Kommentar Mathias Puddig zur Zahl der Toten im Straßenverkehr

Was ein Radfahrer wert ist

  • Mathias Puddig Foto: Thomas Koehler/Photothek.net
Radfahren hält fit, schont das Klima, macht Spaß und ist in vielen Städten auch noch der schnellste Weg, ans Ziel zu kommen. Zwar regen sich immer mal wieder Autofahrer über rücksichtslose Radfahrer auf, insgesamt kann aber niemand ernsthaft etwas gegen das Radfahren sagen. Es ist nun einmal schick. Und davon wollen auch die Regierenden was abhaben: Radfahren ist politisch gewollt. Zumindest in Sonntagsreden.

Denn an Werktagen zeigt die Infrastruktur den Fahrradpendlern, was sie ihren Politikern wirklich wert sind. Mal gibt es gar keine Radwege, mal sind sie schmal, holprig und zugewachsen, mal enden sie im Nichts, mal sind sie einfach zugeparkt, ohne dass das jemand kontrolliert. An vielen zentralen Orten zum Umsteigen in Bus und Bahn gibt es nicht genügend Stellplätze, oft genug sind sie nicht einmal über Radwege zu erreichen. Das alles macht das Radfahren nicht nur unattraktiv, sondern auch gefährlich.

Sicher, tödliche Fahrradunfälle werden niemals komplett zu vermeiden sein. Radfahrer werden immer zur Gruppe der empfindlichsten Verkehrsteilnehmer gehören. Und in dem Maße, wie die Zahl der Radfahrer wächst, wird auch die Zahl der Unfälle ansteigen. Doch gerade deshalb muss deutlich mehr geschehen, um das Radfahren so sicher wie möglich zu machen. Das betrifft nicht nur Investitionen in die Infrastruktur und die Neuverteilung des öffentlichen Raumes. Schon eine Helmpflicht würde das Radfahren sicherer machen. Doch nicht einmal da trauen sich Politiker im Moment ran. Sie wissen, dass auch das für Konflikte sorgt. Und die will in Sonntagsreden nun wirklich keiner haben.
© Südwest Presse 11.07.2019 07:45
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