Höchststrafe für Susannas Mörder

Das Landgericht Wiesbaden verurteilt den Iraker Ali B. zu lebenslanger Haft und stellt besondere Schwere der Schuld fest.
  • Mit einem Zettel verdeckt der Angeklagte Ali B. sein Gesicht. Foto: Boris Roessler/dpa
Diana F. beginnt zu weinen, als der Richter den Vergewaltiger und Mörder ihrer Tochter zu lebenslanger Haft verurteilt. Immer wieder wischt sie sich mit einem Taschentuch die Tränen aus den Augen, während Richter Jürgen Bonk akribisch die letzten Stunden der 14-jährigen Susanna rekonstruiert. Diana F. leide, obwohl sie nichts falsch gemacht habe, befindet der Richter. B.s zweimalige Entschuldigung zu Beginn und Ende des Prozesses seien keine Worte „ernstzunehmenden Bedauerns“ gewesen. Der 22-Jährige habe jegliche Reue, Mitgefühl und Verantwortungsbewusstsein vermissen lassen.

Bonk macht in den nächsten zweieinhalb Stunden klar, dass er B.s Version des Tathergangs keinen Glauben schenkt. Dieser hatte gesagt, dass Susanna in den Sex mit ihm eingewilligt habe, dass Freunde ihn betrunken gemacht und ihm Drogen gegeben hätten. Er habe Susanna getötet, weil diese wegen eines Sturzes auf dem Nachhauseweg mit der Polizei gedroht habe.

Staatsanwältin Sabine Kolb-Schlotter hatte hingegen dargelegt, dass B. den Geschlechtsverkehr mit Susanna von langer Hand geplant habe, dass er seinen jüngeren Bruder, in den Susanna verliebt gewesen sei, benutzt habe, um an sie heranzukommen. Er habe die verängstigte Schülerin bewusst nachts an jenen Bahndamm fernab jeder Hilfe geführt, um sie dort zu vergewaltigen, und – als sie zur Polizei wollte – kaltblütig von hinten erwürgt und anschließend verscharrt.

Dieser Version folgt auch das Gericht und verurteilt den Iraker zu lebenslanger Haft. Zudem wird die besondere Schwere seiner Schuld festgestellt, was eine frühzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren ausschließt, und die Anordnung der Sicherungsverwahrung nach dem Ende der Haftzeit behält sich das Gericht vor. afp
© Südwest Presse 11.07.2019 07:45
242 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.