Querpass

Schach dem Hirndoping

  • über unterschätztes Gefahrenpotenzial Wolfgang Scheerer Foto: Wolfgang Scheerer
An der Tagesordnung ist sie nicht, aber selbst einem Formel-1-Star durchaus vertraut: die Dopingprobe. Lewis Hamilton beispielsweise wurde nach dem Silberpfeil-Sieg in Barcelona zum Test gebeten. Da muss der Weltmeister immer lächeln.

Denn er ist überzeugt, dass Rennen fahren nicht derart kräftezehrend ist, um mit Doping etwas zu bewirken: „Es ist nicht anstrengend genug, die Autos sind nicht schwierig genug zu beherrschen. Deshalb kann bei uns ja auch schon ein 18-Jähriger mithalten.“

Doping? Zwecklos! Oder?

Klar haben Gewichtheber, Sprinter oder Radprofis (wie die aktuelle Blutdoping-Beichte Danilo Hondos zeigt) eindeutig mehr davon. Im Kraft- und Ausdauerbereich. Andererseits hat der Brite Hamilton wohl noch nichts von der Studie der Uni Mainz gehört, die zum Ergebnis kommt, dass verbotene Substanzen selbst Schachspielern helfen können, Gegner matt zu setzen.

In den Testduellen zeigte sich: Diejenigen, die ohne ihr Wissen Amphetamine, also Aufputschmittel, bekommen hatten, zogen Springer oder Pferd kreativer und erfolgreicher übers Brett als ihre nicht gedopten Kollegen. Derartiges Hirndoping ist nicht ohne. Es könnte zum Beispiel auch Biathleten am Schießstand helfen – oder Rennfahrern eine längere Konzentrationsfähigkeit und womöglich gesteigerte Aggressivität einimpfen? Dann mag es im Einzelfall sogar richtig gefährlich werden – bei einem Tempo von 300 Stundenkilometern.
© Südwest Presse 15.05.2019 07:45
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