus. Gesetzesbrechen kommen mit geringen Strafen davon oder werden freigesprochen, weil sie einen guten und findigen Anwalt bezahlen können. Aber lassen wir das Thema einmal.

Und in der Tat ist einer der Auftraggeber (oder wie man elegant sagt "Kooperationspartner") der Lobbygruppe und Kanzlei "Deutsche Umwelthilfe e. V." der japanische Toyota-Konzern. Weitere Geldgeber sind u. a. eine amerikanische Stiftung, die von der Ford Foundation finanziert wird (Handelsblatt). Ein Schelm, wer Böses dabei denkt...

--- aber wenn das Land Niedersachsen Anteilseigner bei VW ist, ist alles i. O.? Wenn ein Ex-Politiker wie Herr Wissmann plötzlich Präsident des Verbandes der deutschen Automobilindustrie ist, hat das kein "Gschmäckle"?

Fakt ist doch das selbst die Staatsanwaltschaft in dieser Abgasaffäre wegen Betruges ermittelt und ein Manager bereicht in U-Haft ist. Und die Regierung sieht keine Möglichkeit die Automobilindustrie in die Pflicht zu nehmen? Ich bin kein Freund der DUH aber Fakt ist doch, dass Grenzwerte, die bestimmt nicht zu niedrig angesetzt sind, überschritten werden. Den Politikern geht es am A... vorbei und die einzige Lösung die sie haben ist, die bestrafen, die nichts dafür können.

In my humble opinion

Edgar Kuchelmeister schrieb am 09.10.2018 um 12:48
>Wenn ich meine Einkommenssteuererklärung türke, wenn ich schwarz arbeite ... ich werde abgestraft! Hab doch auch nichts anderes gemacht, als meine Daten so hingebogen, dass es passt ...<

Sie argumentieren sehr vereinfacht und trennen die Sachgebiete nicht. Was Sie beschreiben, ist Betrug und wird - so einen Ankläger gibt - nach Gesetzeslage gestraft. Was Sie meinen, nennt man 'Steuerschlupflöcher' ausnutzen, das wird vom Volk ( auch zu recht ) als 'Beschiss' beschimpft, aber es gibt - da das Gesetz da nichts sagt - keine Strafe, bis irgendwann einmal der 'Gesetzgeber' diese Schlupflöcher mehr oder weniger schließt ( und vielleicht sogar dabei andere aufmacht ).

Die Autokonzerne haben in den Prospekten nur versprochen, was sie auf dem Prüfstand gemessen haben, nicht mehr, nicht weniger, andere machne es auch so, denn wenn Sie an Ihrer Waschmaschine '60°' einstellen, sind zum Zwecke eines grünen Labels noch lange keine '60°' drin. Wir haben alle gewusst, dass es bei der Prüfstandsmessung gewaltige 'Schlupflöcher' gibt, angefangen von Verkleben der Spalten, von der Benutzung ganz schmaler, hoch aufgepumpter Reifen, vom Abklemmen der Klimaanlage und des Generators und so weiter, wir haben alle gewusst, dass die Verbrauchswerte der Prüfstandtests nur wenig mit dem realen Verbrauch auf der Straße zu tun haben - also auch bei den Abgasmessungen, klar für den, der nachgedacht hat. Außer dem VW-Konzern haben sich alle anderen wohl mehr oder weniger genau an die Buchstaben der Prüfbedingungen gehalten - wie manch anderer bei den Steuerschlupflöchern. Das Problem ist auch, dass die Prüfbedingungen von den 'Prüfern' selber festgelegt wurden, so, als würden die Steuerzahler selber die Steuergesetze schreiben. So wurde zwar formaljuristisch nicht betrogen, wohl aber dem Sinne nach. Wir singen hohe Lieder auf unseren Rechtsstaat, aber wenn die Richter formal nach Gesetz urteilen und damit dem 'gesunden Volksempfinden' nicht folgen, werden sie beschimpft. Wären uns denn Richter, die aus dem Bauch heraus urteilen, lieber? Das Problem liegt an den Gesetzen und Vorschriften, bzw an deren Lücken.

