Farbschmiereien

Mit Hochdruck gegen Graffiti

Im kleinen Isny ist der Ärger wegen illegaler Farbattacken groß. Das Rathaus setzt 2000 Euro Belohnung aus für Hinweise auf die Täter.
  • Bürgermeister Rainer Magenreuter: Isny soll schön bleiben. Foto: Alfred Wiedemann
  • Baubetriebshof-Mitarbeiter Karl-Heinz Wipper in Isny: mit Spezialreiniger und Wasser gegen Farbschmierereien. Foto: Alfred Wiedemann
An der Einfahrt zum Isnyer Rewe-Parkhaus am Rand der Altstadt hilft diesmal weder das Anti-Graffiti-Spezialmittel noch der Hochdruckreiniger: Wenn Karl-Heinz Wipper auf den Knopf drückt und die Wand volle Pulle abduscht, fliegt weiße Farbe und der Putz weg, statt dass nur die Schmiererei verschwindet. „Keine Chance“, sagt der Mann vom städtischen Baubetriebshof. „Da muss drüber gestrichen werden.“ Ein neuer Arbeitseinsatz, dann mit Pinsel und Farbe.

Graffiti-Sprayer bereiten nicht nur in größeren Städten wie Tübingen Ärger, sondern auch in kleinen wie Isny. Zusätzlich macht das Wegräumen wilder Müllablagerungen dem Baubetriebshof der Allgäustadt viel Arbeit. „Die Farbschmierereien und der Müll, beides hat stark zugenommen“, sagt Rainer Magenreuter, seit 2008 Chef im Isnyer Rathaus. Immer wieder müssten die städtischen Mitarbeiter ausrücken, Farbe wegmachen, streichen, Müllhalden abräumen.

„Isny soll schön bleiben“, sagt der parteilose Bürgermeister. Schön für seine 14 300 Einwohner und schön für die Touristen, die kommen: 66 000 jährlich wurden zuletzt gezählt, mehr als eine halbe Million Übernachtungen. Eine Attraktion für die Besucher sind die historischen Gebäude in der Isnyer Altstadt. Die Sprayer machen selbst vor ehrwürdigem Gemäuer nicht halt. Graffiti unter den Arkaden am Wassertor, Sprühfarbe am Wehrgang der Stadtmauer, außerdem ein Hakenkreuz an der Friedhofsmauer. Die Polizei ermittelt.

„Wir sind nicht bereit, einfach nur zuzusehen“, sagt Magenreuter. Seit Jahren bezahlt die Stadt einen privaten Sicherheitsdienst, der nachts kontrolliert. „Manche sagen, das sei doch Arbeit der Polizei“, sagt Magenreuter. Andere ärgerten sich, dass der Isnyer Polizeiposten nur tagsüber besetzt ist. „Aber natürlich fahren die Beamten nachts Streife.“ Das Rathaus hat jetzt 2000 Euro Belohnung ausgesetzt für Hinweise, die zum Ergreifen der illegalen Farbkünstler führen.

Tübingen hat bereits Ende Februar eine Belohnung ausgesetzt, 2500 Euro. „Relativ zeitnah“ habe die Polizei dann vier Personen erwischt, sagt eine Rathaussprecherin. Drei Hinweise auf Schmierer seien bis Ende März direkt bei Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) eingegangen. Eine Belohnung gab es aber in diesen Fällen nicht.

Als Anreiz zum schnellen Beseitigen der Farbschmierereien zahlt Tübingen Privatpersonen schon bisher Zuschüsse von bis zu 50 Prozent der angefallenen Kosten. Bald gibt es bis zu 100 Prozent. Noch im Juli soll diese Regelung starten. Strafanträge stelle die Stadt konsequent. „Gleichzeitig versuchen wir, die Schmierereien schnellstmöglich beseitigen zu lassen in der Hoffnung, dass die Sprayer die Lust verlieren“, so die Sprecherin.

Die Rückmeldungen der Hausbesitzer seien positiv, sie seien daran interessiert, dass Graffitis schnell entfernt werden, besonders in der Altstadt. „Hausbesitzer und Mieter sind an einer schönen Fassade interessiert“, sagt OB Palmer. „Bisher wurden Graffitis allerdings oft nicht entfernt, weil die Hausbesitzer befürchten, dass die gesäuberte Fläche gleich wieder besprüht wird. Hier erhoffen wir uns von der 100-Prozent-Förderung einen großen Anreiz, die Flächen zu säubern.“

Isny hat keine solche Zuschussregelung. Das Beseitigen von Graffiti und wildem Müll koste die Stadt tausende Euro jährlich, sagt Magenreuter. Geplant sei, an einem besonders heimgesuchten Müllablagerungsplatz Videokameras zu installieren. Auch das kostet. Aber vielleicht könne man auf diese Weise Übeltäter ermitteln und zur Kasse bitten. „Oder wenigstens abschrecken“, sagt Magenreuter.
© Südwest Presse 11.07.2019 07:45
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