Kommentar Alexander Bögelein zu den Klagen gegen Bayer in den USA

Bedrohliche Lage

  • Alexander Bögelein. Foto: Volker Könneke
Für Europäer trägt das US-Justizsystem mitunter absurde Züge. Eine Jury von Unvoreingenommenen, die kaum Ahnung von Jura hat, spricht Recht. Herauskommen abenteuerlich anmutende Urteile, wie jetzt gegen die Bayer-Tochter Monsanto mit einem absurd hohen Schadenersatz. Keine Frage, diese Summe wird von der nächsten Instanz deutlich verringert werden. Und doch wird die Lage für den Dax-Konzern bedrohlich. Es ist der dritte Schuldspruch innerhalb weniger Monate, mehr als 13 000 Klagen stehen noch aus.

Konzernchef Werner Baumann war verblendet von der Aussicht, mit dem Kauf von Monsanto Bayer zum weltgrößten Anbieter von Saatgut und Pflanzenschutzmitteln zu machen – und beging einen Riesenfehler. Neben dem Kaufpreis von rund 60 Milliarden Euro belasten und bedrohen unterschätzte Prozessrisiken den Konzern. Der Börsenwert ist abgestürzt, das Image schwer angeschlagen. Denn nun muss Bayer die skrupellosen Monsanto-Praktiken rechtfertigen. Bitter für die Deutschen ist, dass Glyphosat nach Einschätzung der US-Gesundheitsbehörde bei vorschriftsmäßiger Anwendung weder krebserregend noch gesundheitsgefährdend ist. Doch das wollen viele nicht hören. Bayer ist in die Fänge der US-Klageindustrie geraten und muss sich fragen lassen, wie lange der Konzernchef noch tragbar ist.
© Südwest Presse 15.05.2019 07:45
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