Das Totalversagen der Politik liegt darin, über Jahre hinweg diese Schlupflöcher nicht gestopft zu haben, bekannt waren sie alle.

Edgar Kuchelmeister

In my humble opinion schrieb am 10.10.2018 um 10:01

Sie argumentieren sehr vereinfacht und trennen die Sachgebiete nicht.

... liegt daran, dass ich versuche die Dinge durch Beispiele begreiflich zu machen. Lassen wir das mal aussen vor.

Die Autokonzerne haben in den Prospekten nur versprochen, was sie auf dem Prüfstand gemessen haben...

Dann erklären Sie mir, wie man auf einem Prüfstand einen Verbrauchswert innerort, Landstraße und Mischbetrieb ermittelt und ich schaue jetzt nicht nach wie die korrekten Begriffe im Prospekt lauten. Diese drei Werte werden angegeben, jedoch offensichtlich nicht wirklich geprüft. Das ist zumindest unlauter!

Wir haben alle gewusst, dass es bei der Prüfstandsmessung gewaltige 'Schlupflöcher' gibt, angefangen von Verkleben der Spalten, von der Benutzung ganz schmaler, hoch aufgepumpter Reifen, vom Abklemmen der Klimaanlage und des Generators und so weiter, wir haben alle gewusst, dass die Verbrauchswerte der Prüfstandtests nur wenig mit dem realen Verbrauch auf der Straße zu tun haben

Drogenabhängige wissen auch, dass Drogen gesundheitsschädlich sind, sind Dealer deswegen keine Kriminelle? Sorry, aber ihre Argumentation ist auch nicht stichhaltig!

also auch bei den Abgasmessungen, klar für den, der nachgedacht hat.

Quatsch, wenn selbst die Ermittler Probleme haben Abschaltvorrichtungen in der Motorsteuerung zu finden, kann man das nicht als Allgemeinwissen für Konsumenten proklamieren!

Außer dem VW-Konzern haben sich alle anderen wohl mehr oder weniger genau an die Buchstaben der Prüfbedingungen gehalten

Ich glaube Sie sind da nicht ganz auf dem Laufenden. Daimler, BMW, Fiat (leugnet und Italien prüft nicht) und glaube auch bei den französichen Hersteller wird vermutet aber nicht geprüft.

- wie manch anderer bei den Steuerschlupflöchern. Das Problem ist auch, dass die Prüfbedingungen von den 'Prüfern' selber festgelegt wurden

Das ist so auch nicht ganz richtig, es gibt die Normen der EU, es gibt ein KBA welches diese Normen prüft, jedoch wird (wurden) diese Prüfung auf Prüfständen der Hersteller ausgeführt, was auch noch nicht die Problematik ist. Der Betrug ist - und ich sag es nun zum x-ten mal - dass die Motorer für die Prüfung "manipuliert" wurden und hinterher die Normen wieder nicht erfüllen. Dieses ist bewußt und mit Vorsatz ausgeführt worden! Die Motoren entsprechen im Fahrbetrieb nicht der Abgasnorm und Autos werden doch für die Straße und nicht für den Prüfstand gefertigt, oder sehen Sie das anders?

Das Totalversagen der Politik liegt darin, über Jahre hinweg diese Schlupflöcher nicht gestopft zu haben, bekannt waren sie alle.

Waren Sie wirklich bekannt, bis die Amis etwas gegen VW unternommen haben? Angeblich wußten ja nicht mal die Automanager davon. Das haben doch irgendwelche untere Chargen sich ausgedacht um, ja warum haben die das gemacht? Jedenfalls die Manager sind frei von Schuld (her mit dem Bonus!) und die Lobbyisten haben den "ahnungslosen" Politikern nichts gesagt. Logisch ist das ein großer Filz.

Aber Betrug ist Betrug und es ist in diesem Lande (noch?) möglich Dinge beim Namen zu nennen. Ich werde sehr genau drauf achten, welche Partei dagegen vorgeht und welche nicht. Schauen wir mal!

In my humble opinion

Edgar Kuchelmeister schrieb am 10.10.2018 um 11:04

Wenn Sie etwas durch Beispiele begreiflich machen wollen, sollten die Beispiele aber schon passen.

