Landesgartenschau

Start mit Wetterkapriolen und einem Skandälchen

Organisatoren melden schon fast doppelt so viele verkaufte Dauerkarten wie kalkuliert.
  • Maskottchen „Remsi“ steht vor dem Schorndorfer Schloss. Foto: Authentic Studios
Nur zwei, drei Minuten auf der Bühne vor dem Schorndorfer Rathaus: Da mischten am Freitag zwei aus Schwäbisch Gmünd den routinierten Reigen der Landesgartenschau-Eröffnung auf. Stadträtin Cynthia Schneider (Linke) zeigte sich barbusig – ein Bodypaint-Künstler hatte sie in ein schillerndes Einhorn verwandelt, das Gmünder Wappentier. Neben ihr feixte vergnügt OB Richard Arnold (CDU). Der Marktplatz lachte herzlich, und weiter ging's.

Nach dem Eröffnungs-Wochenende geht vor medialer Empörung die Start-Bilanz der ziemlich ungewöhnlichen Remstal-Gartenschau unter: 15 000 Besucher zählte man in Schorndorf. In Schwäbisch Gmünd seien es gewiss nochmal so viele gewesen, schätzt Sprecherin Claudia Ingelmann. 64 000 Dauerkarten sind im Umlauf, davon 50 000 bezahlte (Kinder erhalten die „RemstalCard“ kostenlos). Im Wirtschaftsplan hatte man konservativ mit nur 30 000 gerechnet.

Viel mehr Besucherzahlen-Schwelgerei darf man bis zum Abschluss am 22. September kaum erwarten. „Vergleiche ziehen mit irgendetwas braucht man eh nicht“, sagt Ingelmann. Das liegt am bundesweit bislang einmaligen interkommunalen Konzept: 16 Orte entlang und etwas abseits der Rems haben sich zusammengetan, um den Großevent zu stemmen – ein „Kraftakt“, wie oft betont wird. Nur in Schorndorf und Gmünd gibt es klassische Besucher-Bereiche, für die man ein Ticket braucht: Alle anderen Orte sind frei zugänglich. Besucher zählt da keiner.

Neben T-Shirt-Wetter und Landregen am Wochenende – das eine freute die Besucher, das andere die Gärtner – sorgte ein Gewitter samt Unwetterwarnung am Sonntagabend für Turbulenzen. Ein Konzert auf dem Schorndorfer Marktplatz wurde abgesagt. Doch bei verbleibenden 159 Tagen zeigt sich Ingelmann gelassen: Es gibt noch genügend Zeit für Kaiserwetter. Die jüngste Kältewelle streifte die Gartenschau nur: Wegen Frostgefahr wurden viele Beete erst wenige Tage vor Eröffnung bepflanzt. Eine ziemliche Hau-Ruck-Aktion.

Von der Quelle bis zur Mündung

„Jetzt steht alles“, sagt Ingelmann. Trotzdem müsse im Hintergrund nachgearbeitet und -justiert werden. Die lange Streckung der Schau entlang der 58 Flusskilometer von der Quelle (Essingen im Ostalbkreis) bis zur Mündung (Remseck im Kreis Ludwigsburg) wurden eifrig verknüpft – mit Wander- und Radwegen, Kanustrecken, einem Weintour-Bus, 16 architektonischen Landmarken und überkommunalen Programmschwerpunkten wie einer Museumsnacht am kommenden Samstag. Bislang würden die Besucher, so Ingelmann, diese Verknüpfungen auch annehmen.

Die Besucher erwarten neben den Schaugärten und Bumenhallen wie in Schorndorf und Gmünd ein Reigen von über 10 000 Veranstaltungen – etwa ein „Grünes Klassenzimmer“ für Schüler oder „Highlight-Wochen“, in denen immer eine der 16 Orte ein Programm-Feuerwerk abbrennt. Für viele Gartenschau-Macher gab es Ingelmann zufolge seit Sonntag „nur eine kurze Verschnaufpause, wenn sie überhaupt eine hatten.“ Fabian Ziehe
© Südwest Presse 15.05.2019 07:45
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