Fachzentrum und „Haus der Emotionen“

Die Villa Rosenstein widmet sich der Pflege von Menschen mit einer Demenzerkrankung. Dieses „Fachzentrum für Menschen mit Demenz“ bietet seinen Bewohnern ein Umfeld, in dem sämtliche Mitarbeiter/innen sich nur als Begleiter der dort lebenden Menschen verstehen.
  • Die Villa Rosenstein, das Fachzentrum für Menschen mit Demenz am Fuße des Rosensteins. Eine Erweiterung wird im Sommer 2020 eingeweiht. Foto: sgp hachtel bauer architekten bda

Heubach. Am Freitag, 28. Juni, wird nun ein neues Kapitel in der Geschichte der Villa Rosenstein aufgeschlagen. Nachdem alle Planungen für den großen Erweiterungsbau abgeschlossen sind, wird in einer kleinen Feierstunde der erste Spatenstich vollzogen.

Im Sommer 2020 wird der Neubau bezugsfertig sein und Wohn- und Erlebnisräume für 30 weitere Bewohner bieten. Insgesamt werden dann in der Villa Rosenstein circa 90 Bewohner leben.

Bernd Winkler, Geschäftsführer der Villa Rosenstein, kommt ins Schwärmen, wenn er von dem Neubau spricht: „Es ist ja nicht so, dass wir einfach vergrößern – nein – wir werden mit unserem Neubau zu einem richtigen ‚Haus der Emotionen’.

Wir realisieren hier erstmals in Deutschland virtuelle Räume, die unseren Bewohnern ein emotionales Erleben ermöglichen. Denn unabhängig vom Nachlassen der geistigen Kräfte lassen die emotionalen Wahrnehmungen unserer Bewohner nicht nach.“

Marisol Pohl-Catalan, Heimleiterin der Villa Rosenstein, führt weiter aus: „Die Demenz macht es notwendig, unsere ganze Einrichtung konsequent auf diese Erkrankung auszurichten.

Unser Ziel ist es, durch emotionale Ansprache ein Wechselspiel zwischen Geborgenheit, Neugierde, Kreativität und sozialer Teilhabe zu erzeugen und jeden Moment für unsere Bewohner erlebbar zu machen.“

So sind virtuelle Erlebnisräume geplant, in welchen die Bewohner dank Computersimulationen Erfahrungen machen können, ohne das Haus verlassen zu müssen. Es werden die Sinne der Bewohner angesprochen, um ihnen vertraute Gefühle zu vermitteln.

Virtuell durchs Wohnzimmer

Das kann ein virtueller Aufenthalt im Wohnzimmer mit knisterndem Kaminfeuer sein oder ein angenehmes Bad, das alle Sinne anspricht aber ohne Wasser auskommt.

Marisol Pohl-Catalan, Heimleiterin

Es werden Zugfahrten im virtuellen Abteil angeboten, Lichtkonzepte passen sich dem Biorhythmus an und vieles mehr.

„Alles in allem eine Entwicklung, die die Sonderstellung unseres Hauses weiter unterstreicht“, sagt Bernd Winkler und betont, dass es das einzige Fachzentrum für Demenz in Baden-Württemberg ist, das keine geschlossene Abteilung hat.

Winkler erklärt weiter, dass die Landesheimbauverordnung im Wesentlichen nur noch Einzelzimmer vorschreibt, aber die Villa Rosenstein hat mit der Heimaufsicht einen Kompromiss erarbeitet, nach dem nun für die circa 90 Bewohner auch 16 Doppelzimmer bereitstehen, „denn aus therapeutischen Gründen ist dies sehr wichtig, viele demente Menschen leben lieber in Gesellschaft als alleine“.

Zentrale Pfeiler

Marisol Pohl-Catalan ergänzt: „Verständnis, Geduld, Liebe und Normalität sind die zentralen Pfeiler unserer Arbeit.

Menschen mit Demenz sind keine Kranken, die man behandelt. Sie sind höchst individuelle Personen, die sich vom Verstand weg entwickeln und auf dieser Reise eine Begleiterin oder einen Begleiter benötigen.“

Neue Arbeitsplätze

So ist man derzeit in der Villa Rosenstein schon auf der Suche nach geeignetem Personal, denn es gilt ab Sommer 2020 mindestens 20 neue Arbeitsplätze mit hochqualifizierten Mitarbeitern zu besetzen. pm

© Schwäbische Post 26.06.2019 13:11
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.