Wenn der Umbruch zum Meistertitel führt

Fußball, Verbandsliga: Nach einem teilweisen Neuaufbau des Teams durch den Abgang vieler Leistungsträger haben die Sportfreunde Dorfmerkingen überrascht: 25 Spiele ungeschlagen, und am Ende Meistertitel und Oberliga-Aufstieg.
  • Der Trainer Helmut Dietterle (mitte) und die Mannschaft des SF Dorfmerkingen. Fotos: eibner
  • Mit toller Fanunterstützung ließen die Dorfmerkinger im Saisonfinale nichts mehr anbrennen – etwa 400 Sportfreunde-Anhänger sorgten für eine lautstarke Unterstützung.

Umbruch. Das klingt nach Übergang, Eingewöhnung, Neuaufbau. Alles Dinge, Lernerfahrungen, die Zeit kosten. Und einer Fußballmannschaft, die jedes Wochenende im Wettbewerb steht, auch den einen oder anderen Punkt.

Entsprechend zurückhaltend äußerte sich etwa SFD-Trainer Helmut Dietterle vor der Saison. Von Aufstieg sprach kein Mensch bei den Sportfreunden.

Denn drei wichtige Spieler, Niklas Weissenberger, Fabian Weiß und Mike Marianek waren zum TSV Essingen gewechselt, außerdem verließ der erfahrene Ex-Profi Carl Murphy den Verein.

Das neue Personal: vor allem die gern so genannten „jungen, hungrigen Spieler“, mit denen im Laufe der Zeit ein gutes Team aufgebaut werden sollte. Bei den Neuzugängen waren Timo Zimmer (25) und Onur Mutlu (24) die erfahrensten Spieler, die beide im offensiven Bereich Verstärkungen werden sollten. Mit dem talentierten Torhüter Christoph Juncker und mit Fabio Mango waren von der Bundesliga A-Jugend des FC Heidenheim vielversprechende Talente dazugekommen. Dasselbe galt für Luca Schwarzer, Velko Milojkovic, beide vom Oberliga-Aufsteiger Normannia Gmünd und Marco Roschmann, der von der A- Jugend des Regionalligisten SSV Ulm zu den Sportfreunden wechselte.

Doch dann haben die Sportfreunde Dorfmerkingen haben ihre Konkurrenten eines Besseren belehrt und begeisterten fast die komplette Saison über mit tollem Fußball. Eine unglaubliche Saison der Sportfreunde Dorfmerkingen wurde dann am letzten Spieltag FC Wangen gekrönt:

Durch den 4:0-Auswärtssieg stieg die Elf von Trainer Helmut Dietterle als Meister in die Oberliga auf. Nach Spielende kannte der Jubel keine Grenzen, Spieler und Fans lagen sich in den Armen. Helmut Dietterle meinte hinterher, dass die Oberliga der absolute Knaller sei. Der Aufstieg, er ist wie ein kleines Fußball-Märchen.

Die Saison hatte mit einer Niederlage begonnen, in der ersten WFV-Pokalrunde ausgerechnet gegen Essingen. Doch davon ließ sich die junge Mannschaft nicht unterkriegen. Es folgte eine beeindruckende Hinrunde. In 15 Spielen gab es sieben Siege und acht Unentschieden – und auch die Rückrunde verlief erst mal ganz stark. Weitere zehn Spiele ohne Niederlage gingen ins Land. Nach dem 4:0-Auswärtssieg beim FV Löchgau hatten die Sportfreunde am 25. Spieltag sechs Punkte Vorsprung auf Verfolger Rutesheim.

Der Klassenerhalt ist unser oberstes Ziel.

Helmut Dietterle, Trainer

Nach dieser Serie schien es nur noch eine Frage der Zeit, bis der Titel sicher eingefahren sein sollte. Doch vom 26. bis zum 29. Spieltag folgte eine Durststrecke. Gerade einmal einen Punkt holten die Sportfreunde in diesen vier Spielen. Dann kam auch noch ein wenig Glück des Tüchtigen hinzu: Da die Konkurrenz ebenfalls nicht regelmäßig punktete, waren die SFD-Kicker vor dem letzten Spieltag immer noch Spitzenreiter.

