Handelskonflikt schürt Ängste

In den USA wächst die Furcht vor einem Konjunktureinbruch infolge des Zollstreits mit China. Den Verbrauchern könnten deutlich höhere Preise zu schaffen machen.
  • US-Präsident Donald Trump zeigt zwar Gesprächsbereitschaft mit China, spielt die Folgen des Streits aber herunter. Foto: Saul Loeb/afp
Die Eskalation des Handelskriegs zwischen den USA und China schürt Ängste vor weiteren Turbulenzen an den Finanzmärkten und vor einem Konjunktureinbruch, der auch auf die Weltwirtschaft überschwappen könnte. Am Dienstag legte US-Präsident Donald Trump nach und forderte erneut die amerikanische Notenbank auf, den Leitzins zu senken. Würden die Währungshüter in Washington den Geldhahn aufdrehen, so Trump, „dann ist das Spiel aus, und wir gewinnen.“

Demnächst könnten sämtliche US-Einfuhren aus dem Reich der Mitte, die am Warenhandel gemessen im vergangenen Jahr ein Volumen von fast 540 Mrd. US-Dollar erreichten, mit Zöllen überzogen werden. Nach der Bekanntgabe chinesischer Vergeltungszölle verflogen die Hoffnungen auf rasche Entspannung. Nach einem Treffen mit Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban sagte Trump, dass „wir in drei bis vier Wochen wissen werden, ob die Verhandlungen erfolgreich sind.“

Zuvor hatte der US-Finanzminister Steve Mnuchin betont, dass „Gespräche mit Peking andauern“. Trump äußerte seinerseits die Hoffnung, dass sein Treffen mit China Präsident Xi Jinping, welches Ende Juni anlässlich des G20-Gipfels in Osaka stattfinden soll, zu einem Abkommen und einer endgültigen Lösung führen könnte.

Zwischenzeitlich wachsen in der US-Industrie die Sorgen um die wirtschaftlichen Folgen, vor allem für die Verbraucher. „Die Zölle sind eine selbstverschuldete Wunde, die sich als Katastrophe für unsere Volkswirtschaft erweisen könnte“ sagte Rick Helfenbein, Chef des Verbands der Bekleidungshersteller „American Apparel and Footwear Association“.

Immer mehr US-Haushalte würden die Folgen des Handelskriegs in Form höherer Preise zu spüren bekommen. „Zudem stehen Millionen amerikanischer Jobs auf dem Spiel, die unmittelbar von globalen Lieferketten abhängig sind“ sagte Helfenbein. Michael Wilson, Stratege beim Wertpapierhaus Morgan Stanley warnt, dass US-Unternehmen sich schwer tun werden, mit höheren Einfuhrpreisen fertig zu werden, und glaubt, „dass der Konflikt uns in eine Rezession stürzen könnte.“

Der Präsident hingegen spielte die Folgen des Handelskonflikts herunter. Laut Trump kassiere das Finanzministerium „hunderte von Mrd. Dollar an Zöllen“, von denen 15 Mrd. Dollar an Landwirte gehen sollen, die Einbußen gegenüber ihren Konkurrenten in China erlitten haben. Offizielle Regierungsstatistiken widerlegen diese Aussage allerdings und dokumentieren, dass während der vergangenen sieben Monate nur knapp 40 Mrd. Dollar in die Kassen des Schatzamts flossen.

Dass die Währungshüter Trumps Aufforderungen, die Zinsen zu senken, folgen werden, gilt als höchst unwahrscheinlich. Zudem meldeten sich einige Notenbanker zu Wort und warnten vor den Folgen des Konflikts.

John Williams, der Präsident der Federal Reserve Bank von New York, ist der Ansicht, dass „im Verlaufe des Jahres mit einer höheren Inflation zu rechnen ist“, die Wirtschaft aber stark genug sei, um die Folgen des Konflikts wegzustecken.

Gründe für einen Kurswechsel in der US-Zinspolitik sehe er jedenfalls keine, meinte Williams. Die Zölle seien „Sand ins Getriebe“ von Unternehmen, die auf bestimme Importgüter angewiesen sind, fügte Robert Kaplan, Präsident der Federal Reserve Bank von Dallas hinzu.
© Südwest Presse 15.05.2019 07:45
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