Lesermeinung

Zu Frau Merkels Rückzug vom Bundesvorsitz der CDU :

„Ich bin bereit“, diktierte die Kanzlerin den Journalisten in die Notizblöcke, als sie gefragt wurde, wie sie angesichts der aufgewühlten „Berliner Politbühne“ sowie ihres Rückzugs vom Bundesvorsitz der CDU Deutschlands, ihre knapp drei restlichen Kanzlerjahre sieht. Die „angezählte“ Kanzlerin wie gewohnt, freibleibend, aber gleichsam deutlich. Sie weiß um ihren politischen Trend, ist ziemlich verunsichert, aber ohne Unterlass machtbesessen und deshalb auch „bereit“. Aufkeimende Alternativen ließ sie ja nie zu.

Wenn man ein Wahlergebnis ignoriert, dennoch eine Koalition eingeht, die weder die Union, die Sozialdemokraten noch die Bürger wollten (hätte da nicht der Bundespräsident am Rad gedreht) führt das genau dorthin, wo man heute steht, vor ihrem Scheitern. Das Regierungsbündnis hat innerlich längst resigniert und ist auch öffentlich nur noch mühsam optimistisch.

Jetzt noch die Wahlen in Bayern und Hessen, bundespolitisch „angestrichen“, mit äußerst ernüchternden Ergebnissen. Chemnitz und Hans-Georg Maaßen, ein einziges Desaster. Dazu noch immer Horst Seehofer im „Gepäck“. Handeln war angesagt.

Der Kanzlerin Konsequenz, den Bundesvorsitz der CDU abzugeben, ist jedoch so durchsichtig wie halbherzig. War ihre Überzeugung, dass Kanzlerschaft und Bundesvorsitz in eine Hand gehören, lediglich ein Lippenbekenntnis? Geschenkt.

Frau Merkel ist klar strukturiert, was ihre eigenen Interessen angeht. Bevor sich die Diskussion um ihre Person – in politischer Gänze – zuzuspitzen drohte, trat sie die Flucht nach vorne an, um sich vorerst aus der Schusslinie zu nehmen. In Wahrheit ging’s Frau Merkel weniger um ihre Partei, sondern vorrangig um ihre Kanzlerschaft, sie zu stabilisieren. Um nicht mehr und nicht weniger.

© Schwäbische Post 25.11.2018 19:22
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Kommentare

Edgar Kuchelmeister

Die Kanzlerin ist die einzige PolitikerIn, die in dieser Zeit "Eier" hat und offensichtlich nicht auf Teufel-komm-raus an der Macht bleiben will. Außerdem ist sie die einzige gewesen die die Bedeutung des "C" im Parteinamen verstanden hat: Christlich = barmherzig!

Alle andern kleben an Ihren Stühlen wie Kaugummi (z. B. Seehofer und Söder).

Die nächsten Windbeutel (Merz und Spahn) lechzen schon wieder nach der Macht. Ich bin mir sicher mit denen beiden geht die Talfahrt weiter.