Lesermeinung

Zur Klimanotstand-Abstimmung im Gmünder Gemeinderat:

Die Politik redet zwar laufend über den Pflegenotstand – von einem Klimanotstand wollen viele nicht sprechen. Und das, obwohl die Klimakrise die Lebensbedingungen der kommenden Generationen wesentlich bestimmt und zentrale Weichenstellungen zur Abwendung jetzt politisch getroffen werden müssen – auch auf kommunaler Ebene.

Eine politsche Lehrstunde lieferte der scheidende Gmünder Gemeinderat ab, der mit Zweidrittelmehrheit die symbolische Ausrufung des Klimanotstandes ablehnte. Sollten künftige Entscheidungen von Politik und Verwaltung mehr als bisher unter dem Aspekt des Klimaschutzes betrachtet werden? Lieber nicht, denn das könnte wie in Konstanz dazu führen, dass man ein Großfeuerwerk absagt. Oder dass man teurer, weil energiesparender, bauen müsste. Vor allem viele scheidende Gemeinderäte hatten Tipps parat, was stattdessen jeder im Alltag für den Klimaschutz tun könnte. Weniger fliegen oder Auto fahren. Oberbürgermeister Arnold versprach, sich mehr anzustrengen beim Thema und einen Klimarat zu gründen. Eine politische Standardreaktion, nach der zwei junge Erwachsene enttäuscht protestierend und türenknallend den Sitzungssaal verließen. Das Klima verhandelt nicht – Gmünd erwartet wieder ein drückender Hitzesommer.

© Schwäbische Post 27.06.2019 20:01
341 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.