Politisches Buch

Aus dem Innenleben der SED

  • Egon Krenz: Wir und die Russen Foto: edition ost
Im Januar 1986 schreibt der SPD-Politiker und spätere Bundeskanzler Gerhard Schröder an Egon Krenz in Ost-Berlin und wünscht ihm „von ganzem Herzen“ Kraft und Gesundheit. Mit dem Brief an das Mitglied des SED-Politbüros bedankt sich Schröder bei Krenz, der für ihn ein Treffen mit Partei- und Staatschef Erich Honecker arrangiert hatte. Das Faksimile des Schreibens ist in dem neuen Buch „Wir und die Russen“ von Krenz zu sehen. Es liest sich wie ein politisches Vermächtnis und zugleich wie ein detaillierter Bericht aus dem Innenleben der herrschenden SED. „Die DDR war ohne die Sowjetunion nicht lebensfähig“, versucht der 82-Jährige die Probleme – und zugleich die Verbundenheit – mit dem „großen Bruder“ zu beschreiben. Und über Honecker heißt es, den habe Moskau schon im Sommer 1984 loswerden wollen. Krenz gehört zu den letzten Zeitzeugen aus der DDR-Führungselite. Die DDR müsse in den Kontext der Geschichte des 20. Jahrhunderts eingeordnet werden, fordert er. Immer mehr Menschen verließen 1989 die DDR. Das SED-Politbüro habe geschwiegen, während es an der Basis brodelte, ist zu lesen. „Statt mit den kritischen Geistern zu reden, verteidigten wir Dogmen, die das Leben überholt hatte.“ Zum „positiven DDR-Erbe“ zählt er, dass es im Osten Deutschlands mehr „Russlandversteher“ gebe. Russland wolle gleichberechtigt behandelt werden – ohne Überheblichkeit und Druck. dpa

Egon Krenz: Wir und die Russen. Edition Ost in Eulenspiegel Verlagsgruppe. 304 Seiten. 16,99 Euro.
© Südwest Presse 11.07.2019 07:45
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