Zwei neue Straßennamen für das Baugebiet Hungerbühl

Otto-Palm-Straße und Tugendhat-Straße erinnern in Unterkochen an Pioniere der Papierherstellung
  • OB Thilo Rentschler und Ortsvorsteherin Heidi Matzik haben gemeinsam mit Dr. Wolfgang Palm und Winfried Vogt an die Namensgeber für zwei neue Straßen im Wohngebiet Hungerbühl erinnert. Foto: Stadt Aalen

Aalen-Unterkochen. Im Beisein von Familienmitgliedern der Namensgeber der beiden neuen Straßen im Baugebiet Hungerbühl hat OB Thilo Rentschler an das Wirken von Otto Palm und Bruno Tugendhat erinnert.

„Das ist keine ganz normale Verleihung von Straßennamen an verdiente Unterkochener. Am Tag der Stolpersteinverlegung unter anderem mit einem Gedenkstein für Bruno Tugendhats Sohn Norbert Tugendhat ist sie auch eine besondere Form des Gedenkens. Dazu der Respekt an die beiden herausragenden Pioniere der Papiermacherzunft Anfang des 20. Jahrhunderts“, sagte OB Rentschler im neuen Wohngebiet Hungerbühl.

Soziale Verantwortung zweier Unterkochener Pioniere der Papierherstellung

Dr. Wolfgang Palm beschrieb seinen „Opa“ als sein großes Vorbild. Geprägt von einer sozialen Ader habe dieser die Interessen des Betriebs sogar über die der Familie gestellt und sei eine starke Verpflichtung gegenüber den Beschäftigten eingegangen. Er verschwieg dabei nicht das Beschäftigen von Fremdarbeitern in der Papierfabrik während der Nazi-Diktatur. „Otto Palm behandelte diese Menschen mit größtmöglichem Respekt. Einer der Arbeiter aus Russland ist nach dem Krieg sogar in Unterkochen geblieben“, sagte Dr. Palm.

Winfried Vogt brachte das Wirken von Bruno Tugendhat, einst Direktor der Papierfabrik und Ehrenbürger Unterkochens, nahe. „Zur vollen Wahrheit der Familie Tugendhat, die sich während der Nazi-Zeit auf der Ostalb verstecken musste, gehört eine starke innere Kraft, das sie Schicksalsschläge in der Familie hat verkraften lassen.“

Ortsvorsteherin Heidi Matzik berichtete von einem „spannenden Namensfindungsprozess“ für eines der Baugebiete Unterkochens. Das Fundament der Namensgeber der neuen Straßen strahle eine Haltung aus. „Einer solchen starken inneren Haltung bedarf es heutzutage“, sagte sie.

© Schwäbische Post 11.07.2019 06:54
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