Der Videobeweis ist ein Störfaktor

Zum Videobeweis im Fußball:

Fehlentscheidungen entgegen zu wirken, war die Idee. In seiner aktuellen Anwendung ist der „Videobeweis“ strittig bis fragwürdig. Die Unterbrechung hemmt den Spielfluss, stiftet Verwirrung, steigert das Adrenalin und setzt je nach Entscheidung gar Aggressionen frei. Nicht zuletzt, weil der Stadionbesucher die maßgebliche Aktion nicht nachverfolgen kann oder schlicht nicht weiß, um welche Aktion es geht. Zudem leidet die Autorität / die Souveränität der Unparteiischen, und erhöht deren Stresspegel. Denn wer pfeift schon gerne mit der Kölner „Kommandobrücke“ im Ohr. Ich bin ein Verfechter der Tatsachenentscheidung. Pfiff, Sanktion und weiter geht’s. Der „Videobeweis“ hat selbst bewiesen, dass er nicht taugt, um Gerechtigkeit herzustellen. Nie wurde mehr diskutiert als aktuell, um hinterher dreierlei Meinungen zu haben. Eine Entscheidung definiert sich nicht nur über das Regelwerk. Dazu gehört auch die individuelle Wahrnehmung des Unparteiischen inmitten des „Tatorts , seiner Bewertung hieraus, seine eingeschlagene Spielleitung einschließlich „Sanktionslevel“, Absicht, ja oder nein, also dem Gespür für die Spielsituation in Gänze und dann einer angemessenen Entscheidung. Für mein Verständnis mehr wert, als die schiere optische Auflösung eines Fußtritts Gleiches gilt fürs „Handspiel“. Die Strafpalette des „Handspiels“ reicht von „Nicht ahndungswürdig“ bis „Rot“. Und zur „Würdigung“ des Handspiels braucht‘s keine Technik. „Abseits“ ist eine technische Regel, und die gilt. Nur, wenn eine Fußspitze im Abseits steht und sich der restliche Teil des Körpers noch auf regelkonformen „Gelände“ befindet, wird’s abstrus. Die Unparteiischen und ihre Assistenten leisten hervorragende Arbeit. Ihre Fehlerquote winzig und die Fußballwelt in Ordnung. Der „Videobeweis“ ist hingegen ein Störfaktor“, der seine Effizienz schuldig blieb. Man sollte ihn im Sinne des Fußballs abschaffen.

© Schwäbische Post 20.05.2019 18:57
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Kommentare

christa klink

Der letzte Bundesligaspieltag, ein glänzendes Beispiel.