Lesermeinung

Zum Leserbrief von Roland Schiele in der SP vom 23. April zum VfR Aalen.

„Herr Schiele, ich stimme Ihrem Kommentar weitgehend zu. Es ist tragisch, dass der Verein ausgerechnet nach der erfolgreich bewältigten Planinsolvenz jetzt sportlich in die Regionalliga abstürzt.

Auch ich sehe subjektiv betrachtet in Ex-Trainer Argirios Giannikis den Hauptschuldigen für diesen unnötigen Abstieg. Seine offenkundige Führungsschwäche, falsche Trainingsschwerpunkte sowie das Ignorieren und Annehmen des Abstiegskampfs hat die Mannschaft konsequent dahin geführt, wo sie jetzt steht. Sie darf sich nun völlig zurecht das Wort ‘Absteiger’ ans Revers heften. Der Trainerwechsel und ein Rico Schmitt kam zu spät, um den Abwärtstrend noch stoppen zu können.

Allerdings kann man in dem Zusammenhang keinesfalls die Spieler aus der Verantwortung nehmen. Bedingungsloser Wille, Leidenschaft und professionelle Konzentration hinten und vorne von der ersten bis zur allerletzten Minute waren beziehungsweise sind anscheinend ein Fremdwort für einen Großteil der gut bezahlten Spieler. Statt Alibifußballer hätte man sich mehr Führungsspieler gewünscht, die sich für den Erfolg zerreißen und junge Spieler mitziehen. Ob die Saison 2018/19 mit einem Peter Vollmann auf der Kommandobrücke erfolgreicher verlaufen wäre, wissen wir nicht – das ist Spekulation. Es ist auch nicht ganz fair, den Abstieg nun dem Präsidium anzulasten. Ein Neustart mit einem Perspektivtrainer war breiter Konsens. Auch ich bekenne mich dazu, diese Neuausrichtung befürwortet zu haben. Das Versagen des Herrn Giannikis war so leider für niemanden vorhersehbar. Ein erfahrener und gut vernetzter Sportdirektor an der Seite des Präsidiums hätte hier eventuell den sportlichen Supergau verhindern können.

Nun wird man sehen, wie es weitergeht mit dem VfR. Ob ein ambitionierter Neuaufbau möglich ist. Das wird ganz stark davon abhängen, ob es dem Verein (...) gelingt, die Sponsorenbase nicht nur zu halten, sondern weiter zu stärken und auszubauen. Ist das der Fall, bedarf es unbedingt eines klaren Bekenntnisses der Vereinsoberen ‘Pro Profifußball’ sowie vor allem eines starken Trainers, der die Zeit und die Möglichkeiten bekommt, eine neue Mannschaft mit Blickrichtung nach oben perspektivisch zu entwickeln. Sind diese (finanziellen) Mittel nicht vorhanden, ist es wohl besser, den kontrollierten Gang in die Niederungen des Amateurfußballs anzutreten. Dies hätte den Vorteil, dass wir uns zumindest in Aalen nicht mehr über überbezahlte Fußballprofis, die zu wenig Leistung für zu viel Gehalt abliefern, ärgern müssen.“

© Schwäbische Post 23.04.2019 18:49
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Kommentare

Thimas Lang

Herr Meyer, was ist denn "zu viel Gehalt"? Kennen Sie die Gehälter der Spieler?

Thomas Meyer

Thimas Lang schrieb am 25.04.2019 um 11:05

Herr Meyer, was ist denn "zu viel Gehalt"? Kennen Sie die Gehälter der Spieler?

Jeder, der lesen, hören sowie 1+1 zusammenzählen kann und sich außerdem über den eigenen Verein hinaus mit der Fußballszene beschäftigt, weiß, dass Fußballprofis (Spieler+Trainer) in deutschen Profiligen - und dazu zählt die 3. Liga nunmal - keinesfalls der Gattung der Geringverdiener zuzuordnen sind. Dass die Finanzen gerade wegen der Gehälter mittlerweile die Hauptrolle spielen, ist ein grundsätzliches Problem des Fußballs, das man nicht einfach wegdiskutieren kann. Auch Aalener Profis müssen definitiv keinen Nebenjob ausüben, um im hier und jetzt auskömmlich leben zu können. Ich gönne das jedem Einzelnen und werfe das auch niemand vor. Allerdings erlaube ich mir darauf hinzuweisen, wenn die Leistungen wie im konkreten Fall deutlich zu wünschen übrig lassen und das Verhältnis von Leistung zu Gegenleistung nicht passt!

Thomas Meyer, Aalen