„Schnell mal eine Städtepartnerschaft, wieder“

Zum Kommentar „Es braucht keine neue Städtepartnerschaft“ in der GT vom 25. Mai:

In Zeiten europäischer und humanitärer Krisen, von Brexit und Wahlen ist Städtepartnerschaft (wieder) in aller Munde: im Bund, im Land, zuletzt wieder in Gmünd. Kaum ein Politiker kann es sich leisten, nicht die Institution der Städtepartnerschaft als nötige „Kraft der kommunalen Begegnung“ zu zitieren. Gleichzeitig scheint nur wenigen bewusst, was „gelebte“ Städtepartnerschaft fordert, was „gelebte“ Städtepartnerschaft ist. Gmünd blickt auf eine verklärungswürdige Tradition: 1954 schlossen Gmünder Jugendliche Freundschaft mit Ihresgleichen im englischen Barnsley. Es dauerte 17 Jahre, bis auch die Kommunalpolitik Gefallen an dieser Partnerschaft fand. 1976 folgte, unter ganz anderen Vorzeichen, Antibes. 1982, auf Anregung des Gemeinderates und aus diesem heraus, wurde die zweite Säule der Städtepartnerschaftsbewegung, der Verein Städtepartnerschaft Schwäbisch Gmünd e. V. ins Leben gerufen, welcher die Idee zurück an ihre Urheber verwies: die Bevölkerung.

Daraus leitet der Verein seinen besonderen Auftrag ab. Und seine Verantwortlichen wissen: Städtepartnerschaft ist fordernd. Fordernd auch, weil sich viel zu wenige Bürger aktiv für die Idee engagieren. (...) Nachholbedarf besteht in Gmünd weiterhin darin, die (...) Bemühungen zusammenzuführen, ein Wir-Gefühl der Städtepartnerschaft zu vermitteln und so die Nachhaltigkeit der Bewegung sicherzustellen. Der Verein hat diese Desiderate 2017 in einem Runden Tisch und in einer Gesprächseinladung an alle Fraktionen des Gemeinderates thematisiert. Das Anliegen der SPD-Stadträte auf Prüfung einer weiteren städtepartnerschaftlichen Beziehung ist verständlich, verkennt aber die dargestellte Situation. Die Umsetzung ist unrealistisch. Laut Satzung wäre der Verein zur Förderung der Beziehungen zur Bevölkerung der sechsten offiziellen Partnerstadt auf privater Basis verpflichtet. Mit Mitteln, die er nicht hat. Insofern beschreiben der CDU-Fraktionschef Alfred Baumhauer und Julia Trinkle die Situation treffend, zunächst einmal die bestehenden Partnerschaften „mit Leben“ zu füllen. Was nun, der erste Schritt? In manchen Ostalbgemeinden ist es selbstverständlich, dass sich auch Gemeinderäte aktiv in städtepartnerschaftlichen Vereinen engagieren, dass städtepartnerschaftliche Vereine – anders als in Gmünd – finanzielle Zuwendungen erhalten und dass Stadtverwaltung, Schulen und städtepartnerschaftliche Vereine ihre Bemühungen eng koordinieren. Dass sich am Ende alle Akteure als Teil EINER großen „gelebten“ kommunalen Aufgabe verstehen.

© Schwäbische Post 27.05.2019 18:12
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