EU und Vereinte Nationen sammeln für Syrien

Die Hälfte der Bevölkerung ist auf der Flucht, das Land ist am Boden und der Wiederaufbau kommt nur langsam voran. Zum dritten Mal findet nun in Brüssel eine Geber-Konferenz statt.
  • Acht Jahre Syrienkrieg haben ein zerstörtes Land hinterlassen. Foto: Islamic Relief/ Syrien/Aktion Deutschland Hilft e.V./obs
Diese Woche vor genau acht Jahren begann der Volksaufstand gegen Syriens Diktator Baschar al-Assad. Und noch immer wird in der verwüsteten Bürgerkriegsnation gekämpft, gehungert und gestorben. Die Hälfte der Bevölkerung ist auf der Flucht. Fünf Millionen im Land haben kein festes Dach mehr über dem Kopf. 5,6 Millionen Syrer brachten sich jenseits der Landesgrenzen in Sicherheit, die meisten in den Nachbarstaaten, viele auch in Europa.

Am Donnerstag kommen nun in Brüssel auf Einladung von EU und Vereinten Nationen zum dritten Mal Minister und Repräsentanten von über 85 Nationen und Organisationen zu einer Syrien-Geberkonferenz zusammen. Im letzten Jahr sagten sie 6,2 Milliarden Dollar zu, diesmal hoffen die Organisatoren auf eine Summe von zehn Milliarden.

Die dramatischsten Nachrichten kommen derzeit aus dem Osten Syriens. Mehr als 3000 IS-Kämpfer kapitulierten in den vergangenen drei Tagen und verließen ihre letzte Bastion Baghouz am Euphrat. Das Ende des „Islamischen Kalifates“ auf syrischem Territorium ist nur noch eine Frage von Tagen. Trotzdem ist die Gefahr durch den „Islamischen Staat“ keineswegs gebannt, warnte kürzlich US-General Joseph Votel, Chef der in Syrien und Irak eingesetzten US-Spezialkräfte. Die meisten IS-Anhänger, die aus dem Kampfgebiet evakuiert würden, seien „verstockt und radikalisiert“, erklärte der 61-Jährige.

Derweil kommt der Wiederaufbau des zerstörten Landes nur sehr langsam voran. Ein Drittel aller Wohnungen sowie die Hälfte aller Schulen, Universitäten und Krankenhäuser sind zerstört. Die Weltbank schätzt die Kosten auf mindestens 320 Milliarden Euro. Doch weder Damaskus noch seine Verbündeten Russland und Iran können den Wiederaufbau alleine schultern.

Europa bringt dies in ein Dilemma. Findet sich Brüssel mit dem Despoten Baschar al-Assad ab und lässt die Hilfsgelder fließen, werden dennoch viele der rund eine Million Syrer, die in der Europäischen Union Zuflucht gefunden haben, aus Angst vor ihrem Regime nicht zurückkehren. Blockieren die Europäer jedoch die Aufbau-Milliarden bis ein „glaubwürdiger Übergang weg von Baschar al-Assad“ stattfindet, werden große Teile Syriens noch auf Jahre und Jahrzehnte unbewohnbar bleiben.

Die Befürworter dieser harten Linie berufen sich vor allem auf die Resolution 2254 des UN-Sicherheitsrates vom Dezember 2015. Die Resolution fordert einen „politischen Übergang“ in Syrien, ohne allerdings genau zu definieren, ob damit perspektivisch ein Rücktritt Assads oder nur bestimmte innere Reformen des Systems gemeint sind.

Martin Gehlen
© Südwest Presse 14.03.2019 07:46
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