Aufschrei in der Mailänder Scala

Saudi-Arabien will Millionen in das berühmte Opernhaus investieren – und dafür einen Sitz im Aufsichtsrat.
  • Das Teatro alla Scala in Mailand. Foto: epa Enrico Oliverio
Die Saisoneröffnung der Mailänder Scala gehört zu den wichtigsten kulturellen Ereignissen in Italien. Wer bei dem Spektakel dabei ist, hat im Land meist was zu sagen. Hin und wieder gibt es einen Skandal oder ein Skandälchen. Auf den seltenen Gast im Publikum waren die Augen im vergangenen Dezember allerdings noch nicht gerichtet: In den Rängen saß der saudi-arabische Kulturminister Prinz Badr bin Abdullah. Drei Monate später ist der Aufschrei groß. Denn Saudi-Arabien will Millionen in eines der berühmtesten Opernhäuser der Welt investieren. Und das Pikante: Im Gegenzug soll Prinz Badr im Aufsichtsrat sitzen.

Seitdem die Nachricht in der Welt ist, sind sich Politiker von links bis rechts in Italien ausnahmsweise einig. Ein ultrakonservativer Staat, der zuletzt mit einem Tötungskommando den Regierungskritiker Jamal Khashoggi ermorden ließ, habe nichts in einer von Italiens obersten Kulturinstitutionen zu suchen. „Wir können es uns absolut nicht erlauben, dass eines der prestigeträchtigsten Symbole Mailands mit einem Land zusammenarbeitet, das täglich die Menschenrechte und die Freiheit mit Füßen tritt“, erklärte der sozialdemokratische Europaabgeordnete Antonio Panzeri.

„Pecunia non olet (Geld stinkt nicht), sagte man im alten Rom“, erklärte der Senator der konservativen Forza Italia, Maurizio Gasparri, „aber es ist kein Prinzip, das moralisch immer vertretbar ist.“ Als größter Skandal gilt, dass sich das ölreiche Königreich mit seinen Petrodollars gleich in den Aufsichtsrat „einkaufen“ will.

15 Millionen Euro aus Saudi-Arabien sollen in den kommenden fünf Jahren insgesamt an das Opernhaus fließen. In Riad soll ein Konservatorium für Kinder öffnen. Auch ist im Gespräch, Verdis Oper „La Traviata“ in der saudischen Hauptstadt aufzuführen. Der Präsident der Region Lombardei, Attilio Fontana, sprach von einem „fast heiligen“ Status der Scala. „Man kann Produkte der Scala verkaufen, aber man kann nicht gleich die Scala selbst verkaufen“, sagte er der Zeitung „Corriere della Sera“.

Intendant sieht es positiv

Der Intendant der Oper, der Österreicher Alexander Pereira, kann die Aufregung nicht verstehen. Es sei ein positives Zeichen, wenn sich ein Land öffne, das sich 40 Jahre der Kultur verschlossen habe, sagte er der Zeitung „La Repubblica“. Er habe den Fall Khashoggi verfolgt und wisse, dass das saudische Regime „despotisch“ sei. Er sei aber von der „positiven Kraft der Musik“ überzeugt.

Mittlerweile ist in den Fall auch die Regierung in Rom eingeschaltet. Am 18. März tagt der Aufsichtsrat in Mailand. Dann soll eine Entscheidung fallen. Der Vorsitzende, Mailands Bürgermeister Giuseppe Sala, übte sich in Zurückhaltung. Es sei richtig, dass Gelder auch außerhalb Italiens gesucht würden, sagte er. Die Frage sei aber, was man dafür im Gegenzug verlange. dpa
© Südwest Presse 14.03.2019 07:46
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