Querpass

Retourkutsche in Reykjavik

Respektlos. Schlicht inakzeptabel. Eine Abweichung von diplomatischen Gepflogenheiten und sportlichem Verhalten. Ibrahim Kalin, Sprecher des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, hatte einen dicken Hals. Grund des Ärgers waren die ungewohnten Verzögerungen während der Pass- und Gepäckkontrolle bei der Ankunft der türkischen Nationalmannschaft auf dem Flughafen in Island. Nach der Landung in Reykjavik zog sich die Abfertigung des türkischen Trosses vor dem Duell in der EM-Qualifikation mit den Gastgebern über Stunden hin. Spieler aus dem Team von Trainer Senol Günes berichteten in türkischen Zeitungen über intensive Sicherheitschecks bei der Personenüberprüfung und penible Durchsuchungen ihres Gepäcks.

Offiziell lag die unerwartete Verzögerung an den vielen im Vorfeld nicht entfernten elektronischen Geräten und Flüssigkeiten in den Taschen der Passagiere aus der Türkei, wie der isländische Flughafenbetreiber Isavia mitteilt.

Gut möglich, dass es sich bei der nächtlichen Aktion auch um eine fiese Retourkutsche handelte. Jedenfalls teilte der isländische Fußballverband über die Website Visir später mit, die isländischen Spieler hätten nach der Rückkehr von einem Spiel in der Türkei vor rund zwei Jahren ähnliche Kontrollen durchlaufen müssen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
© Südwest Presse 12.06.2019 07:46
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