Lesermeinung

Nein, wir sind keine Übeltäter!

Zum Leserbrief „Die Übeltäter sind doch wir“, vom 29. März:

Sehr geehrter Herr Erhardt, Ihre Meinung zum Verhalten des Bundespräsidenten kann ich nicht teilen. Gerade vom Bundespräsidenten, im obersten Amt des Staates, dessen Unterschrift unter einem Gesetzestext diesem erst Rechtskraft verleiht, muss jeder erwarten, dass er das Einhalten der Gesetze anmahnt. Ermutigt das Staatsoberhaupt zum Verstoß gegen ein Gesetz, ist dies eine auffällige Auflösungserscheinung des verfassten Rechtsstaats.

Daraufhin leitete eine Schule zum Schulschwänzen an: In Aalen war das so und wurde nachträglich dem Ministerium als Lerngang zur Beobachtung einer Demonstration ausgelegt. Ich habe es recherchiert. Der Schüler, der zum Lernen in die Schule geht, hat den Rechtsanspruch auf Bildung mit dem dazugehörenden Schulunterricht. Die Lernwilligen werden zu Verlierern des aus dem Rechtsrahmen geratenen Systems.

Eltern haben eine Erziehungspflicht und möchten ihren Kindern die bestmögliche Voraussetzung zur persönlichen Zukunftsbewältigung bereitstellen. Dafür verlangen Eltern viel von sich selbst ab: Sie kommen immer wieder an die Grenze ihres Familienbudgets. Nicht selten bietet erst der Familien-Pkw den Kindern die Chance für außerschulische Weiterbildung und Teilhabe.

Von der eigenen Schuld an einem versäumten „Klimaschutz“ kann ich Ihnen gerne Absolution erteilen. Klima, der 30-jährige Mittelwert zurückliegender Wetteraufzeichnung, lässt sich für die Zukunft nicht schützen. Großeltern und Eltern haben es nicht versaut. Wir sind keine Übeltäter!

Für die Elterngeneration ist es immer die Anstrengung, den erarbeiteten Wohlstand zu mehren und verantwortungsvoll in einem gesicherten Rechtsrahmen weiterzugeben. Das gilt für jedes Zusammenleben und ist der Kitt für eine intakte Nation, in der unterschiedliche Herkünfte und Weltanschauungen Heimat haben können.

Sie zollen einer 16-jährigen Schulschwänzerin Respekt. Hier kann und will ich Ihnen nicht folgen. Es mag Zufall sein, dass Ihr Leserbrief neben den Bericht gesetzt wurde, aus dem hervorgeht, wie ein Firmenchef, trotz Anfeindungen, für den technischen Fortschritt, für die Beschäftigten und für den Standort seines Unternehmens Sorge trägt. Jener verdient Respekt!

© Schwäbische Post 02.04.2019 18:52
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derleguan

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Was sagt uns das für Deutschland? Wir sollten bei Verstand bleiben und uns kein postfaktisches Zeitalter einreden lassen. Bestimmte Fakten sind nicht verhandelbar. Das Wissen etwa, dass mehr Kohlendioxidausstoß die Erde erwärmt. Diese Erkenntnis basiert auf Naturgesetzen. Wenn wir diese Grundlagen verlassen, verlassen wir den Boden der Demokratie, in der es um Argument und Gegenargumenten gehen sollte.
Der Klimawandel ist real und erfordert rationales Handeln. Die Schüler machen es genau richtig.