Querpass

Wenn Werbung wandert

  • über aufdringliche Markenlogos. Manuela Harant Foto: Guido Kirchner/dpa
  • Eine wandelnde Litfaßsäule: Christian Prokop. Foto: Guido Kirchner/dpa
Neben den Zuschauer- und TV-Geldern leben sämtliche Sportarten vor allem von einer Einnahmequelle: der Werbung. Je populärer die Sportart und finanzkräftiger ihr Publikum, desto engmaschiger sind die Athleten von A wie Audi bis Z wie Zott plakatiert. Besonders wertvoll aus Sicht des Werbenden sind natürlich die Fernsehminuten im Trainer-Interview nach dem Spiel, bei denen sich gleich ein Millionenpublikum nicht dem Anblick seiner Werbebotschaft entziehen kann. Ärgerlich nur, dass die Regisseure der öffentlich-rechtlichen TV-Sender immer näher ranzoomen, so dass die beworbene Brust der Gesprächspartner aus dem Bild herausrutscht.

Dann muss eben die Werbung weiter nach oben rutschen, dachte sich ein Billig-Discounter, und so prangt sie nun auf dem Schlüsselbein von Handball-Bundestrainer Christian Prokop. So hamsterte das Logo auf Kinnhöhe bei der Spielanalyse wichtige Werbeminuten.

Und was, wenn der Kameramann dazulernt und nächstes Mal noch näher heranzoomt? Klebt das blaugelbe Sponsorenschild vielleicht bald auf Prokops Mund? Auf den Augen wären sogar zwei Plätze frei.

Oder man orientiert sich an den Werbeflächen im Frauen-Volleyball, wo sogar schon das Gesäß als Platzhalter für den einen oder anderen Werbespruch zur Verfügung stand – kostenlose Sexismus-Debatte inklusive. Die Männer müssen sich für so viel Diskussionsstoff wohl etwas anderes einfallen lassen.
© Südwest Presse 16.04.2019 07:46
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