Mit toller Fanunterstützung ließen die Dorfmerkinger im Saisonfinale in Wangen nichts mehr anbrennen – etwa 400 Sportfreunde-Anhänger sorgten für eine lautstarke Unterstützung. Was die Sportfreunde zudem stark machte: Es gibt nicht den einen überragenden Spieler der Saison. Die ganze Mannschaft sorgte für den Aufstieg. Jeder rannte für den anderen. Und die Geste von Torhüter Christian Zech bei der Wimpelübergabe (Simon Vesel nahm diesen entgegen) zeigte – diese Mannschaft ist mehr als nur ein Klub.

Marco Haller geht

Nun richtet sich der Blick schon nach vorne: „Der Klassenerhalt ist unser oberstes Ziel. Wenn wir das schaffen würden, wäre es sagenhaft“, sagt Helmut Dietterle. Der Trainer weiß allerdings, dass das nicht einfach wird. Den Aufstieg in die Oberliga bezeichnet er als „Quantensprung“. Dass die Sportfreunde zudem ihren erfahrensten Ex-Profi verlieren, macht die Sache ungleich schwerer: Der frühere Zweitliga-Spieler Marco Haller wechselt zum TSV Nördlingen in die Bayernliga (siehe Artikel auf Seite 27). Dietterle ist aber keiner, der sich davon aus der Ruhe bringen lässt. Stattdessen versucht er, einen adäquaten Ersatz zu finden. Und auch sonst wollen die Sportfreunde ihren Kader weiter verbessern. „Wir suchen noch einen Angreifer, der auf allen Offensivpositionen eingesetzt werden kann“, sagt Dietterle. Außerdem hätte der Trainer gerne noch einen Linksfuß, der die gesamte Außenbahn abdecken kann. Und: „Wir wollen n och einen dritten Torhüter dazu holen.“ Zwei Neuzugänge stehen bereits fest: Michael Wende kommt vom Oberligisten Göppinger SV und Fabian Fürst aus der U19 des VfR Aalen.

Erfreulich: Abgesehen von Marco Haller bleibt das Meister-Team komplett zusammen. mü / tim / alex

© Schwäbische Post 14.06.2019 22:06
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Tabelle und Spielplan der Verbandsliga

Aktuelle Tabelle

Pl. alt   Mannschaft Sp. G U V T+ T− Diff Pkt.
1 (1) Spfr Dorfmerkingen 30 15 12 3 66 31 35 57
2 (3) FSV Hollenbach 30 16 8 6 53 36 17 56
3 (2) SKV Rutesheim 30 15 10 5 71 45 26 55
4 (4) TSV Essingen 30 15 7 8 59 37 22 52
5 (6) SSV Ehingen-Süd 30 13 8 9 65 48 17 47
6 (5) 1. FC Heiningen 30 13 6 11 52 59 -7 45
7 (7) VfL Sindelfingen 30 12 8 10 78 57 21 44
8 (10) TSG Tübingen 30 10 9 11 52 55 -3 39
9 (8) Calcio Leinfelden-Echterdingen 30 10 8 12 58 64 -6 38
10 (9) FC Wangen 30 10 7 13 43 54 -11 37
11 (12) VfB Neckarrems Fußball 30 9 9 12 52 42 10 36
12 (11) VfL Nagold 30 7 15 8 39 43 -4 36
13 (13) SV Breuningsweiler 30 7 9 14 45 72 -27 30
14 (14) FV Olympia Laupheim 30 8 4 18 36 67 -31 28
15 (16) FV Löchgau 30 7 6 17 34 61 -27 27
16 (15) FC 07 Albstadt 30 7 6 17 34 66 -32 27