Ein Sehnsuchtsziel zum Genießen

Südsee Viele benutzen Tahiti nur als Sprungbrett. Doch es gibt Grund genug, die schönen Seiten der Insel zu entdecken und anschließend das Flair der Nachbarinsel Moorea zu genießen.
  • Foto: Katja Gartz

Türkisblaues Wasser, weite Lagunen, zauberhafte Strände, grüne Regenwälder und Vulkangipfel, dazu eine wunderbare Küche und herzliche Menschen – wer die Inseln Französisch-Polynesiens besucht, bekommt einen Urlaub wie aus dem Südsee-Bilderbuch. Die meisten Reisenden, die in Papeete, der Hauptstadt Tahitis, landen, nutzen die Insel jedoch nur als Sprungbrett zur Weiterreise. Sie verpassen viel. „Wer nicht im blauen See gebadet hat, kennt Tahiti nicht“, sagt Patrick Raimano, der mit einer kleinen Reisegruppe aus Europa über die Insel tourt. Kaum verlassen sie die Inselhauptstraße, geht die Fahrt auf sandigen Pisten weiter. Mit einem Jeep fahren sie am Papeno’o-Fluss entlang in das gebirgige Landesinnere. Tiefe Schluchten, hohe Wasserfälle und fast 2 000 Meter hohe Gipfel mit fantastischen Aussichten prägen die fast unbewohnte Inselmitte. „Was für eine Landschaft“, schwärmt Erik Winter aus Hamburg. Nach einer Mittagspause mit der Spezialität „Poisson Cru“, roher Thunfisch mit Kokosmilch, Gurken, Tomaten und Limetten, geht die Fahrt weiter.#

Der Geist Polynesiens

Dann, hinter einem Berg mit Wasserfällen, liegt er plötzlich vor ihnen, der angepriesene blaue See. „Wir haben ihn ganz für uns allein“, freut sich Reiseführer Raimano und springt ins Wasser. Als die Gruppe auf der Rückfahrt an den schwarzen Stränden entlangfährt, hält der Guide erneut an. „Kommt mit, da vorne ist eine heilige Quelle“, sagt er. Wer von der Quelle trinke, empfange das „Mana“, den positiven Geist Polynesiens. Dann verabschiedet sich Raimano von seinen Gästen und gibt ihnen noch einen Tipp für den Abend in Papeete: „Ihr müsst zu den Roulottes am Hafen gehen.“ Die verschiedenen Stände bieten gute Küche mit schöner Aussicht.

Die Markthalle ist ein Muss

Ein Muss ist auch die Markthalle in Papeete. Eine riesige Auswahl an frischen Fischen, Mangos, Ananas und lokalen Gemüsesorten, Pareos und Schmuck füllt die Stände. Auch das wunderbare Pflegeöl mit dem Duft der weißen Tiare-Blüte, der Blume Tahitis, ist hier zu finden. Im Perlenmuseum ein paar Häuser weiter erfährt man alles über die berühmten Tahiti-Perlen – groß und dunkel sind sie am kostbarsten. Auch violett, blau oder rosé schimmernd zieren sie Ohrringe und Armbänder. „Ich bin froh, dass wir länger hiergeblieben sind“, sagt Erik Winter über Tahiti. Dann steigt er auf die Fähre in Richtung Moorea.

Ich bin froh, dass wir länger hiergeblieben sind.

Erik Winter Tourist

Die 118 Inseln und Atolle Französisch-Polynesiens verteilen sich im südlichen Pazifik auf einer Fläche von der Größe Westeuropas. Tahiti bildet mit den benachbarten Gesellschaftsinseln das Zentrum. Die ersten Siedler kamen aus Südostasien, im 18. Jahrhundert gingen die Seefahrer Louis-Antoine de Bougainville und James Cook an Land. Anschließend ließen sich britische und französische Missionare in der Südsee nieder. Frankreich begann 1842 die Inseln zu annektieren und erklärte sie zur französischen Kolonie. Heute ist Französisch-Polynesien ein französisches Überseeland, das teilweise von Frankreich regiert wird.

Das Atoll von Marlon Brando

Für viele ist die Südsee ein Sehnsuchtsort, ein Synonym für das Paradies. Auch für viele Künstler. Der Schriftsteller Herman Melville ging von Bord eines Walfängers, versteckte sich und blieb. Sein Südseeabenteuer verarbeitete er in seinem Debüt „Taipi“. Fünf Jahre später wurde er mit „Moby Dick“ berühmt. Der Maler Henri Matisse ließ sich von Tahiti inspirieren und Schauspiellegende Marlon Brando kaufte das kleine Nachbaratoll Tetiaroa. Er verliebte sich während des Drehs zu „Die Meuterei auf der Bounty“ in eine Tahitianerin und die Inselwelt. Auf der Fähre werden vor den Reisenden die majestätischen Vulkangipfel der nur 17 Kilometer von Tahiti entfernten Insel Moorea immer größer. Umrahmt von einer riesigen türkisblauen Lagune und wie ein Herz geformt, gilt sie als eine der schönsten Inseln und wird auch das „Geschenk der Götter an die Polynesier“ genannt. Kaum angekommen, heißt es: ab in die Lagune.

Winter schnorchelt den Fischen hinterher und genießt von der Hängematte unter Palmen aus die Aussicht auf das türkisblaue Meer. „Es ist noch schöner, als ich es mir vorgestellt habe“, schwärmt Winter.

© Schwäbische Post 17.05.2019 18:30
645 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.