Tagesschau-Chef antwortet Schülern aus Bühlerzell

Medien Mehr gute Nachrichten hatten die Kinder gefordert. Dr. Kai Gniffke macht das in seinem Blog zum Thema.
  • Dr. Kai Gniffke ist der Chef der ARD-aktuell-Redaktion, die unter anderem für die Tagesschau und die Tagesthemen verantwortlich ist. Bild: NDR/Thorsten Jander (M)

Bühlerzell-Geifertshofen. In einem Brief haben sich Schülerinnen und Schüler der Grundschule Bühlerzell-Geifertshofen an die Nachrichtenredaktion der ARD gewandt und gefordert, jede Sendung der Tagesschau mit einer guten Nachricht zu beenden. Die vielen schlechten Nachrichten machten den Kindern Angst. „Manche von uns können deswegen nicht mehr so gut schlafen“, schreiben die Dritt- und Viertklässler, die gemeinsam den katholischen Religionsunterricht an der Schule besuchen.

Gute Nachrichten, damit Menschen Gutes tun

Die Kinder wüssten, dass viele schlimme Dinge auf der Welt geschehen. „Aber wir haben auch festgestellt, dass jeden Tag ganz viel Gutes geschieht“, schreiben sie. Sie sind überzeugt davon, dass gute Nachrichten zum Frieden auf der Welt beitragen. „Vielleicht strengen sich dann mehr Leute an, Gutes zu tun, damit Sie davon berichten“, steht weiter in dem Brief.

Antwort haben die Kinder nun von Dr. Kai Gniffke persönlich bekommen, dem Chefredakteur von ARD-aktuell, der Redaktion, die für alle Nachrichtensendungen des Ersten Deutschen Fernsehens verantwortlich zeichnet. In seinem Blog (https://blog.tagesschau.de) hat Kai Gniffke den Brief aus Geifertshofen veröffentlicht und antwortet den Kindern.

„Ich werde zwar häufig mit dem Wunsch nach „guten Nachrichten“ angesprochen, aber der Brief der Kinder hat mich heute doch besonders berührt“, schreibt der Chefredakteur. Daher habe er sich entschlossen zu antworten. „Mich sorgt sehr, dass einige von Euch wegen der Nachrichten schlecht schlafen können“, schreibt Kai Gniffke. Auch er sehne sich nach einer friedlichen Welt und würde lieber über eine Welt ohne Kriege und Katastrophen berichten.

Nachrichten müssten aber über das Besondere berichten, über die Abweichung von der Normalität. Als Beispiel nennt er: „Wir machen keine Nachricht, dass heute in Deutschland Frieden herrschte – einfach weil es Gott sei Dank in unserem Land der Normalfall ist, dass kein Krieg herrscht.“ Deshalb berichte die Redaktion dann, wenn es irgendwo keinen Frieden gibt, etwa in Syrien oder im Jemen.

Als weiteren Grund, warum negative Nachrichten häufiger in den Nachrichten vorkommen, nennt Kai Gniffke die Tatsache, dass Anschläge, Katastrophen und Überfälle von einem Moment auf den anderen passieren. Gutes entwickle sich dagegen oft über einen langen Zeitraum. Auch hier nennt der ARD-aktuell-Chefredakteur Beispiele.

„Innerhalb der vergangenen 30 Jahre hat sich die Sterblichkeit von Kindern unter 5 Jahren halbiert“, schreibt er und fügt an: „Innerhalb der vergangenen 30 Jahre hat sich die Zahl der Menschen in absoluter Armut ebenfalls halbiert.“

Aber weil das ein so langfristiger Prozess sei, komme das vielleicht nur einmal im Jahr in den Nachrichten vor. Viel öfter ereigneten sich in diesem Zeitraum Anschläge und Katastrophen. „So entsteht der Eindruck einer schlechter werdenden Welt, obwohl das Gegenteil der Fall ist“, schreibt Kai Gniffke.

Gut und schlecht oft eine Frage der Perspektive

Weiter stehe es der Redaktion gar nicht zu, zu beurteilen, ob eine Nachricht gut oder schlecht ist. Meistens sei es darüber hinaus unmöglich, das zu beurteilen. Als Beispiel nennt er unter anderem: „Wenn die Regierung beschließt, dass Arbeitslose mehr Geld bekommen, sagen die einen, dass das sehr gerecht ist und den Arbeitslosen hilft.“ Andere würden dagegen einwenden, dass man das Geld besser ausgeben sollte, um Arbeitsplätze zu schaffen, weil das den Arbeitslosen mehr hilft. „Ist das nun also eine gute oder eine schlechte Nachricht?“, fragt Kai Gniffke.

Fest vornehmen will er sich für sich und seine Redaktion, die langsamen Entwicklungen wie zum Beispiel die Bekämpfung des Hungers in der Welt nicht aus dem Blick zu verlieren. „Das ist und bleibt viel wichtiger als ein Terroranschlag“, schreibt der Chefredakteur. Das müssten er und die Kollegen sich immer wieder vor Augen führen und auch in der Tagesschau berücksichtigen. „Dafür war Euer Brief noch einmal ganz wichtig. Tausend Dank dafür“, schließt Kai Gniffke seinen Blogeintrag.

Viel Unterstützung für die Kinder aus dem Netz

Von den Lesern gibt es viel Zuspruch für die Kinder der Grundschule Geifertshofen. „Warum nicht mal versuchen, auch mal etwas Positives zu finden und darüber berichten. Ich mag die Idee der Schüler“, kommentiert einer. „Liebe Kinder, habt vielen Dank, Ihr sprecht mir aus dem Herzen!“, schreibt eine Nutzerin. „Die Kinder haben es erkannt: Wir brauchen auch positive Nachrichten“, fügt ein anderer an. Eine weitere Reaktion lautet: „Die Argumentation der Kinder ist überzeugend. Ich würde mich freuen, wenn die Tagesschau von ihnen lernen könnte.“ Eine Leserin schreibt: „Welch ein schöner Brief dieser Grundschule. Eine wunderbare Initiative, die dort im Religionsunterricht entwickelt wurde.“

Der Blogeintrag, in dem sich Kai Gniffke an die Schüler wendet, ist nachzulesen unter:
https://blog.tagesschau.de

© Schwäbische Post 05.02.2019 16:49
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.