Nach 60 Jahren am Ziel

Mit vielen Aktionen kämpfte die „Bürgerinitiative B 29 raus“ für ein lebenswertes Mögglingen. Die Bestrebungen, den Durchgangsverkehr aus der Gemeinde zu verbannen, gehen bis in das Jahr 1957 zurück. Der erste Spatenstich für das Projekt erfolgte aber erst im Juli 2015.
  • Wohlverdienter Ruhestand: Seit 1999 war die Freiheitsstatue das Symbol des Kampfs für die Umgehungsstraße. Foto: privat

Mögglingen. Mehr als sechzig Jahre dauerte Mögglingens Kampf um mehr Verkehrssicherheit, saubere Luft und weniger Verkehr auf der Ortsdurchfahrt, der B?29. Im Juli 1957 wurden im Regierungspräsidium Stuttgart erstmals Überlegungen zum Bau einer Umgehungsstraße im Zuge der B?29 in Mögglingen angestellt. Das Regierungspräsidium legte sich 14 Jahre später, 1971 auf eine Trasse im Süden fest. Die im August 1977 durch einen Gemeinderat vorgeschlagene Tunnellösung wurde vom Regierungspräsidium aus Kostengründen abgelehnt.

Autobahn bringt noch mehr Durchgangsverkehr

1979 bis 1985 ruhte das Verfahren, lediglich die Ortsdurchfahrt wurde 1984 ausgebaut. Mit der Eröffnung der A?7 im Jahr 1988 nahm der Durchgangsverkehr in Mögglingen rasant und kontinuierlich zu. 1990 präsentierte das Regierungspräsidium Pläne zur Voruntersuchung über verschiedene Trassenvarianten.

Dies wurde in der Mögglinger Bevölkerung zwischen Juni 1990 und Februar 1991 mehr als kontrovers diskutiert. Es fanden „regelrechte Schreib- und Wortschlachten zwischen den Befürwortern der verschiedenen Trassen statt“, erinnert sich Ottmar Schweizer, damaliger Bürgermeister und Initiator der im Herbst 1990 gegründeten Bürgerinitiative „B?29 raus“ in seiner „unendlichen Geschichte“ über die B?29 Ortsumgehung Mögglingen.

Über Monate stand damals Mögglingen im Mittelpunkt des Interesses im gesamten Ostalbkreis. Der Streit um die beste Lösung habe sich durch den ganzen Ort gezogen, auch die beide Bürgerinitiativen „B?29 raus“ und die „Bürger für Natur- und Umweltschutz unterm Rosenstein seien sich konträr gegenübergestanden. Ein Bürgerentscheid soll eine Klärung der Situation bringen und bringt 1991 der Südumgehung 61,74 Prozent der Stimmen, 38,26 Prozent der Mögglinger sprechen sich für einen Tunnel aus. Die Lage in Mögglingen beruhigt sich danach wieder. Im Oktober 1991 demonstrieren rund 700 Mögglinger auf der B?29 „für ein lebenswertes Mögglingen – ohne B?29“.

Im Februar 1993 fahren 150 Mögglinger zum Stuttgarter Regierungspräsidium, um für die Ortsumgehung zu demonstrieren. Im Juni 1993 organisiert die BI B?29 raus eine eigene Verkehrszählung, mit 24?000 gezählten Fahrzeugen sehen sich die die Befürchtungen der BI und der Anlieger bestätigt. In den kommenden Jahren folgen weitere Demonstrationen und Verkehrszählungen in Mögglingen. 1992 legt das Bundesverkehrsministerium die „Ortsnahe Südumgehung“ als Linie fest. 1998 wird das Planfeststellungsverfahren eröffnet, die Pläne werden vorgestellt und vom Gemeinderat abgelehnt, die Planung enthalte Fehler, die Planungsbehörde sei nicht ausreichenden auf die Modifizierungswünsche der Gemeinde eingegangen. Die löst eine weitere Tunneldiskussion in Mögglingen aus, die in einem zweiten Bürgerentscheid im Juli 1999 gipfelt, die Südumfahrung erhält weiterhin die Stimmenmehrheit.

Miss Liberty mahnte am Ortseingang

42 Jahre nach den ersten Überlegungen wird der Gemeinde und dem Ostalbkreis der Planfeststellungsbeschluss übergeben. 1000 Menschen demonstrierten am 1. Oktober 1999 für den Ausbau der B?29 von Gmünd bis Aalen. 25?000 Menschen beteiligen sich an einer Unterschriftenaktion, die den Ausbau forderte.

Am 18. Dezember 1999 stellt die BI B?29 raus am westlichen Ortseingang die „Freiheitsstatue“ Miss Liberty „Freiheit für Mögglingen – B?29 raus“ auf. 2007 erinnert eine von Bürgermeister Schweizer und der BI B?29 raus initiierte Mahnwache in der Nacht vom 20. auf den 21. Juli an ein halbes Jahrhundert Straßenplanung.

Großer Jubel herrschte am 28. Juli 2014 bei der Benachrichtigung, dass die Mittel zum Bau der Ortsumgehung freigegeben wurden. Ein Jahr später, am 27. Juli 2015, fand der erste Spatenstich statt. aro

© Schwäbische Post 25.04.2019 16:17
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