Ich kann nur vermuten, dass es standardisierte Prüfzyklen 'Innerorts', 'Landstraße' und 'Autobahn' gibt, denn sonst wäre ja nichts vergleichbar und damit wäre jede Aussage über Verbrauch sinnlos.

Es geht auch nicht darum, dass ein Konsument eine Abschaltsoftware finden oder kennen sollte, es geht ganz allgemein darum, dass der gesunde Menschenverstand die angegebenen Abgaswerte bezweifelt, weil schon allgemein bekannt ist, dass die Verbrauchswerte nach unten geschönt sind.

Mir ist nur bekannt, dass der VW-Konzern dedizierte Prüfstandserkennungssoftware eingebaut hat, alle anderen haben meiner Kenntnis zufolge 'nur' exzessiv die Grenzen der Prüfvorgaben ausgenutzt, möglicherweise einige wohl bis knapp 'unter die Gürtellinie', was dann zu Nachbesserungen Anlass gab.

Ich denke, dass es viele Fachleute gibt, die bereits gründlich die Motorsteuerungen der erhältlichen Fahrzeuge durchforstet haben und wenn dort Prüfstandserkennungssoftware eingebaut wäre, wäre das inzwischen schon bekannt.

Noch einmal: Nicht alles, was Beschiss ist, ist auch Betrug, es kann auch legalisierter Beschiss sein, weil eben die Vorgaben ( die Prüfnormen ) manches 'Thermo'fenster offen lassen. Wenn die Autofirmen die Prüfnormen selber festlegen dürfen, führt das zu einem Verhalten, als wenn der Hund auf die Wurst aufpassen soll. Aber genau das ist ein politisches Problem, genau dieses Schlupfloch hat die Politik nicht geschlossen, warum auch immer, vielleicht äußern sich unsere zwei MdB des Wahlkreises Backnang-Schwäbisch Gmünd auch mal dazu.

Edgar Kuchelmeister

In my humble opinion schrieb am 11.10.2018 um 12:31

Es geht auch nicht darum, dass ein Konsument eine Abschaltsoftware finden oder kennen sollte, es geht ganz allgemein darum, dass der gesunde Menschenverstand die angegebenen Abgaswerte bezweifelt, weil schon allgemein bekannt ist, dass die Verbrauchswerte nach unten geschönt sind.

Abgaswerte sind nicht Verbrauchswerte! Man sollte wissen wovon man redet.

Während ich Verbrauchswerte anhand von Tankrechnung und Kilometerleistung erkennen kann, kann ich Abgaswerte eben nicht erkennen ergo kann man von mir auch keinen Argwohn verlangen.


Mir ist nur bekannt, dass der VW-Konzern dedizierte Prüfstandserkennungssoftware eingebaut hat...

Bosch Steuergeräte! Die werden auch von anderen Hersteller verwendet.

Ich denke, dass es viele Fachleute gibt, die bereits gründlich die Motorsteuerungen der erhältlichen Fahrzeuge durchforstet haben ...

Kennen Sie den Unterschied zwischen Maschinencode und Quellcode? Und wie immer muss man ja juristisch sauber nachweisen, dass ein solcher Code (Abschaltung der Abgasreinigung) einprogrammiert wurde. Im compilierten Maschinencode ist das eine Wahnsinnsarbeit. Daher benötigt man wahrscheinlich einen Durchsuchungsbefehl um an den Quellcode zu kommen und den bekommt man wieder nur ... juristischer Hickhack!

Noch einmal: Nicht alles, was Beschiss ist, ist auch Betrug, es kann auch legalisierter Beschiss sein, weil eben die Vorgaben ( die Prüfnormen ) manches 'Thermo'fenster offen lassen.

Klar gibt es auch Thermofenster unter 10 ° C, die wurden nicht eingehalten (Abschaltung bei 14° C), also Betrug!

Wenn die Autofirmen die Prüfnormen selber festlegen dürfen...

Sagt wer? Wo haben Sie die Information her, dass die Autofirmen Prüfnormen selber festlegen durften? Das würde mich interessieren. Ich weiß nur, dass die Prüfungen auf den Prüfständen der Hersteller durchgeführt wurden unter Aufsicht von Ingenieuren des KBA, weil das KBA offensichtlich keine Möglichkeiten hatte.

