Lesermeinung

Naturschutz in Lauchheim

Bürger in Lauchheim fordern Naturidylle statt Parkplätze

Es brodelt in Lauchheim. Bürger mobilisieren sich, sammeln Unterschriften und kämpfen um eine Naturidylle, die Parkplätzen, so der Plan der Stadt, zum Opfer fallen soll. Es ist schon grotesk. Anderswo werden die Bürger aufgerufen, ihre Granitgärten wieder zu renaturieren, und erhalten gar Zuschüsse dafür. Der Ostalbkreis wird zur Wildblumenwiese, es gibt die Aktion Blumenkästen für Bienen. Und in Lauchheim „renaturierte“ man für viel Geld die Jagst, inklusive Fisch- und Krebssterben, um nun kurze Zeit später ein genau dort gelegenes kleines Paradies dem Erdboden gleich zu machen. Für Parkplätze! Eine herrliche alte Streuobstwiese mit freilaufendem Geflügel, Esel, Pony und Ziegen. Nicht nur ein beliebtes Ziel für Lauchheims Kindergartenkinder, um Tiere hautnah erleben zu können. Ein Fleckchen gute alte Zeit, das die Hektik des Alltags vergessen lässt. Leben wir nicht deshalb so gerne hier?

Bei so viel Sensibilität fehlen einem die Worte. Sollen Ehrenamtliche neben dem Parkplatz mit den Kindern ein Insektenhotel mit handgemalter Schautafel installieren und ein paar Wildblumen pflanzen, damit Kinder lernen, dass Naturschutz wichtig ist? Lebenswertes Lauchheim - Renaturierung Jagst 2.0 .

Nur Sie, Herr Dambacher, als einziger im Gemeinderat, haben das Ansinnen kritisch hinterfragt, recherchiert und Fakten auf den Tisch gelegt. Nämlich, dass der vorhandene Parkplatz, 150 Meter entfernt kaum benutzt wird. Also eigentlich kein Bedarf. Um so größer das Unverständnis in Lauchheim, dass Sie von Ihren Amtskollegen und der Stadtspitze für Ihre Kosten-Nutzenprüfung statt beklatscht fast einstimmig überstimmt wurden. Das ist fast reif für das „Schwarzbuch der Steuerzahler“. Da drängt sich einem der Gedanke auf, dass dieser geplante rathausnahe Langzeitparkplatz nicht nur für Rathausbesucher ganz geschickt wäre. Und das auf Kosten der Natur, bezahlt vom Bürger. Lassen wir deshalb nicht locker. Uns ist ein Esel an der Jagst viel lieber und kosten tut es dann auch nix! Wer unseren Planeten retten will, fängt am besten vor der Haustür an. Machen wir!

© Schwäbische Post 08.05.2019 18:47
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben

Kommentare

Frieder Kohler

Es gibt sie noch, die Hausmusik! Dass Ihnen, Frau Meier, "ein/die Esel an der Jagst viel lieber sind", kann Text für einen Wahlaufruf werden. Hierbei können Sie auf Heine zurückgreifen:" "Ich bin ein Esel und will getreu, wie meine Väter, die Alten, an der alten, lieben Eselei, am Eseltume halten" (https://www.schwaebische-post.de/1625471/ ) . Seien Sie liebevoll zu den "Langohren", wenn diese zu erkennen geben, dass sie nicht angeblich dumm, störrisch und ungeschickt siind, sondern wieder bereitwillig ihre Arbeit aufnehmen. Vielleicht helfen die Stadtmusikanten mit einem Marsch!