Wolfsburger bauen Batterien für E-Autos selbst

Konzernchef Diess stellt Maßnahmenbündel vor – Börsengang der Lkw-Sparte noch im Sommer.
  • Vorstandschef Herbert Diess gab zu Beginn der Hauptversammlung Interviews. Foto: Michael Kappeler/dpa
Der Volkswagen-Konzern will beim geplanten Einstieg in die Batteriezellfertigung in Salzgitter zunächst mit einigen Hundert Mitarbeitern starten. „Wir streben erst mal eine Kapazität an von größer als zehn Gigawattstunden in einer ersten Ausbaustufe“, sagte VW-Einkaufsvorstand Stefan Sommer vor der Hauptversammlung des Konzerns in Berlin. Er rechnet mit 700 neuen Arbeitsplätzen. Derzeit beschäftigt der Konzern in der niedersächsischen Stadt 7000 Mitarbeiter, diese stellen überwiegend Verbrennermotoren her.

„Salzgitter ist ein Standort, wo wir schon heute etwa 200 Forscher und Entwickler mit dem Thema Batteriezelle beschäftigen, und ist deshalb auch ein natürlicher Standort für weitere Investitionen in eine Zellfabrik“, erläuterte Konzernchef Herbert Diess. Im Jahr 2025 habe Volkswagen einen Gesamtbedarf von 150 Gigawattstunden an Batterien allein für die in Europa geplante Produktion von Elektroautos. Davon sei längst noch nicht alles im Umfeld vergeben.

Bis zu 1400 neue Stellen

Daher sei es möglich, dass die Zahl der neuen Arbeitsplätze sich auf 1400 verdopple. Sommer rechnet damit, dass die Produktion Ende 2022 beziehungsweise 2023 starten kann. Weitere Angaben zum angepeilten Partner machte VW zunächst nicht.

Die Batteriezellenproduktion gehört zu einem Maßnahmenbündel, mit dem der seit einem Jahr amtierende VW-Chef Herbert Diess Anleger und interne Kritiker besänftigen will. So strebt VW nun den Börsengang der Nutzfahrzeugtochter Traton SE noch vor der Sommerpause an. Traton ist die Dachgesellschaft für die Marken MAN und Scania. Im März hatte der Vorstand den Schritt noch mit Verweis auf das Marktumfeld „bis auf Weiteres“ vertagt. Schätzungen zufolge könnte VW für 25 Prozent der Anteile rund 6 Mrd. EUR einnehmen – Geld, das der Konzern für seine Investition in Elektromobilität und Digitalisierung dringend brauchen kann.

Diess musste sich auf der Hauptversammlung dennoch viel Kritik anhören. Stichworte sind Milliardenkosten für „Dieselgate“, zigtausende Kundenklagen vor Gericht, Anklagen und Untersuchungen gegen ehemalige Vorstände. Drei Jahre nach dem , Auffliegen der Dieselmanipulationen hält hat der Skandal den Konzern immer noch im Griff .

Allzu große Sorgen muss sich Diess wegen der Kritik nicht machen. Die Macht im Konzern ist klar verteilt. Die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch halten mehr als die Hälfte der Stimmrechte, das Land Niedersachsen 20 Prozent. Die im Dax notierten Vorzugsaktien haben kein Stimmrecht. Christian Brahmann
© Südwest Presse 15.05.2019 07:45
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