... vielleicht äußern sich unsere zwei MdB des Wahlkreises Backnang-Schwäbisch Gmünd auch mal dazu.

Glaube ich nicht! Seit wann beziehen Politiker klar Stellung? Das Abwiegeln ist und bleibt Chefsache und alle andern singen das Lied vom Fraktionszwang.

Frieder Kohler

Wer meine Kommentare gelesen hat, wird mit Interesse lesen:

https://www.lto.de/recht/nachrichten/n/lg-heilbronn-sp2o27817-vw-abgasskandal-schadensersatz-826-bgb/?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=LTO-Newsletter+41%2F2018

und wartet dann weitere Monate/Jahre auf das Ergebnis der Ermittlungen in Sachen "Kartell-Absprachen". Die sog. "Sünderlein" bewegen/bewegten sich in mehreren Rechtsgebieten nicht normgemäß und die Politik (AutokanzlerIn Schröder/Merkel) hat es unterlassen..., also versagt, bis zum heutigen Tage!

derleguan

Die Betrüger, die alle Dieselfahrer betrogen haben, haben Deutschland und seine Politiker fest im Würgegriff! Es ist ein hart erkämpfter Kompromiss, der erst in gut elf Jahren greifen soll: 2030 sollen Neuwagen in der EU durchschnittlich 35 Prozent weniger CO2 ausstoßen. Wer kämpft für meine Gesundheit, für mein Leben? Abgesehen davon werden wir auch die nächsten Jahre weiter betrogen, so dass selbst diese 35% nicht eingehalten werden - das garantiere ich!

In my humble opinion

Edgar Kuchelmeister schrieb am 11.10.2018 um 13:46

Abgaswerte sind nicht Verbrauchswerte! Man sollte wissen wovon man redet.

Es ist vielleicht nicht allgemein bekannt, dass ein Dieselmotor bauartbedingt mehr NOx absondert, aber aller Treibstoff, den ich in den Tank einfülle, verlässt den Motor via Auspuffrohr - wenn also die angegebenen Verbrauchszahlen geschönt sind, trifft das auch auf die CO2-Werte zu - und das sind auch Abgaswerte.

Bosch Steuergeräte! Die werden auch von anderen Hersteller verwendet.

Seit wann verkauft Bosch für VW bestimmte Software an Daimler? Wenn sie das machen würden, könnten sie gleich zumachen.

Klar gibt es auch Thermofenster unter 10 ° C, die wurden nicht eingehalten (Abschaltung bei 14° C), also Betrug!

Eben auf die Schnelle gefunden: „Thermofenster“ nennen die Prüfer den Temperaturbereich, in dem die Stickoxide am besten aus den Abgasen gefiltert werden. ... im schlimmsten Fall kann der Motor sogar Schaden nehmen. Daher erlaubt es eine Verordnung der Europäischen Kommission, die Abgasreinigung in einem solchen Fall vorübergehend abzuschalten.

Sagt wer? Wo haben Sie die Information her, dass die Autofirmen Prüfnormen selber festlegen durften?

Wenn Sie sich über Normenausschüsse informieren, stellen Sie fest, dass alle Normen von einer Versammlung 'Betroffener' verabredet und festgelegt werden, dazu gehören Materialhersteller, Vorprodukthersteller und 'Verbraucher' der Vorprodukte, nämlich die Hersteller der Fahrzeuge. Man schreibt alles das in die Normen, was man selber leicht einhalten kann - und wenn möglich die Konkurrenz nicht. Es können sich aber auch alle Konkurrenten auf Prüfnormen einigen, die zwar gut aussehen ( die sich gut 'verkaufen' lassen ), die aber keinem wehtun. Vielleicht sitzt ja sogar das KBA mit am Tisch - einer ( wenn er es denn wagt ) gegen sieben oder so, das Ergebnis ist klar.

Glaube ich nicht! Seit wann beziehen Politiker klar Stellung? Das Abwiegeln ist und bleibt Chefsache und alle andern singen das Lied vom Fraktionszwang.

Ganz offen: Glaube ich ja auch nicht ...