Wegbereiter des „German Dance“

Geschichte Wie der aus Wasseralfingen stammende Kurt Jooss den modernen Ausdruckstanz beeinflusste.
  • Kurt Jooss Foto: privat

Aalen. Im kaiserlichen Deutschland leitete Karl Jooss die Wasseralfinger Brauerei Schlegel, Sohn Eugen Jooss versorgte bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts die Wasseralfinger Bürger und die Arbeiter der umliegenden Fabriken mit schwäbischem Gerstensaft. Die Familie Joos galt etwas im Ort. Für den vor 117 Jahren geborenen Kurt Jooss stand die berufliche Zukunft von der Wiege an fest.

Doch der musisch begabte Junge verspürte wenig Neigung, sich der Braukunst zu widmen. Ihn zog es vielmehr nach der Oberschule ans Nationaltheater Mannheim zu dem ungarischen Choreographen Rudolf von Laban. Neben Isadora Duncan war es gerade Laban, der sich um den Tanz in neuer Gestaltungs- und Ausdrucksform bemühte. Für ihn war das Ballett nicht allein Tanz, sondern ein Kompositum von Musik und Tanz, welches das Genre „visuell interessant“ macht. In seiner Arbeit bewies er Fantasie, Vitalität und Gespür für neue Tanztechniken.

Sein Weg führte ihn zur Folkwangschule nach Essen, wo er den avantgardistischen Ausdruckstanz begründete, was ihn zum Wegbereiter des „German Dance“ machte. Aufsehen erregte 1930 sein Tanzdrama „Der grüne Tisch“, mit dem er den ersten Preis beim internationalen „Concours de Choreographie“ gewann. Als Antikriegsstück war ein Dorn im Auge der Nazis. 1933 gelang Kurt Jooss samt Ensemble die Flucht nach Großbritannien, dann in die USA.

Nach dem Krieg kehrte er an die Folkwangschule zurück, doch im Adenauer-Deutschland galt seine Kunst als „untänzerischer Neo-Expressionismus“. Klassisch konservatives Ballett sollte die Wirtschaftswunderzeit umranken. Ende der 1960er Jahren wandelte sich das Klima: Pina Bausch, Reinhild Hoffmann und Susanne Linke etablierten neben dem klassischen Ballett gleichberechtigt den freien Tanz á la Folkwang. Kurt Jooss und seine Kunst waren wieder gefragt.

Vortrag An diesem Dienstag, 16. Oktober, ab 19 Uhr referiert im Torhaus Thomas Thorausch über Kurt Jooss – Tanzdrama „Der grüne Tisch“.

© Schwäbische Post 15.10.2018 11:19
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