Hintergrund

Schluss nach zehn Stunden

  • Nach der Arbeitszeit spätabends noch die Überseegespräche: häufige Praxis, aber verboten. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
Die 40-Stunden-Woche ist in Deutschland zwar häufig üblich, wenn Tarifverträge oder der individuelle Arbeitsvertrag keine kürzere Wochenarbeitszeit vorsehen. Sie ist aber nicht gesetzlich vorgeschrieben. Im Arbeitszeitgesetz ist nur festgelegt, dass die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer acht Stunden nicht überschreiten darf. Da nur Sonn- und Feiertage nicht als Werktage zählen, ergibt sich daraus eine maximal zulässige Wochenarbeitszeit von 48 Stunden. Das ist auch nach der EU-Arbeitszeitrichtlinie die Höchstzeit, und zwar einschließlich Überstunden, wie dort ausdrücklich festgeschrieben ist.

Die tägliche Arbeitszeit kann auf bis zu zehn Stunden verlängert werden. Voraussetzung ist allerdings, dass innerhalb eines halben Jahres im Schnitt acht Stunden nicht überschritten werden. Es muss also einen Ausgleich an anderen Tagen geben. Ausnahmen mit längeren Zeiten sind nur per Tarifvertrag möglich, etwa bei Arbeitsbereitschaft oder Bereitschaftsdienst.

Nach sechs Stunden Arbeitszeit haben Arbeitnehmer Anspruch auf mindestens 30 Minuten unbezahlte Ruhepause, nach mehr als neun Stunden auf 45 Minuten. Nach dem Ende der Arbeitszeit ist „eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens elf Stunden“ Pflicht. In manchen Branchen kann dies auf zehn Stunden verkürzt werden, etwa in Krankenhäusern.

Andere Zeiten für Beamte

Die Maximalzeiten sind in der Diskussion, weil die Arbeitgeber die Regelung für zu starr halten. Danach darf etwa ein Arbeitnehmer, der tagsüber sieben Stunden gearbeitet hat, nicht mehr abends um 22 Uhr mit einer Firma in den USA telefonieren, wenn er am nächsten Morgen um acht Uhr wieder am Schreibtisch sitzt.

Angesichts der Globalisierung sei das nicht mehr zeitgemäß, sagen Arbeitgeber. Die Gewerkschaften verteidigen dagegen die derzeitigen Regeln als wichtigen Schutz. Sie ist auch in der EU-Arbeitszeitrichtlinie festgeschrieben. So einfach wäre also das deutsche Recht nicht zu ändern.

Für Beamte gibt es eigene Regeln: Sie müssen im Bund und in einigen Ländern 41 Stunden pro Woche arbeiten. Beim Bund sind maximal 13 Stunden pro Tag samt Pausen zulässig. dik
© Südwest Presse 15.05.2019 07:45
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