Zeiss-Chef verrät Erfolgsgeheimnis

Vortrag Im Aalener Rathausfoyer plaudert Michael Kaschke mit viel Esprit über den Hype um neue Trends und sagt, warum die Zeiss-Datenbrille im „Tal der Enttäuschungen“ dümpelt.
  • Anfangs ist die Begeisterung über neue Technologien groß, dann stürzt die Erwartungskurve ab. Zeiss-Chef Michael Kaschke hat das Innovationsmanagement unter die Lupe genommen. Foto: Oliver Giers

Aalen

Was ist Innovation? Welche Technologien und Megatrends bestimmen unsere Zukunft? Und wie geht ein Weltkonzern mit ihnen um? Diesen Fragen widmete Zeiss-Chef Prof. Dr. Michael Kaschke einen prägnanten und packenden Vortrag im voll besetzten Aalener Rathausfoyer. Anhand von Entwicklungen und Produkten aus dem Hause Zeiss zeigte er auf, wie sich Neuerungen durchsetzen – oder auch nicht.

Als „zeitlebens Forscher und Physiker mit Leidenschaft“ bezeichnete Oberbürgermeister Thilo Rentschler den Vorstandsvorsitzenden der Carl Zeiss AG in seinen Willkommesworten. Dieser vermittelte den Zuhörern seine Gedanken zum Innovationsmanagement in klaren Strukturen: „Wenn es besonders kompliziert ist, muss man es besonders einfach machen“, so Kaschke. Den Kern von Zeiss als diversifiziertem Unternehmen mache aus, dass man über die Jahre Technologien stets erweitert und in Nachbarsegmente getragen habe: von der Mikroskopie zur Medizin, von den Foto-Objektiven zur Halbleitertechnik.

Kaschke zitierte eine Definition, nach der Innovation eine neue Idee ist, „die man umsetzt und die Geschäftswert schafft“. Anhand einer Kurve stellte er dar, dass neue Technologietrends oft zuerst auf einen Hype überzogener Erwartungen treffen, ehe sie im „Tal der Enttäuschungen“ landen. Ob sie sich von dort wieder aufrappeln und auf das „Plateau der Produktivität“ finden oder im „Abgrund der Irrelevanz“ verschwinden, sei schwer vorhersagbar.

„Das ist die große Kunst“, sagte Michael Kaschke. Es gebe aber sechs maßgebliche Faktoren für erfolgreiches Innovationsmanagement: Die radikale Orientierung am Kundenerfolg, das Erkennen und Nutzen von Megatrends, schnelle Entscheidungen, höhere Unternehmensziele, Partnerschaften und Innovationskultur.

„Wir haben bei Zeiss zwischen 1500 und 2000 Produkte im Portfolio, da ist es normal, dass 30 oder 50 Flops sind“, räumte er ein. Kritisch werde es erst, wenn man auf falsche Trends setze.

Wir haben zwischen 1500 und 2000 Produkte im Portfolio, da ist es normal, dass 30 oder 50 Flops sind.

Prof. Dr. Michael  Kaschke
Vorstandsvorsitzender Carl Zeiss AG

Megatrend mit Augenlaser-Methode erkannt

Ganz offen präsentierte Michael Kaschke die „Smart Glasses“, die Zeiss in einem Joint Venture mit der Deutschen Telekom in Aalen entwickelt, als Innovation mit völlig ungewisser Zukunft: „Hier sind wird derzeit im tiefsten Tal der Enttäuschung“, sagte Kaschke über die Brille, die ihren Träger in einem Datenfeld Infos, Apps und Bilder einblendet. Sind die Kunden vom Nutzen überzeugt? Entspricht das Produkt den Werten von Zeiss, zu denen digitaler Forschschritt, Spitzenforschung, Lebensqualität und besseres Sehen gehören? All dies gelte es zu hinterfragen.

Als wirtschaftliche Erfolgsgeschichten hingegen präsentierte Kaschke das Online-Bestellsystem Zeiss Visustore für Brillengläser. „Das ist keine große Erfindung, aber ein einfaches System, das von Optikern gerne genutzt wird.“

Ebenfalls erfolgreich auf der Innovations-Kurve: Die Technologie „Relex Smile“ für Augenbehandlung per Laser. Für Zeiss zahle es sich aus, den Megatrend der minimal invasiven Chirurgie genutzt zu haben.

Digitalisierung und andere Megatrends, so ein Fazit Kaschkes können das Geschäft verändern und Chancen bringen. Voraussetzung allerdings: Sie müssen für eine „überragende Kundenerfahrung“ sorgen.

© Schwäbische Post 06.02.2019 16:01
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