Kommentar Dieter Keller zu den Baustellen der Deutschen Bahn

Peinliche Probleme

Was sind das doch für prächtige Zeiten, die uns die Deutsche Bahn in Aussicht stellt: Fernverkehr im Halbstunden-Takt, neue Züge, höhere Investitionen, mehr Personal. Und hoffentlich weniger Verspätungen und überfüllte Wagen.

Nur wann? Bis es soweit kommt, müssen die Fahrgäste noch eine lange Durststrecke durchstehen. Denn es gibt immer mehr Baustellen, auch im übertragenen Sinn. Dass die Schnellfahrstrecken in die Jahre gekommen sind und erneuert werden müssen, ist einzusehen. Nicht dagegen, dass es Probleme mit den Schweißnähten beim neuen ICE4 gibt. Eigentlich hatte die Bahn versprochen, ihren neuen Superzug auf Herz und Nieren zu prüfen, bevor sie ihn fahrplanmäßig auf die Strecke schickt, eben um Ausfälle zu vermeiden. Es ist höchst peinlich, dass das nicht gelungen ist, für die Bahn ebenso wie für die Lieferanten Siemens und Bombardier. Die Hightech-Nation Deutschland ist wieder einmal ziemlich blamiert.

Konzernchef Richard Lutz fällt nicht nur dies auf die Füße. Er muss sich auch noch mit einer Berateraffäre herumschlagen samt der brisanten Frage, was er gewusst hat. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern ist der Pfälzer keiner, der viel Show macht. Aber er muss liefern und für Ruhe im Konzern sorgen. Sonst ist er schnell seinen Posten los.
© Südwest Presse 12.06.2019 07:46
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