Bergwacht rettet ein Kätzchen, das fünf Tage lang im Baum saß

Einsatz Wie sich viele ehrenamtliche Retter und eine Tierfreundin ins Zeug legen, um eine Mieze wieder auf den Boden zu holen.
  • Das Tigerle nach der Rettung beim Tierarzt.Foto: privat
  • Das achtköpfige Team der Aalener Bergwacht. Lauric Weber (hinten links) brachte das Tier zu Boden. Fotos: dot
  • Die Bergwacht bei ihrem Tierrettungseinsatz.

Aalen

Fünf Tage hat es gedauert, sie zu fangen. Fünf Tage und vier Nächte lang saß eine Katze auf einem gut 20 Meter hohen Baum im Rohrwang. Am Sonntagnachmittag gelang es Lauric Weber von der Bergwacht samt seinen Vereinskameraden, das Tier in einem rund zweistündigen Einsatz aus dem Baum zu retten. Der erste Versuch tags zuvor musste wegen des Wetters und dem Einbruch der Nacht nach drei Stunden abgebrochen werden. Ebenso wie die der Feuerwehr und der Höhenretter der Malteser, die sich ebenfalls schon für das Tierwohl ins Zeug gelegt hatten.

Rettungsaktion läuft an

Entdeckt hat die Katze im Baum Heidrun Schön. Sie war am Mittwoch kurz nach 9 Uhr mit ihrem Hund unterwegs, als sie ein jämmerliches Miauen hörte. „Ich dachte erst, das ist ein Kind, dann wurde mir aber schnell klar, dass das von einer Katze kommt“, erzählt die Tierfreundin. Sie habe die getigerte Mieze dann weit oben im Geäst eines Baumes entdeckt und sofort bei Polizei, Feuerwehr und beim Dreherhof angerufen und das Problem geschildert. Alle hätten abgewunken. Zunächst. „Die sagten, die kommt schon von alleine wieder runter“, erzählt sie. Um 14.30 Uhr habe sie erneut nach dem Tier gesehen: „Die Katze saß immer noch oben“, erzählt Heidrun Schön. „Da habe ich nicht locker gelassen.“ Ein Anruf beim Ordnungsamt sorgte dafür, dass sie einen Rückruf von der freiwilligen Feuerwehr bekam. Die Helfer seien angerückt, hätten aber die Drehleiter nicht einsetzten können. Daraufhin habe die Feuerwehr die Höhenrettung der Malteser alarmiert. „Wir sind gesichert hoch und haben versucht, das Tier zu fangen“, erzählt Höhenretter Christian Göttlich. Das sei aber nach oben geflüchtet auf einen dünnen Ast. Von dort sei eine Rettung zu gefährlich gewesen. Auch der Versuch, das Tier mit einem Wasserstrahl in Richtung Retter zu treiben, misslang. Die Mieze flüchtete in Richtung Baumspitze. Das Unwetter habe dann zudem einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Am Feiertag habe sie erneut nach der Katze geschaut, sie sei immer noch da gewesen, erzählt Heidrun Schön. Am Freitag sei die Feuerwehr aus eigener Initiative heraus selbst noch mal angerückt. Doch auf die von den Floriansjüngern selbst gezimmerte Abstiegshilfe setzte das Tigerle keine Pfote, bediente sich aber aus seinem Versteck heraus am mittlerweile im Geäst deponierten Fressen und Wasser. Am Samstag kam einer Freundin von Heidrun Schön dann die Idee mit der Bergwacht.

Einsatz der Bergwacht

Von 14 bis 22 Uhr versuchte diese bei strömenden Regen ihr Glück: „Die Katze flüchtete aber immer wieder auf die dünnen Äste. Da kamen wir einfach nicht ran“, erklärt Lauric Weber. Mit Einbruch der Dunkelheit musste auch die Bergwacht ihre Hilfsaktion abbrechen. Am Sonntagnachmittag rückte ein achtköpfiges Bergwacht-Team dann noch mal an. Mit einer Big Shot, einer Art Riesenschleuder, installierten die ehrenamtlichen Retter zunächst ein Wurfseil, dann ein dickeres Seil über den Stamm, auf dem das Kätzchen saß. Als Lauric Weber dann dort oben ankam, war das Kätzchen schon wieder auf einen anderen Ast geklettert. Ein weiteres Seil wurde festgemacht, Weber damit doppelt gesichert, damit er auf den Ast zur Katze klettern konnte. Dort angekommen, redete er der Mieze gut zu und lockte sie mit Hühnchenfleisch an. „Sie ließ sich streicheln, war wohl bedürftig“, sagt er, nachdem er mit der Katze in einem dünnen Sack wieder auf den Boden geholt wurde. „Normalerweise machen wir keine Tierrettung“, ergänzt Thomas Pöpperl von der Bergwacht, sondern retten beispielsweise abgestürzte Paraglider aus Bäumen. Dem Tigerle dürfte das egal sein. Heidrun Schön brachte ihn mit einer Bekannten zum Tierarzt. Nun geht die Suche nach den Besitzern los.

© Schwäbische Post 23.06.2019 21:51
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