Kabelhersteller

Robust genug für einen Vulkan

Auf Island hilft die Technik des Kabelbauers, Touristen zu warnen. Das Stuttgarter Unternehmen ist mit Steckern und Leitungen für Forscher sowie Unternehmen erfolgreich.
  • Ganz schön lange Leitung: Ein Mitarbeiter des Kabelherstellers Lapp kontrolliert das Aufrollen eines Kabels. Foto: Sina Schuldt/dpa
Wer die Rockgruppe AC/DC kennt, kennt das ganze Problem. Das AC steht für die englische Bezeichnung für Wechselstrom. Dieser ist heute üblich und fließt in jedem Haushalt. Er lässt sich hochtransformiert relativ verlustfrei über lange Strecken übertragen – zu sehen an den Hochspannungsleitungen in der Natur. DC aber, Gleichstrom, hat ebenfalls Vorteile, die immer wichtiger werden. „Bei einer Umstellung auf Gleichstrom in Deutschland wäre die Energieersparnis so hoch, dass Deutschland seine zwei größten Braunkohlekraftwerke abschalten und seine Klimaziele auf einen Schlag erreichen könnte“, sagte Georg Stawowy, Vorstand für Innovation und Technik bei Lapp.

Der Stuttgarter Anbieter von Kabel- und Verbindungstechnologie verspricht sich viel von einem möglichen Wechsel. „Die Industrie hat ein großes Interesse an dem höheren Wirkungsgrad von Gleichstrom. Bei Daimler in Sindelfingen haben wir eine Fertigungsstraße umgestellt.“ Bei der immer wichtiger werdenden Stromgewinnung aus Sonnen- und Windenergie wäre keine Umwandlung nötig. Anriebstechnik der Industrie und IT-Serverparks könnten davon profitieren.

Bis es allerdings so weit ist, dass aus allen Steckdosen in Deutschland „Saft“ ohne wechselnde Stärke fließt, dürften noch viele Jahre vergehen, dämpft Stawowy Erwartungen. „In den nächsten fünf Jahren werden die Möglichkeiten in der Öffentlichkeit wahrgenommen, in den darauf folgenden fünf Jahren dann umgesetzt werden.“ Bislang sei es noch ein Henne-Ei-Problem: „Vom ersten Kühlschrank für Gleichstrom könnte ein Impuls ausgehen“, überlegt der Vorstand. Länder wie Indonesien mit ihrer hohen Wachstumsdynamik dürften dies schneller gestalten. Lapp beschäftige sich seit Jahren mit dem Thema und habe die weltweit erste serienmäßige DC-Leitung auf den Markt gebracht. Unterstützt wird ein Forschungsprojekt an der Technischen Universität Illmenau.

Das Unternehmen forscht und entwickelt in viele Richtungen. Etwa in Kabel, die so robust sind, dass sie sich in Island an einem der aktivsten Vulkane Europas – dem Hekla – einsetzen lassen. Das dort verlegte Kabel müsse extremer Kälte, Hitze, scharfem Vulkangestein und Feuchtigkeit widerstehen und spiele deshalb laut Stawowy in „der Champions League der Kabel“ mit. Verbundene Seismografen senden über die Stränge Daten weiter, die zur Warnung vor Ausbrüchen an eine Handy-App weitergeleitet werden. Diese ist zum Beispiel für dort spazierende Touristen zwingend vorgeschrieben.

Das Familienunternehmen profitiert vom weltweiten Trend zur Digitalisierung. Die Vernetzung in der Industrie führt dazu, dass immer mehr Daten transportiert werden müssen, etwa bei Maschinen, in der Robotik oder bei hochauflösenden Kameras. Dazu braucht es entsprechende Kabel mit sehr hohen Übertragungsraten und Steckverbindungen, wie Lapp sie im Programm hat. Spezialanfertigungen sind gefragt, wie etwa Steckverbinder für eine Nudeltrocknungsanlage.

Im laufenden Geschäftsjahr, das im September endet, will Lapp einstellig wachsen. Impulse werden für die Regionen Asien-Pazifik und Europa erwartet. Große Akquisitionen sind nicht geplant. Im abgelaufenem Geschäftsjahr war das anders. Es gab ein Joint Venture mit der australischen ECS und Übernahmen der finnischen SKS und der schweizer Volland. Was auffällt: zum Teil jahrzehntelange persönliche und geschäftliche Beziehungen befördern diese Aktivitäten. Teilweise kennen sich die Kinder der Firmenlenker – ein Vorteil von Familienunternehmen.
© Südwest Presse 14.03.2019 07:46
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