Sterne gucken auf dem Kreidefelsen

Møn lockt mit dem Reiz der Dunkelheit - bis zu 5.000 Sterne soll man hier sehen. Aber auch für Wanderer ist die Insel ein Paradies.
  • Foto: Gabriele Beautemps

Beim Blick aufs Wasser wähnt man sich in der Karibik. Türkisblau schimmert das Meer, die blendend weißen Kreidefelsen von Møns Klint geben dem Wasser vor der Insel Møn den karibischen Touch.

Nur die Temperatur an der acht Kilometer langen Steilküste ist echt dänisch - weit von Karibik-Feeling entfernt. Der Campingplatz hier heißt wie die Klippen: Møns Klint. Ole Eskling hat eine Menge Ideen hineingesteckt: An den Gemeinschaftsbeeten darf sich jeder bedienen, im Gegenzug muss man ein bisschen Unkraut zupfen. Es gibt Stellplätze für Reiter mit eigenem Pferd. Und eine Hunde-Lounge, wo sich Zwei- und Vierbeiner begegnen können.

Dark-Sky-Camping

Doch die Idee, die ihn am meisten beschäftigt, ist Dark Sky, dunkler Himmel: Eskling und seine Mitstreiter - die ganze Insel ist miteinbezogen - wollen den Menschen den Reiz der Dunkelheit näherbringen. „Am Anfang haben alle gesagt, du spinnst. Du kannst Dunkelheit nicht als etwas Positives verkaufen“, erzählt Ole.

Doch es funktioniert. Versteht sich, dass er Dark Sky auf seinem Campingplatz umsetzt, etwa mit einem ausgeklügelten Beleuchtungskonzept - wenige, abgeschirmte und energiesparende Lampen. Es habe nicht eine Klage von Kunden gegeben, sagt er, aber viel Zuspruch. Und die Plätze weit oben, die früher oft leer blieben, sind jetzt bei den Sternguckern besonders begehrt. Sterne gibt es auf Møn reichlich.„In Kopenhagen sieht man vielleicht 100 Sterne, bei uns sind es locker 5000“, sagt Eskling.

Immer schon gab es auf der kleinen Insel, die etwa eineinhalb Stunden südlich von Kopenhagen liegt, nur wenige künstliche Lichtquellen. Lange Zeit wurde das als Manko empfunden, heutzutage ist Ole Eskling froh darüber. „In der Dunkelheit kommt man zur Ruhe“, sagt Eskling, der selbst wie ein Energiebündel wirkt.

Jemand, der ständig neue Ideen produziert: Sternenwanderungen, Ausritte im Dunkeln oder ein „Dark Side of the Moon“-Konzert mit einer Pink-Floyd-Coverband. Inzwischen wurden Møn und die unter Naturschutz stehende Nachbarinsel Nyord als „Dark Sky Park“ zertifiziert.

Weltweit 44 Dark-Side-Parks

Damit attestiert die Internationale Dark Sky Association (IDA), dass die Inseln weitgehend frei von Lichtsmog, also Lichtverschmutzung durch elektrisches Licht, sind. Bisher gibt es weltweit nur 44 Dark Sky Parks, davon neun in Europa. Über die Entstehung der Kreidefelsen - und des gesamten Landes - lernt man im Geocenter. „Wie Dänemark vor 70 Millionen Jahren geboren wurde“, heißt die Ausstellung, die diese Geburt auf sehr anschauliche Weise erzählt.

Und das verstehen auch Kinder. Der Museumsbesuch beginnt in jener Zeit, als das heutige Dänemark am Grund eines tropischen Meeres war. Die Kreideklippen entstanden dann in der letzten Eiszeit, als Kalkschlamm aus der Tiefe des Meeres unter dem enormen Druck des Eises hochgepresst wurde - wie auch Rügen 60 Kilometer weiter südlich.

Am Ende der Ausstellung landet man in der Gegenwart bei der Gletscherschmelze. Im Sommer wird der Museumsbesuch an den Strand verlagert und man lernt die geologische Geschichte anhand der Fossilien dort.

Die Natur für sich alleine

Wenn man die 500 Stufen zum Geocenter Møns Klint wieder hinauf geschafft hat, gehört einem die Natur allein. Auf den weitläufigen Wanderwegen verteilt sich die Menge rasch. Und ein Wanderparadies tut sich auf: Wege durch alte Buchenwälder, die auf der Kreide thronen, im Frühsommer vorbei an gelben Rapsfeldern, dazu großartige Aussichten.

Mit etwas Glück sieht man das schnellste Tier der Welt, den im Sturzflug bis zu 300 km/h schnellen Wanderfalken. Er soll hier in einer der Grotten brüten. Höhepunkt von Møns Kreideküste ist der „Dronningestolen“, der Königinnenstuhl. 128 Meter thront er über dem türkisblauen Meer. Bei gutem Wetter sieht man von hier oben sogar dessen Pendant, die Kreidefelsen von Rügen.

© Schwäbische Post 17.05.2019 18:30
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