Lesermeinung

Zum Leserbrief „Enkeltrick und Klimaschutz“ von Guido Wekemann vom 25. Juni

Wieder mal konnte der Leser eine sehr interessante Assoziation des Herrn Wekemann kennenlernen, indem er erklärt bekommt, was der „wahre“ Enkeltrick ist. Wir wären grundsätzlich gut beraten, uns unseren Lebensraum für uns selbst und für nachkommende Generationen lebensfähig zu erhalten. Und dazu braucht es bestimmt nicht die Gefahr eines drohenden Klimawandels.

Wenn schon solche seltsamen Vergleiche hergestellt werden, dann möchte ich behaupten, dass der perfidere Enkeltrick der ist, den nachfolgenden Generationen weiß machen zu wollen, sie könnten so weitermachen, wie die Generationen es vor ihnen bisher getan haben.

Dies wird nicht funktionieren. Was vor allem wir in den reichen Industriestaaten brauchen, ist ein „Klimawandel im Kopf“. Aber gemäß dem Motto, dass wohl nicht sein kann, was nicht sein darf, sind wir weniger an der Wahrheit interessiert, sondern mehr daran, uns unserer Identität zu versichern.

Und darum fliehen wir vor Fakten, um unsere Überzeugung hinsichtlich unserer Lebensleistung zu schützen. In diesem Sinne und gemäß dem Motto „Vorwärts immer, rückwärts nimmer“ werden die „Werte“ (?), die wir uns geschaffen haben als gut erachtet und deshalb bedenkenlos weitervermittelt. Die ganze Klimadebatte sollte Anstoß für eine grundsätzliche Verhaltensänderung sein.

Wenn man bedenkt, dass Milliarden Menschen von (schmelzenden) Gletschern (noch) mit Trinkwasser versorgt werden, oder im Jahre 2100 ca. 12 Milliarden Menschen auf der Erde leben und Ressourcen benötigen, dann kann man nur erahnen, welche Aufgaben den „Enkeln“ noch bevor stehen. Da braucht’s zusätzlich keinen Klimawandel und – mit Verlaub – schon gar nicht einen polemischen Vergleich mit dem Enkeltrick.

© Schwäbische Post 27.06.2019 11:33
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