Kommentar Helmut Schneider zu Schulpraktika im Handwerk

Gar nicht so abwegig

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Es ist erstaunlich, wie lange sich Vorstellungen in den Köpfen halten – auch wenn die Wirklichkeit längst anders aussieht. Unter anderem deshalb tut sich das Handwerk schwer, ausreichend beruflichen Nachwuchs zu finden. Allen Imagebroschüren und Marketing-Kampagnen zum trotz gilt immer noch das Bild vom Handwerker: ein bisschen angestaubt und gar nicht cool.

Das hängt mit Entwicklungen und gesellschaftlichen Trends zusammen, für welche die Branche nichts kann. Zum Beispiel die nicht nur von Handwerksmeistern, sondern auch von Bildungspolitikern zu Recht beklagte Akademisierung.

Ein anderer Grund, warum es den jungen Azubi lieber zu Bosch oder Daimler zieht als in eine kleine Firma: Die Industrie bezahlt in der Regel besser und bietet im Zweifelsfall auch noch das ansprechendere Umfeld.

Dabei sind im Großkonzern den angeblich so heiß begehrten weichen Arbeitstugenden enge Grenzen gesetzt: Selbstständigkeit, Eigenverantwortung oder Teamarbeit ist im Handwerksbetrieb meist leichter zu haben – falls der Meister etwas von Motivation und Menschenführung versteht.

Bleiben die technisch-betrieblichen Inhalte. Von denen hat ein Schüler naturgemäß keine Ahnung. Der Vorschlag von verpflichtenden Kurzzeitpraktika ist deshalb nicht so abwegig, wie er sich anhört. Es lohnt sich, darüber nachzudenken.
© Südwest Presse 14.03.2019 07:46
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